ADB:Prielmair von Priel, Korbinian Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Prielmayer von Priel, Corbinian Freiherr v.“ von Karl Theodor von Heigel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 586–588, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Prielmair_von_Priel,_Korbinian_Freiherr&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 07:30 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Pribislaw
Nächster>>>
Prießnitz, Vincenz
Band 26 (1888), S. 586–588 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Korbinian von Prielmayr in der Wikipedia
GND-Nummer 118596551
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|26|586|588|Prielmayer von Priel, Corbinian Freiherr v.|Karl Theodor von Heigel|ADB:Prielmair von Priel, Korbinian Freiherr}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118596551}}    

Prielmayer: Corbinian Freiherr v. P. von Priel, bairischer Staatsmann, geboren 1643, Sohn des Martin Georg P. und dessen Ehefrau Maria Rosina, geb. v. Höckh, trat nach Beendigung seiner Studien 1662 als „Kanzley-Jung“ in die geheime kurfürstliche Kanzlei ein, wurde 1667 zum Registrator mit einem Gehalt von 400 Gulden und im nämlichen Jahre zum kurbairischen Rath und Geheimregistrator ernannt. Schon in dieser untergeordneten Stellung gewann er großen Einfluß als Vertrauter des eigentlichen Leiters der auswärtigen Politik Baierns, des Vicekanzlers Kaspar v. Schmid. Das Kreisarchiv München verwahrt die geheime Correspondenz Prielmayer’s mit seinem Gönner aus den Jahren 1673–1677, die als wichtige Quelle für die Geschichte der Regierung des Kurfürsten Ferdinand Maria in diesem Zeitraum, da Baiern bereits mit Frankreich und Schweden in geheimer Verbindung stand, bezeichnet zu werden verdient (Hofamtsregistratur, Rep. 19, Fasc. 15.634: Acta, Correspondenzen zwischen Freiherr v. P., dann geh. Rathskanzler, Caspar Freiherr v. Schmid, die Resolutionen der Kurfürsten Ferdinand Maria und Max Emanuel in verschiedenen Staatsangelegenheiten betr.). P., der sich in mehreren eigenhändigen Briefen „Caspar Huber“ unterzeichnete, begleitete damals als Geheimsecretär den Kurfürsten, der sich abwechselnd in den Schlössern zu Dachau, Schleißheim, Berg, Kloster Bernried u. s. w. aufhielt, und erstattete dem Vicekanzler genauen Bericht über Alles, was am Hofe vorging, über die Verhandlungen mit dem Herzog von Vitry und andern Gesandten, legte häufig auch Abschriften der an den Kurfürsten gelangten Briefe bei. Auch die Aufgabe, den Kurprinzen in die Verwaltungsgeschäfte einzuführen, wurde P. übertragen, und Max Emanuel schenkte in der Folge seinem Lehrer bis an dessen Lebensende hohe Gunst und unbegrenztes Vertrauen. 1687 wurde P. „in Ansehung seiner bisher geleisten treu und miehesamben Diensten und von den Archivsachen beraits habenden guetten information“ zum Vorstand des inneren Archivs ernannt. Zugleich wurde er zu den wichtigsten Staatsgeschäften und Missionen verwendet; in vielen Acten über Angelegenheiten der inneren wie der äußeren Politik finden sich Gutachten des vertrauten Rathgebers, der sich nicht selten, wenn auch in vielen Fällen vergeblich, veranlaßt sah, vorsichtig und besonnen „im Namen des gesunden Menschenverstandes“ vor allzu gewagten und gefährlichen Unternehmungen abzumahnen. Nachdem er als Plenipotentiarius Baiern auf [587] dem Congreß der Alliirten im Haag gute Dienste geleistet, wurde ihm am 3. Mai 1692 „zu Bezaigung der absonderlich gnedigsten satisfaction“ das Prädicat „von“ ertheilt; bald darauf, am 16. Mai, wurde er zum wirklichen geheimen Rath mit der gewöhnlichen Besoldung von 1000 Gulden befördert. Schon 1685 hatte Kaiser Leopold den 1563 