ADB:Reich, Gottfried Christian

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Artikel „Reich, Gottfried Christian“ von Julius Pagel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 611, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reich,_Gottfried_Christian&oldid=- (Version vom 17. August 2019, 23:41 Uhr UTC)
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Reich: Gottfried Christian R., Arzt, ist am 19. Juli 1769 auf dem Jagdschloß Kaiserhammer bei Wunsiedel geboren. Er studirte seit 1788 in Jena und Erlangen die Heilkunde und promovirte 1793 an letztgenanter Universität mit der Abhandlung: „Brevis epidemiae variolosae Arzbergensis anni 1791 delineatio“. Ein Jahr später erfolgte seine Ernennung als Prof. e. o. der Medicin an der Universität zu Erlangen, eine Stellung, die ihm viele Muße zu schriftstellerischen Arbeiten ließ. Er verfaßte mehrere Uebersetzungen medicinischer Werke aus dem Englischen ins Deutsche, so: John Aitken’s Schrift „Ueber Beinbrüche und Verrenkungen“ (Nürnberg 1798), Jesse Foot’s „Abhandlung über die Lustseuche“ (2 Thle., Leipzig 1793–94) und D. Geo. Wallis’ „Die Kunst Krankheiten vorzubeugen“ (2 Bände, Berlin 1796–97). Außerdem erschienen von ihm „Magazin des Thierreichs“ (Bd. I, Abth. 1–3, 1793–95) und „Magazin des Pflanzenreichs“ (Bd. I, Abth. 1–3, 1793–95), sowie als Resultat eingehender Beobachtungen einer 1796 in Franken grassirenden Rinderpestepidemie eine diesbezügliche, ins Holländische übersetzte kleine Schrift, endlich auch mehrere populär-naturwissenschaftliche Aufsätze. Ganz besonderes Aufsehen erregte R. in der damaligen Gelehrtenwelt durch Aufstellung einer neuen auf chemiatrischen Grundsätzen beruhenden Fiebertheorie, die darin gipfelte, daß alle Fieber und fieberhaften Zustände im Körper vom Mangel des Sauerstoffs und der Vermehrung des Stickstoffs herzuleiten seien und daß demzufolge die ihnen angemessene Heilart in der Anwendung von Säuren, besonders aus dem Mineralreich, in möglichst starken Dosen, bestehe. Diese Lehre, welche in verschiedenen Schriften niedergelegt wurde (wie in den Medic. Annalen des Jahres 1800, in einer von G. M. W. L. Rau verfaßten Dissertation, endlich in einigen selbstständig erschienenen Abhandlungen, deren Verzeichniß das medic. Schriftstellerlexikon[WS 1] von Callisen, Bd. XV, S. 424; XXXI, S. 391 gibt), machte so viel von sich reden, daß die preußische Regierung auf die Sache aufmerksam wurde und R. 1799 nach Berlin berief, um durch eine von Selle, Fritze, Richter und Formey gebildete Commission in der Charité Versuche über die etwaige Richtigkeit dieser Theorie anstellen zu lassen. Das Ergebniß der betreffenden Untersuchung, das auf Befehl des Königs vom Obercollegio medico in einer besonderen kleinen Abhandlung: „Vom Fieber und dessen Behandlung überhaupt“ (Berlin 1801; lateinisch von Koelreuter, Frankfurt a. M. 1802; auch ins Englische, Französische, Holländische und Italienische übersetzt) bekannt gemacht wurde, fiel für den Urheber der Theorie so günstig aus, daß er eine jährliche Pension von 500 Thalern aus der Staatskasse bewilligt und die Erlaubniß erhielt, in Berlin medicinische Vorlesungen zu halten. Infolge dessen siedelte R. 1800 nach Berlin definitiv über und wurde 1809 zum Professor an der neugegründeten Universität ernannt, an der er bis zu seinem am 5. Januar 1848 erfolgten Tode thätig war. Seine übrigen Schriften beziehen sich theils auf die erwähnte Fiebertheorie, theils auf andere Gegenstände der Medicin, wie Scharlachfieber, Cholera u. a., und besitzen, da sie zum großen Theil in naturphilosophischem Sinne abgefaßt sind, heutzutage höchstens nur noch historische Bedeutung.

Vgl. Biographisches Lexikon hervorragender Aerzte u. s. w., herausg. von A. Hirsch, Bd. IV, S. 690.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Schrifstellerlexikon