ADB:Paul, Oskar

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Paul, Oskar“ von Albert Thierfelder in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 766–767, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Paul,_Oskar&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 14:46 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Krèn, Adele
Band 52 (1906), S. 766–767 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Oscar Paul in der Wikipedia
GND-Nummer 116061189
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|52|766|767|Paul, Oskar|Albert Thierfelder|ADB:Paul, Oskar}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116061189}}    

Paul: Oskar P., Musikgelehrter, geboren am 8. April 1836 zu Freiwalden in Schlesien, wo sein Vater Geistlicher war, † am 18. April 1898 in Leipzig als außerordentlicher Professor an der dortigen Universität und Lehrer des Clavierspiels und der musikalischen Theorie am königl. Conservatorium der Musik, besuchte nach Absolvirung des Görlitzer Gymnasiums im J. 1858 die Universität zu Leipzig, wo er sich auf Wunsch seines Vaters als Theologe immatriculiren ließ und musikalischen Studien oblag. Bald widmete er sich ganz der Musik, die er als stud. phil. sowie als Schüler von Moritz Hauptmann wissenschaftlich und als Zögling des Conservatoriums praktisch betrieb. Auf Grund einer musikhistorischen Abhandlung und eines Examens, [767] bei welchem Dr. Moritz Hauptmann als Examinator in der Musikwissenschaft hinzugezogen worden war, wurde P. im J. 1860 zum Dr. phil. promovirt. Dann machte er mit dem russischen Componisten Asantschewski Reisen im Auslande, lebte einige Zeit in Köln und habilitirte sich im J. 1866 mit der Arbeit „Die absolute Harmonik der Griechen“ an der Leipziger Universität; welche ihn nach Veröffentlichung der Uebersetzung des Werkes „De musica“ von Boëthius im J. 1872 zum außerordentlichen Professor ernannte. Seit 1869 wirkte P. als Docent am Conservatorium, hochgeschätzt als Theoretiker und Lehrer des höheren Clavierspiels.

P. hat als junger Mann eine Zeit lang geschwankt, ob er die Carrière eines Claviervirtuosen einschlagen, oder sich ganz der Musikwissenschaft widmen solle. Seine hauptsächlich bei L. Plaidy erworbene Technik war ziemlich bedeutend, was später seinen zahlreichen Schülern am Conservatorium inbezug auf Anschlag und Gründlichkeit sehr zu statten gekommen ist. Als Musikgelehrter hat sich P. vorzugsweise durch seine Untersuchungen über das Wesen der altgriechischen Musik hervorgethan. Er war in musikalischen Dingen die rechte Hand R. Westphal’s, der sich nicht bloß brieflich, sondern öfters persönlich in Leipzig bei P. Rath einholte, wenn seine eigenen musikalischen Kenntnisse bei der Arbeit nicht ausreichen wollten. P. führte F. Bellermann gegenüber eine andere Tonhöhenannahme ein, indem er die hypodorische Klangregion der altgriechischen Musik mit unserem A-moll verglich und dadurch Beziehungen zu den mittelalterlichen Tonleitern herstellte. Von den Schriften des als Musikschriftsteller und Redacteur des musikalischen Theils des Leipziger Tageblattes bis an sein Lebensende unausgesetzt thätigen Mannes ist außer der altgriechischen Harmonik und der Uebersetzung des Boëthius hauptsächlich noch „Die Geschichte des Claviers“ sowie auch „Handlexikon der Tonkunst“ zu erwähnen. Die musikalischen Zeitschriften „Tonhalle“ und „Musikalisches Wochenblatt“ sind von ihm begründet. Bei einer Weltausstellung fungirte P. als Juror der deutschen musikalischen Abtheilung; seit 1878 war er Sachverständiger des Reichspatentamtes.

Nach dem Tode Hauptmann’s gab P. dessen nachgelassene „Lehre von der Harmonik“ heraus und veröffentlichte dann später (1880) ein eigenes, im J. 1894 in 2. Auflage erschienenes „Lehrbuch der Harmonik“, in welchem die Hauptmann’schen Ideen näher ausgeführt und praktisch verwerthet worden sind.