von Ferdinand I. einem Lambert P. ertheilten Adelsbrief erneuert; 1694 wurde die Familie in den Reichsfreiherrnstand erhoben (auch bei der Erneuerung des Freiherrndiploms durch Kurfürst Karl Theodor als Reichsvicar 1792 erscheint das sonderbare doppelte „von“: von Prielmayer von Priel, vgl. Münchener Intelligenzblatt vom 29. December 1792; das Wappen ist durch einen Sparren, dessen rechte Seite golden, dessen linke Seite schwarz ist, getheilt; die beiden Seitenplätze sind blau mit je einem silbernen Stern, die Spitze unter dem Sparren ist silbern mit einem schwarzen Anker). 1695 wurden der Familie, die inzwischen die Hofmark Hynheim (Hienham) erworben hatte, die durchgehende niedere Gerichtsbarkeit und all andere Landes- und Edelmannsfreiheit verliehen. Die wichtigste Aufgabe hatte P. als Vertreter Baierns bei den Friedensverhandlungen im Haag 1696 zu erfüllen; als solcher unterzeichnete er auch den Frieden von Ryswick 1697. Ein Kupferstich von Amling aus dieser Zeit macht uns mit der äußeren Erscheinung des Staatsmannes bekannt, in welcher, wie im derbkräftigen Stil seiner Schriftstücke der altbairische Typus unverkennbar ist; das Bildniß aus dem Jahre 1697 zeigt ein volles, bartloses Gesicht mit großer, stark gebogener Nase, ausdrucksvollen Augen, behäbiger Miene. Eine originelle Entschließung Prielmayer’s ist in Westenrieder’s Beiträgen I, 331 veröffentlicht. Um seinen Fürsten leichter zu bewegen, daß er alle einlaufenden Acten wirklich lese, erließ P. ein Ausschreiben, daß „alle kurfürstlichen Bedienten, vornämlich Diejenigen, welche in Kanzeleyen oder Gerichten oder Kammern säßen, ihre Hand nach der zu solchem Ende in Kupfer gestochenen Vorschriften ändern und einrichten mögten, widrigenfalle sie zu gewärtigen hätten, auf ihre Kosten Substituten zu bekommen oder gar ihrer Dienste entlassen zu werden.“ In Folge dieser Anordnung erhielt sich eine bairische Kanzleischrift mit einheitlichem Gepräge bis in die Zeiten des österreichischen Erbfolgekrieges. Zur Charakteristik des einflußreichen Beamten lassen sich auch einige Züge dem Tagebuch, das er vom 1. Januar 1701 bis zum 1. December 1703 eigenhändig führte, entnehmen (jetzt in der Handschriftensammlung der Münchener Staatsbibliothek Cod. germ. 1940). Es ist darin verzeichnet, was er an jedem Tage arbeitete, welchem Gottesdienste er beiwohnte, wo er speiste, welche Visiten er empfing u. s. w. Manche Einträge zeigen ihn als patriarchalisch einfachen Hauswirth, z. B.: „Lasse auch 4 Schwein, aine für die Frau von Mayr, aine für die Frau von Beccaria, wie auch ½ für den P. Stephan und 1½ für mich ins Haus kauffen und gleich zwey davon schlächten“ etc. Auch als Freund der Gelehrsamkeit und Gönner der gelehrten Benedictiner tritt er uns entgegen. Wenn ihm einmal ein paar Ruhetage beschieden waren, so begab er sich nach dem Stift Benedictbeuren, mit dessen Abt er in freundschaftlichem Verkehr stand. Dem hohen Gast zu Ehren führten dann die Studirenden im Capitelsaal „ein schön Comödie“ auf, wozu sie ihn durch „ein lang red“ auf lateinisch invitirten, dem er wieder auf solche Weise geantwortet. Den Dank für solche Gastlichkeit soll P. dadurch erstattet haben, daß er die von andern Ministern geplante Aufhebung bairischer Klöster hintertrieb. Er erwarb sich besonderes Verdienst um die Gründung der bairischen Benedictinercongregation, weshalb ihn die dankbaren Mönche als „Congregationis Benedictino-Bavaricae promotor, benefactor et filius“ feierten. Dem Stift Benedictbeuren vermachte er einmal „für das gemeine Studium“ eine Kiste Bücher, die er „in Nider- und Holland mit harter Mühe zusammengekaufft“. Denn seit [588] Max Emanuel von König Karl