ADB:Popma, Ausonius von

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Artikel „Popma, Ausonius de“ von Johann August Ritter von Eisenhart in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 416–418, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Popma,_Ausonius_von&oldid=- (Version vom 13. Juli 2020, 15:11 Uhr UTC)
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Popma: Ausonius de P. (Popmen), Grammatiker und Rechtsgelehrter. Die P., welche zu den ältesten und angesehensten Adelsgeschlechtern Frieslands zählen, und um 1460 im Besitze der Insel Ter Schelling, später von Ylst und Warrega standen, liefern das in der Geschichte der Wissenschaften wohl seltene Beispiel, daß vier Brüder (Cyprian, Titus, Sixtus und Ausonius) gleichzeitig als namhafte Gelehrte und gefeierte Schriftsteller sich auszeichneten. Der berühmteste unter den Vieren war der jüngste, Ausonius, welcher seine Brüder an Scharfsinn und Gelehrsamkeit noch übertraf. Zu Alst im Friesischen geboren, verlor er seinen gleichnamigen Vater (Ausonius v. P.) schon frühzeitig. Die Mutter, Ymcka van Hettinga, eine[WS 1] hochgebildete, thatkräftige Frau, verwendete auf die Erziehung ihrer Söhne große Sorgfalt. Die ersten humanistischen Lehren empfingen sie zu Gröningen, durch Rector Nikolaus Neupagus, welcher ihnen Unterricht in der griechischen und lateinischen Sprache ertheilte; von da zogen sie mit ihrer Mutter zum Studium der Philosophie und Mathematik nach Köln, wo sie in der Bursa Laurentiana wohnten, und wo die drei Aelteren Magister der freien Künste, Ausonius Baccalaureus wurde, dann wandten sie sich als Hörer der Rechte nach Löwen und kehrten nach längerem Aufenthalte dortselbst zur Wahrung ihrer bedrohten häuslichen Angelegenheiten mit Ausnahme des Sixtus in die Heimath zurück. Ausonius war ein tüchtiger Rechtsgelehrter und schrieb: „De ordine et usu judiciorum“. Arnheim 1617, 2 Theile, 4° mit Vorrede von Winsemius und Gedichten von Hector Bouricius. Vornehmlich aber beschäftigte er sich mit Philologie, insbesondere mit der Grammatik, und verließ eine größere Anzahl von Schriften dieser Gattung die Presse. Sein vielverbreitetes Hauptwerk: „De differentiis verborum libri quatuor“ (Antw. 1606), erläutert in alphabetischer Reihenfolge unter Anführung von Belegstellen aus Classikern mit großer Feinheit Sinn und Bedeutung der namentlich gleichlautenden Worte (synonyma) und verdient als einer der ersten Versuche dieser Gattung vollstes Lob, weil der Verfasser große Umsicht und gediegene Kenntnisse der Litteratur der Alten an den Tag legt. Das Buch fand auch sofort lebhaften Beifall und großen Absatz. Ein paar Jahre später erschien gewissermaßen als zweiter Theil des ebengenannten Werkes „De usu antiquae locutionis libri duo.“ Lugd. Bat. 1608, dann Argent. 1618, ebenfalls eine treffliche Arbeit, welche mit der vorerwähnten zur Begründung seines Rufes wesentlich beitrug. Die differentiae verborum wurden zum 2., 3. und 4. Male in Marburg (1635, 1646, 1673), zum 5. Male in Gießen (1670) aufgelegt. Sodann wurden sie vereint mit dem usus antiquae locutionis zu Leipzig, 1690 und 1708 in einer von J. V. Heckelius besorgten Ausgabe gedruckt, ebenda 1741 „cum augmentis Ad. Dan. Richteri“, welcher in der Vorrede eine Lebensbeschreibung Popma’s versprach. In der That gab er auch 1746 in Annaberg ein „Programma de [417] vita et scriptis Ausonii P.“ heraus. Nach der Richter’schen Ausgabe besorgte J. Chr. Messerschmidt zu Dresden noch 1679 eine neu durchgesehene, und J. Chr. Strodtmann lieferte in der Sammlung der lateinischen Gesellschaft zu Jena (Acta soc. lat. Jen. t. 2, pag. 51–103) eine Ergänzung von 100 Synonyma, welche P. nicht oder doch nicht genügend besprochen hatte. Ein vielgelesenes Buch unseres Gelehrten waren dessen „Fragmenta Historicorum veterum Latinorum collecta, emendata et scholiis illustrata“, welche fünfmal aufgelegt (Amsterd. 1620 und 1661. 12°. Cantabrid. 1710. 4°. Lipsia 1724. 4°. Amsterd. 1742) und von Vossius, Curtius und Haverkamp ihren Sallustausgaben angefügt wurden. Unter den übrigen philologischen Werken sei noch erwähnt: „M. Porcii Catonis de agricultura sive de re rustica liber“, Antv. 1590. Lugd. 1598 (Ed. 2), Franeq. 1620. Adjecto libro de instrumento fundi (Ed. 3). Ausonius bekleidete kein öffentliches Amt, und starb zu Ijlst an der Auszehrung (nach Michaud, biogr. univers.) 1613 im 50. Lebensjahre, nach Gabini de Wal (oratio de claris Frisiae Ictis) und van der Aa’s Woordenboek 1621. Er war mit Jel von Galama verheirathet, aus welcher Ehe eine Tochter hervorging, die nachmalige Gattin des Lollus von Exema. Suffridus Petri (in den Scriptoribus Frisiae Decas XV, 6), Lyclama (in Membran L. VIII. Eccl. 23, pag. 291), Bartius (Adv. L. XVI cy, pag. 883), Siccama (Epist. pag. 162), Pierius Winsemius (Beschreibung von Bolsward) u. A. wetteifern in rühmender Anerkennung des Ausonius, letzterer beklagt es tief, daß ein Mann von solch wissenschaftlicher Bedeutung keinen Ruf auf einen Catheder erhalten habe (Epist. ad senat. in Frisia ordinem).

