ADB:Pichler, Aloys

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Artikel „Pichler, Aloys“ von Franz Heinrich Reusch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 103–104, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pichler,_Aloys&oldid=- (Version vom 2. April 2020, 12:41 Uhr UTC)
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Pichler: Aloys P., katholischer Theologe, geb. am 7. November 1833 zu Tüssling in der Diöcese Passau, † am 3. Juni 1874 zu Siegdorf bei Traunstein. Er machte seine Studien am Lyceum zu Passau und an der Universität zu München; hier löste er 1857 eine Preisfrage über Polybius (gedruckt 1860 unter dem Titel „Des Polybius Leben, Philosophie und Staatslehre“). 1859 wurde er Priester, 1861 Doctor der Theologie, 1863 Privatdocent in der theologischen Facultät zu München, 1865 zugleich Stiftsvicar an St. Cajetan, 1868 außerordentliches Mitglied der Akademie. Er veröffentlichte folgende Schriften: „Geschichte des Protestantismus in der orientalischen Kirche im 17. Jahrhundert oder der Patriarch Cyrillus Lukaris und seine Zeit“, 1862; „Die orientalische Kirchenfrage nach ihrem gegenwärtigen Stand“, 1862; „Geschichte der kirchlichen Trennung zwischen dem Orient und Occident“, 2 Bände, 1864. 1865; „An meine Kritiker. Beleuchtung verschiedener Angriffe auf meine Geschichte der griechischen Kirchentrennung, insbesondere an Professor Hergenröther („Neue Studien über die Trennung der morgenländischen und der abendländischen Kirche. Eine Kritik von Dr. Pichler’s neuestem Geschichtswerk“, 1864), Professor Mittermüller und im Münchener Pastoralblatt“. 1865; „Die Theologie des Leibniz“, 2 Bände, 1869. 1870; „Die wahren Hindernisse und die Grundbedingungen einer durchgreifenden Reform der katholischen Kirche, zunächst in Deutschland“, 1870. Die beiden größeren (wissenschaftlich bedeutenden) Werke und die letzte Schrift wurden gleich nach dem Erscheinen in Rom auf den Index gesetzt; eine Unterwerfungserklärung, die P. nach dem Verbote des ersten Bandes der „Geschichte“ an den Erzbischof von München und an den Papst sandte, wurde nicht als genügend anerkannt. Die „Geschichte der kirchlichen Trennung“ veranlaßte 1869 die russische Regierung, P. nach Petersburg zu berufen, wo ihm eine Stellung im Ministerium des Innern gegeben, aber lediglich die Verpflichtung auferlegt wurde, seine kirchengeschichtlichen Studien fortzusetzen. Um ihm dieses, bezw. die Benutzung der kaiserlichen Bibliothek zu erleichtern, wurde er auf seinen Wunsch auch zum außeretatsmäßigen Bibliothekar ernannt. Vom December 1869 bis März 1870 verweilte er mit einem russischen Stipendium in Rom (an den in der Augsburger Allg. Zeitung erschienenen Briefen über das Vaticanische Concil ist er nicht, wie man wol behauptet hat, betheiligt). Im September 1871 wurde er überführt, viele Bücher der kaiserlichen Bibliothek entfremdet zu haben, und zu lebenslänglicher Deportation nach Sibirien verurtheilt. Im Frühjahr 1874 wurde er auf die Fürsprache des Prinzen Luitpold von Baiern begnadigt, [104] kehrte nun nach Baiern zurück, starb aber bald darauf plötzlich (er wurde Morgens todt im Bette gefunden).

Prantl, Gesch. der Ludwig-Maximilians Universität II, 539. – Litterarischer Handweiser 1874, 835. – Reusch, Der Index II, 1181. – J. Chr. Marguse, Dr. Pichler und der Bücherdiebstahl an der kaiserlichen Bibliothek in Petersburg; Bericht über die Verhandlungen vor den Geschworenen, Petersburg 1871. – Petzholdt, N. Anzeiger 1871, S. 365.