II. zum spanischen Statthalter der Niederlande ernannt worden war, mußte auch P. als geheimer Rath und Hofkammerpräsident wiederholt längeren Aufenthalt in Brüssel nehmen. Die Einträge im Tagebuch lassen ersehen, wie er dort im Mittelpunkte der Geschäfte stand, die welsche, die spanische etc. Post empfing, in Landtags- und Kreistagssachen arbeitete, mit den Gesandten verhandelte etc. Auch als der Kurfürst nach Ausbruch des Erbfolgekriegs nach Baiern zurückging, blieb P. zur Abwicklung der letzten Geschäfte noch mehrere Monate in Brüssel; erst im Juli 1701 ging er nach München, wo er das „Niederländische Abrechnungswerk“ zu Ende führte. Am 20. August 1702 wurde ihm vom Kurfürsten selbst eröffnet, daß er an Stelle des Baron Mayr zum geheimen Kriegskanzleidirector ausersehen sei. Als solcher begleitete er seinen Herrn ins Feld, leitete die Verproviantirung der Truppen, führte die Verhandlungen wegen Eintreibung von Brandschatzungen, hatte im Kriegsrath Sitz und Stimme und besorgte gleichzeitig diplomatische Geschäfte aller Art. Für die waghalsige Politik Max Emanuel’s ist er jedoch nicht verantwortlich zu machen; er war ein entschiedener Gegner der Lossagung von Kaiser und Reich. Auch nach den ersten glücklichen Waffenthaten äußerte er: „Wenn die Einnahme von Ulm das Ende des Krieges wäre, wollte ich mich gern darüber freuen; allein ich besorge, der Kurfürst möchte statt eine Krone zu finden, gar seinen Kurhut verlieren.“ Nach der Niederlage der Baiern und Franzosen bei Höchstädt blieb er als Rathgeber der als Regentin aufgestellten Kurfürstin in München zurück. Als der Bauernaufstand losbrach, machte er zwar nicht offen wie sein Sohn Franz Bernhard, der eine Zeitlang sogar Präsident der in Burghausen eingesetzten provisorischen Regierung war, gemeinsame Sache mit den Landesvertheidigern; es fehlt aber nicht an Anzeichen, daß er im Einverständniß war und – vermuthlich mit Hilfe des Abts von Benedictbeuren und der Benedictinercongregation – geheime Verbindung mit dem geächteten Landesherrn unterhielt. Vielleicht weil er sich in Baiern nicht mehr sicher fühlte, ging er zu Anfang des Jahres 1705 nach Brüssel. Hier machte er am 30. März 1705 sein Testament, weil er sein Lebensende nahe glaubte: „Da ich unter dem lezten, mit Ir Churfürstlichen Durchlaucht in Bayern, meinem genädigsten Herrn, in Anno 1704 verrichten Feldtzug nach nunmehr erraichtem zweyundsechtzigsten Jahre meines alters an leibskräften gebrochen und abgenohmen dergestalten, daß ich mir natürlicher weise von einem hohen alter keine vergebene Hoffnung machen darff.“ Er hinterließ seiner Ehefrau (er war mit Marie Mechtildis, einer Tochter Ferdinands von Krempon und dessen Frau Sarah, geb. Gräfin Aham auf Burgstall vermählt) und seinen drei Söhnen und vier Töchtern außer dem adeligen Mannsritterlehngut Hienham im Gericht Vohburg nur ein sehr bescheidenes Vermögen, aber eine reiche Sammlung von Gemälden, die er in den Niederlanden erworben hatte, und eine große Bibliothek, die nach seinem letzten Willen für ewige Zeiten beisammen bleiben sollten. Nach der Familientradition (der Stamm des dritten Sohnes Valentin Anton, kurbairischen Truchseß, † 1739, blüht noch heute in Baiern fort) wäre Corbinian v. P. am 20. Juli 1707 zu Brüssel verschieden und auch dort begraben; im Personalact findet sich die Angabe, daß er zu Morimond in Flandern gestorben sei. –

Nachrichten von einigen bairischen Geschichtsschreibern in den Baierischen Annalen, Abtheilung: Vaterlandskunde, Jahrg. 1835, 241. – Sepp, Der bayrische Bauernkrieg (1884), an versch. Stellen. – Acten im geh. Staatsarchiv, im Adelsselect des allg. Reichsarchivs und im Kreisarchiv zu München.