ADB:Raabe, Gustav Ludwig Ferdinand

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Artikel „Raabe, Gustav Ludwig Ferdinand“ von G. v. Schubert. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 65–66, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Raabe,_Gustav_Ludwig_Ferdinand&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 03:42 Uhr UTC)
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Raabe: Gustav Ludwig Ferdinand R., sächsischer Artilleriegeneral, ward als Sohn eines sächsischen Artillerieofficiers am 3. October 1774 zu Dresden geboren, trat 1788 als Kanonier in die kursächsische Armee und erhielt seine fachwissenschaftliche Ausbildung in der Militärakademie zu Dresden, bis er dieselbe 1794 als Stückjunker verließ. Im J. 1798 erfolgte Raabe’s Ernennung zum Souslieutenant, 1807 zum Oberlieutenant, 1810 zum Hauptmann im Feldartilleriecorps. Für sein vorzügliches Verhalten in der Schlacht bei Wagram im Feldzuge 1809 in Oesterreich wurde dem bewährten Officier nicht allein der Militär-Sanct-Heinrichs-Orden, sondern auch der Orden der französischen Ehrenlegion verliehen. 1811 erfolgte seine Versetzung in den Generalstab, in welchem er am Feldzuge 1812 in Rußland beim VII. französischen Armeecorps unter General Reynier theilnahm. Besondere Brauchbarkeit in diesem Dienste brachte ihm 1812 die Aufrückung zum Major und am 27. Januar 1813 zum Oberstlieutenant. Der letztgenannte Feldzug und die Umgestaltung der sächsischen Armee 1810 hatten die Reihe der alten Artillerieofficiere beträchtlich gelichtet und so kam Oberstlieutenant R. in dem verhältnißmäßig jugendlichen Alter von 39 Jahren im Mai 1813 als Commandant an die Spitze der sächsischen Artillerie, welche Stellung er nicht allein in den Feldzügen von 1813, 1814 und 1815, sondern auch in der darauffolgenden Friedensperiode bis zu seinem am 8. April 1837 in Dresden erfolgten Tode, also 24 Jahre hindurch bekleidete. Im Feldzuge 1813 focht die sächsische Armee abermals in den Reihen des VII. französischen Corps und zwar unglücklich bei Großbeeren und Dennewitz (23. August und 6. September), doch bewahrte die sächsische Artillerie an beiden Schlachttagen trotz großer Verluste unter Raabe’s Führung den Ruf unerschütterlicher Ausdauer und Hingebung, besonders beim Rückzuge vom Schlachtfelde. Am 19. October 1813, dem letzten Tage der Völkerschlacht bei Leipzig, geschah es, daß das gesammte sächsische Corps die Reihen der Franzosen verließ und zu den Verbündeten überging. Obgleich im Innern schon längst von warmer Theilnahme für die deutsche Sache erfüllt, sträubte sich R. doch anfänglich, dem vom General v. Ryssel ausgehenden Ansinnen ohne vorher eingeholte Genehmigung des in Leipzig weilenden Königs beizupflichten. Zuletzt gab er nach und [66] führte die gesammte Artillerie zu den Verbündeten über. „Die Betrachtung, daß die allein zurückbleibende Artillerie aber der Wuth und der Rache der Franzosen ausgesetzt und bei einem unglücklichen Ausgange der Schlacht unbedingt für das Vaterland verloren sein würde, verleitete mich, alle Mittel zu ihrer Erhaltung zu ergreifen und unter zwei Uebeln das kleinste zu wählen, wenn auch selbst die innere Stimme wider die Rechtmäßigkeit dieses Unternehmens stritt.“ (Eigene hinterlassene Niederschrift Raabe’s in der Bibliothek der sächsischen Artilleriebrigade.) Der König Friedrich August hat ihm später diese Handlungsweise vergeben, da die sächsische Artillerie fortfuhr, sich auch im nächstfolgenden Feldzuge (1814 in Flandern) hervorzuthun, sich auch 1815 an den bekannten Lütticher Unruhen bei der Theilung der Armee nicht betheiligte, namentlich auch, weil R. den ihm mehrfach angebotenen Uebertritt in fremde Dienste „selbst in den schwierigsten Momenten der Nationalexistenz“ (s. o.) ausschlug und dem König die Treue bewahrte. „Nie wird es mir beikommen, meine Verfahrungsweise (bei Leipzig) ganz rechtfertigen zu wollen.“ Im Feldzuge 1814 ward R. durch Verleihung des russischen Stanislausordens ausgezeichnet, am 14. August 1815 zum Oberst und am 16. October 1823 zum Generalmajor befördert.

General R. war ein Officier von vorwiegend praktischem Sinne, scharfem Verstand, loyalem und ehrenwerthem Charakter, sowie von reicher Kriegserfahrung, die er für die Ausbildung der ihm anvertrauten Truppe vortheilhaft verwerthete.

G. v. Schubert.