ADB:Reißmann, Johann Valentin

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Artikel „Reißmann, Johann Valentin“ von Alois Knöpfler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 149–150, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rei%C3%9Fmann,_Johann_Valentin&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 08:16 Uhr UTC)
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Reißmann: Johann Valentin R., Bischof von Würzburg, wurde am 12. Nov. 1807 zu Allersheim, einem unterfränkischen Marktflecken, von einfachen Landleuten geboren. Von drei Söhnen widmeten sich zwei dem geistlichen Stande und der junge Valentin wurde schon als Volksschüler durch Kaplan Benkert, später Domdekan von Würzburg, in den Anfangsgründen des Lateinischen unterrichtet. 1820 kam er zur weiteren Ausbildung nach Würzburg, wo er den gewöhnlichen Bildungsgang an den dortigen Lehranstalten durchlief und nach dessen Abschluß am 25. Nov. 1830 zum Priester geweiht wurde. Am 6. Aug. des folgenden Jahres promovirte er als Doctor der Theologie, seine Dissertation behandelte das canticum Habacuc. Nun wirkte er in der Seelsorge als Kaplan und Pfarrverweser an verschiedenen Orten und widmete sich nebenher, trotz angegriffener Gesundheit, fortwährend noch den Studien. 1834 wurde R. als Professor für biblische Exegese und orientalische Sprachen an die Universität Würzburg berufen. In dieser Stellung widmete er sich mit Liebe und Aufopferung der Ausbildung der akademischen Jugend; litterarisch thätig war er nicht, nur als Rector magnificus 1844–45 schrieb er ein Programm „De futura conversione populi Israel“ (Römer 11). 1846 ernannte ihn sein früherer College für Dogmatik und seit 1840 Bischof von Würzburg, Georg Anton Stahl zum Domcapitular, nachdem er seinen eigenen Bruder Sebastian Reißmann zum Nachfolger in der Professur herangezogen hatte. R. war mehr eine bureaukratische und absolutistisch angelegte Natur und mußte daher in seiner neuen Stellung ein seiner Anlage mehr zusagendes Arbeitsfeld finden, als auf dem Lehrstuhl. Wirklich wurde er auch in Bälde die Seele der ganzen Diöcesanregierung, namentlich nachdem er 1854 zum Generalvicar ernannt worden. Auf Empfehlung des Bischofs wurde er 1861 von Pius IX. auch noch zum Dompropst befördert und als 1866 das Bisthum Eichstätt erledigt worden, trug ihm König [150] Ludwig II. den Hirtenstab des heiligen Willibald an; R. blieb aber als Stütze und Berather seinem bischöflichen Freunde zur Seite, bis er nach dessen Tod den Stab des heiligen Burkard übernehmen mußte, October 1870. Die Zeit, in der R. die Regierung des Bisthums antrat, war eine tief erregte. Vielfach hegte man die Erwartung, er werde als Vertreter der deutschen Wissenschaft, der erhofften Opposition gegen das Vaticanum sich anschließen; allein der Bischof unterwarf sich wie alle andern deutschen Bischöfe der Entscheidung des Concils und nur insofern wurde die gehegte Erwartung gerechtfertigt, als R. in dem entbrannten Kampfe äußerst schonend vorging, um die erregten Leidenschaften nicht noch mehr zu erhitzen, sondern thunlichst zu beschwichtigen und einen förmlichen Bruch möglichst zu verhüten. Dies mag wol dem Verdacht Raum gegeben haben, als ob der Bischof eigentlich Gegner des Vaticanums gewesen und nur einem Druck von oben gewichen sei. Wenn R. trotz seiner aller Schroffheit abholden Gesinnung sich schließlich doch noch in unliebsame Wirrnisse verwickelt sah, so war dies mehr äußeren treibenden Kräften, als den eigenen Wünschen des Bischofs zuzuschreiben. Unmittelbar vor den baierischen Landtagswahlen, Juli 1875 erließ R., wie die übrigen baierischen Bischöfe einen Wahlhirtenbrief, und als der Domcapitular Melchior Hohn trotzdem liberal wählte, suspendirte ihn der Bischof am 22. Juli von den Functionen eines bischöflichen Berathers. Die Regierung annullirte diese Strafsentenz und der Bischof selbst konnte sie noch kurz vor seinem Tode, am 15. Nov. 1875, infolge einer Erklärung Hohn’s rückgängig machen. R. besaß keine kräftige Natur, noch 1874 war er von einer bedenklichen Krankheit genesen, da machte in der Frühe des 16. November 1875 ein Herzschlag seinem Leben unvermuthet rasch ein Ende.

Johannes Valentin, Bischof von Würzburg, von Fr. A. Rittler. Würzburg 1875. – Johannes Valentin von Reißmann, Bischof von Würzburg, von Fr. Ignaz Stahl. Würzburg 1873.