ADB:Reischl, Wilhelm Karl

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Artikel „Reischl, Wilhelm Karl“ von Anton Weis in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 118–119, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reischl,_Wilhelm_Karl&oldid=2489083 (Version vom 24. Juni 2017, 06:56 Uhr UTC)
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Reischl: Wilhelm Karl R., katholischer Theolog und Exeget, geboren zu München am 13. Januar 1818, † ebendaselbst an der Cholera am 4. October 1873, absolvirte seine sämmtlichen Studien zu München mit ausgezeichnetem Erfolge. Nach Empfang der Priesterweihe im J. 1840 wirkte er zuerst als Kaplan in Haidhausen, dann als Curat bei St. Johann in München, wurde nachmals Präfect an der Herzogspitalkirche, wo er die schönen Maiandachten einführte. Durch einige Zeit hielt er auch die Militärpredigten, wie er denn überhaupt sehr gerne die Kanzel bestieg und um seines zarten gemüthlichen Wesens willen bei dem Münchner Publicum als Prediger sehr beliebt war. Doch über dieser seelsorglichen Thätigkeit ließ er seine Studien und den von ihm sehnlich erwünschten Lehrberuf nicht aus dem Auge, und nachdem er am 11. August 1842 den theologischen Doctorgrad erlangt hatte, habilitirte er sich als Privatdocent an der Münchner Universität, kam zu Anfang des Jahres 1845 als Professor der Dogmatik und biblischen Exegese nach Amberg, im J. 1851 als Professor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechtes ans Lyceum zu Regensburg, wo er nebenbei auch christliche Kunstgeschichte vortrug, und endlich im J. 1867, nachdem er einen Ruf als Domherr und Professor nach Hildesheim ausgeschlagen hatte, an das sel. Rietter’s Stelle als Ordinarius für die Moraltheologie an die Universität zu München. Hier endete seine Wirksamkeit unerwartet schnell, indem er sich auf einem Gange nach dem alten Gottesacker in Angelegenheit der Grabstätten Klee’s und Möhler’s den Keim des Todes holte. Es war eben das Cholerajahr 1873. Einige Monate früher hatte er noch einen Antrag als Professor der Exegese nach Prag erhalten und abgelehnt. Sein Tod erregte in allen Kreisen Münchens eine aufrichtige schmerzliche Theilnahme, denn R., der sich der Seelsorge nie ganz entfremdet hatte, war Vielen ein einsichtsvoller [119] hingebender Rathgeber und Beichtvater, den Armen ein freigebiger Wohlthäter, seinen Schülern, die er durch seine klaren gemüthreichen und formell vollendeten Vorträge fesselte, ein treuer Freund und Berather, überhaupt eine Zierde des Priesterstandes und der Universität gewesen. Sein anfänglich befremdendes Schwanken zur Zeit des Vaticanums sühnte er bald durch ungeheuchelte Unterwerfung unter die kirchliche Auctorität und ungescheutes Festhalten an derselben, als Manche seiner Collegen von den hochgehenden Wogen der künstlich erregten öffentlichen Meinung fortgerissen und verschlungen wurden. Obwohl durch Berufsgeschäfte, Liebeserweise und Besuche vielfach in Anspruch genommen, fand R. dennoch Zeit, schriftstellerisch aufzutreten; doch war seine diesbezügliche Thätigkeit seinem Charakter entsprechend meist auf das Praktische gerichtet. Seine größte und werthvollste Leistung, die ihn für lange unvergeßlich machen wird, ist das Bibelwerk, welches er gemeinschaftlich mit seinem Amberger Collegen Dr. Valentin Loch begann, im neuen Testamente aber allein und ausführlicher bearbeitete. Es hat den Titel: „Die heil. Schriften des alten und neuen Testaments nach der Vulgata mit steter Vergleichung des Grundtextes übersetzt und erläutert“, Regensburg 1851–66; 4 Abtheil. Weiter wurden aus seiner Feder veröffentlicht: „Officium parvum. Kleines Choramt oder Tagzeiten zu Ehren unserer lieben Frau“, München 1845 und öfter; „Vitis mystica. Christus der wahre Weinstock, Passionsbilder aus der Zeit und Schule des heil. Bernhard von Clairvaux“, Regensburg 1847, 2. Aufl. 1860; „S. P. N. Cyrilli, Hierosolymorum archiepiscopi, opera quae supersunt omnia. Gr. et lat.“ Vol. I. Monaci 1848 (den zweiten abschließenden Band gab Jos. Rupp im J. 1860 heraus); „Die Feier des heil. Dienstes in der katholischen Kirche . . . zum Gebrauche der Laien bearbeitet, 1. Thl., Missale (mit einer Ergänzung im J. 1865 und in 2. Aufl. als Chor- und Meßbuch der katholischen Kirche im J. 1868), 2. Thl., Vesperale. 3. Thl., Passionale (2. Aufl. im J. 1873)“, München 1851, 52 und 54; „Brosamen für den Pilgerweg“, Regensburg 1870; „Christkatholisches Haus- und Pilgerbuch (mit den Psalmen David’s, dem neuen Testamente und der Nachfolge Christi)“, Regensburg 1870; „Das Buch der Psalmen. Aus der Vulgata unter steter Vergleichung des Grundtextes übersetzt und nach Wort und Geist erklärt“, Regensburg 1873, 2 Bde.; „Arbeiterfrage und Socialismus. Vorlesungen gehalten im Sommersemester 1871. Aus seinem Nachlasse herausgegeben. Mit dem Bildnisse des Verfassers“, München 1874; „Predigten auf die Sonn- und Festtage des katholischen Kirchenjahres“, München 1876 u. 78, 2 Bde. R. schrieb auch den Text für die Bilderwerke: „Führich, die geistliche Rose“, Regensburg 1859 und „Steinle, die Tagzeiten von der unbefleckten Empfängniß“ Regensburg 1859; für die Augsburger Postzeitung (Jahrg. 1869, Nr. 29–32), den Aufsatz: „Zur Geschichte der christlichen Krankenpflege“; zu Ebedjesu (Regensburg 1871) die Einleitung: „Ueber die Bedeutung des Märtyrerthums in der christlichen Kirche“; und gab mit Haslinger heraus: „Erinnerung an den Marien-Mai“, Regensburg 1860, 2. Aufl.

Literarischer Handweiser zunächst für das katholische Deutschland Nr. 144, S. 494. – Schematismus der Geistlichkeit des Erzbisthums München und Freising für das Jahr 1874 (Necrolog Reischl’s im Anhange).