ADB:Proch, Heinrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Proch, Heinrich“ von Eusebius Mandyczewski in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 620–621, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Proch,_Heinrich&oldid=- (Version vom 16. Mai 2021, 04:11 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Prochaska, Eleonore
Band 26 (1888), S. 620–621 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Heinrich Proch in der Wikipedia
GND-Nummer 116291710
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|26|620|621|Proch, Heinrich|Eusebius Mandyczewski|ADB:Proch, Heinrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116291710}}    

Proch: Heinrich P., der einst ebenso gefeierte als rasch wieder vergessene Liedercomponist, war geboren zu Wien am 22. Juli 1809. Er verlebte seine Jugendzeit mit seinen Eltern in Wiener Neustadt, wo der Chorregent und Hauptschuldirector Anton Herzog sein erster Lehrer für Generalbaß und Composition wurde. Als Joseph Benesch, der Orchesterdirector der philharmonischen Gesellschaft in Laibach mehrere Monate bei Proch’s Eltern in Wiener Neustadt zubrachte, unterrichtete er den jungen und in allen Zweigen der Musik äußerst strebsamen P. im Violinspiel, welches derselbe schon vorher meist auf eigene Faust betrieben hatte. P. liebte das Violinspiel über Alles. Auch als er die Universität Wien bezog, um sich dem Wunsche der Eltern gemäß juridischen Studien zu widmen, blieb die Geige seine Leidenschaft. In den Jahren 1833 und 1834 spielte er mit Erfolg des Oefteren in Wien öffentlich, meist eigene Compositionen, deren er sich damals schon eine große Zahl für den eigenen Bedarf zurechtgelegt hatte. Zu jener Zeit trat er auch als Kirchencomponist auf und verschiedene größere und kleinere Kirchenmusikstücke von ihm wurden in Wiener Neustadt, Wien und den nächstliegenden Orten aufgeführt. 1837 wurde er Capellmeister des Josephstädter Theaters in Wien, 1840 der Hofoper daselbst. Als solcher schrieb er eine Oper „Ring und Maske“ und gelangte durch seine zahlreichen, höchst dankbaren aber seichten und süßlichen Lieder zu großer Berühmtheit. Gab es doch eine Zeit, in welcher Proch’sche Lieder, wie „Das [621] Alpenhorn“, „Das Erkennen“, „In dem Herzen ein Bild“ u. dgl., alle anderen Compositionen dieser Art, so weit die deutsche Zunge reicht, in den Hintergrund gedrängt hatten. Aber rasch wie er aufgestiegen war, ging sein Ruhm zu Ende und der alternde Mann mußte das Verblassen desselben noch erleben. 1870 wurde P. als Hofoperncapellmeister in den Ruhestand versetzt. In der kurzlebigen „Komischen Oper“ erscheint er 1874 noch einmal als Operncapellmeister; jedoch nur für kurze Zeit. Auch den Fall dieses Institutes überlebte er. P. starb zu Wien am 18. December 1878, ein fast vergessener Mann. Als Gesanglehrer hatte P. große Verdienste um die Ausbildung mancher Künstler von Ruf und Ansehen; Frau Dustmann, Frau Peschka-Leutner, Frau Csillag, Frl. Gindele, Frl. Tietjens u. a. werden als seine Schülerinnen genannt. Er lieferte auch mehrere vortreffliche Uebersetzungen italienischer Opern für die deutsche Bühne, wie die zu Verdi’s „Trovatore“. – Seine Tochter Louise hat sich als begabte Sängerin und Schauspielerin einen Namen gemacht.