Sixtus von P. nach Suffridus Petri, Gabini de Wal und Michaud der älteste, nach van der Aa der jüngste der Brüder, ist nach ersterer Annahme vor, nach letzterer nach 1550 zu Alst geboren, machte denselben Bildungsgang wie seine Brüder, besuchte jedoch, indeß erstere nach Friesland zurückkehrten, behufs weiterer Ausbildung in der Jurisprudenz die Rechtsschule in Douay (nach Anderen in Dole), wo er den Doctorgrad erwarb. Heimgekehrt, besorgte er als Senior der Familie deren Geschäfte, war in politischen Angelegenheiten thätig und verheirathete sich mit Hanik Härsmea, die ihm einen Sohn (Ausonius) und eine Tochter schenkte. Er starb um 1611 zu Alst und liegt in der dortigen Martinskirche begraben. Sixtus erläuterte des Cornelius Celsus Buch „De arte dicendi“ (Colon. 1569) und hinterließ handschriftlich einen „Commentarius in libros quatuor Instit. Imperialium“.

Titus von P., vor 1550 zu Alst geboren, gleich seinen Brüdern gründlich gebildet, trieb neben dem Studium der Classiker mit Vorliebe Mathematik, Rechtswissenschaft und Philosophie und verfaßte als Privatgelehrter einige gediegene Werke. Im J. 1586 gründete er seinen Hausstand, indem er auf Anrathen seiner Freunde Frouck van Boytsma heimführte, die reichbegabt aus vornehmem Hause stammte. Allein binnen Jahresfrist wurde ihm die erst 20jährige Gattin zu Leuwarden am 28. März 1587 durch den Tod entrissen und zu Husem bestattet. In zweiter Ehe lebte er mit Anna von Feitsma und wurde Vater dreier Kinder, die beiden Söhne (Renicus und Hessel) starben unverheirathet. Titus selbst verschied (gleich seinem Bruder Ausonius) im J. 1621. Titus und Sextus wurden von Gallius Supcanus in „Frisia nobilis“ pag. 65 sehr ehrenvoll besungen. Titus veröffentlichte: „Tabulae in Sphaerum et prima astronomiae elementa“ (Colon. 1569. 4°). „Castigationes in Ciceronis epistolas ad Familiares“ (Antv. 1672. 12°). „Notae in G. Asconium Pedianum“, Colon. 1578. Sein vorzüglichstes Werk führt den Titel: „De operis Servorum liber singularis“, Antw. 1608, Amsterd. 1672. 12° und in Thesaurus Poleni T. III. pag. 1319 u. ff.

[418] Cyprian von P., gleich seinen Brüdern in Alst geboren (1550), und gleich diesen in Gröningen, Köln und Löwen gebildet, beschäftigte sich hauptsächlich mit classischer Litteratur und Geschichte. Seine ungewöhnliche Gelehrsamkeit erwarb ihm den Beinamen einer Säule des Vaterlandes. Mit His von Boytsma verheirathet, war er Vater von zwei Kindern, welche vor ihm das Zeitliche segneten. Er selbst starb an seinem Geburtsorte am 2. October 1582 in einem Alter von nur 32 Jahren. Er gab heraus: „Henrici Mediolanensis libri de controversiis hominis et fortunae, cum commentariis“. Colon. 1570. „Sallustii opera emendavit et emendationum rationes adjecit“. Lov. 1572. Seine „Historia motuum civilium, qui in Frisia sunt post annum 1570“ ist wahrscheinlich verloren.

In van der Aa’s Woordenboek sind des Ausonius und seiner Brüder Schriften (Bd. 15, S. 418–22) sehr vollständig aufgezählt; auch ist dortselbst die Litteratur über die Popma’s am sorgfältigsten zusammengestellt. – Siehe ferner über Ausonius und Sixtus Michaud, biogr. univ. sub voce Popma.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ein