ADB:Prechtl, Johann Josef Ritter von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Prechtl, Joh. Joseph Ritter v.“ von Karl Weiß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 539, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Prechtl,_Johann_Josef_Ritter_von&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 04:35 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Prechtl, Max
Band 26 (1888), S. 539 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Joseph von Prechtl in der Wikipedia
GND-Nummer 118838490
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|26|539|539|Prechtl, Joh. Joseph Ritter v.|Karl Weiß|ADB:Prechtl, Johann Josef Ritter von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118838490}}    

Prechtl: Joh. Joseph Ritter v. P., Naturforscher, geb. zu Bischofsheim in Baiern am 16. November 1778, † zu Wien am 28. October 1854. Nach zurückgelegten philosophischen und juristischen Studien an der Universität in Würzburg begab sich P. im J. 1801 nach Wien in der Absicht, beim Reichshofrathe die juristische Laufbahn zu betreten. Er kam jedoch von diesem Entschlusse zurück, trat als Erzieher in das Haus des Grafen Taaffe in Brünn und beschäftigte sich neben seinen Berufspflichten mit naturwissenschaftlichen Studien. Mehrere Abhandlungen, worunter jene „Ueber die Physik des Feuers“, 1805 von der holländischen Akademie der Wissenschaften durch eine Preismedaille ausgezeichnet, und „Ueber die Identität von Licht und Wärme“ (in Gilbert, Annalen des Jahres 1805 veröffentlicht), vorzugsweise die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Kreise auf sich gelenkt hatten, waren Veranlassung, daß P. im J. 1809 zum Director der neu errichteten Real- und Navigations-Akademie in Triest ernannt wurde. Er kehrte jedoch bald wieder nach Wien zurück und lehrte an der dortigen Real-Akademie Chemie, Physik und Naturgeschichte. Gleichzeitig beschäftigte sich P. mit dem Entwurfe eines Planes zur Errichtung eines polytechnischen Institutes, welcher im J. 1814 auch zur Ausführung gelangte. P. wurde im J. 1815 der erste Director dieser für die Pflege der technischen Wissenschaften in Oesterreich hochwichtigen Anstalt und verblieb in dieser Stellung bis zum Jahre 1850. Er entwickelte letztere zu einer Bedeutung, daß sie in kurzer Zeit den Ruf einer Musteranstalt in Deutschland genoß. Als Gelehrter machte sich P. durch seine Leistungen auf physikalischem Gebiete hochverdient. Er machte schon vor Oersted Versuche, die Natur der Imponderabilien zu ergründen; er kannte schon 1811 die Magnetisirung des Eisens durch den electrischen Strom und schrieb mehrere Abhandlungen über die Theorien Franklin’s und Volta’s. Im J. 1813 veröffentlichte P. „Grundlehren der Chemie in technischer Beziehung“. Hierauf machte er mit Arzberger die ersten größeren Versuche der Beleuchtung mit Steinkohlengas. Im J. 1819 gründete P. die „Jahrbücher des polytechnischen Instituts“. Im J. 1828 lieferte er durch die Herausgabe seiner „Practischen Dioptrik“ einen Leitfaden für Jene, welche sich mit der Herstellung von Fernrohren beschäftigten. Im J. 1830 entschloß er sich auf Anregung der Technologen Altmüller und Karmarsch eine „Technische Encyklopädie zum Gebrauche für Kameralisten, Oekonomen, Künstler und Gewerbetreibende“ herauszugeben, deren 1.–19. Band aus seiner Feder allein 90 Artikel enthalten. Unter verschiedenen Projecten, welche sein vielseitig schaffender Geist ersann, heben wir seine für die Nationalökonomie wichtig gewordene Verbesserung in der Erzeugung des Erdäpfelmehles hervor, welche ein Gemeingut der Oekonomen wurde. – Der Kaiser zeichnete ihn bei seinem Rücktritte von der Leitung des Polytechnicums durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Leopoldordens aus. Schon im J. 1847 stand er in der ersten Liste der Mitglieder der neu gegründeten k. Akademie der Wissenschaften. Außerdem war er Mitglied deutscher, französischer und italienischer Akademien und Gesellschaften. Die Stadt Wien ehrte P. durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes für seine ausgezeichneten Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaften.