ADB:Richter, Jeremias Benjamin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Richter, Jeremias Benjamin“ von Albert Ladenburg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 466–467, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Richter,_Jeremias_Benjamin&oldid=- (Version vom 25. August 2019, 22:55 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 28 (1889), S. 466–467 (Quelle).
Wikisource-logo.png Jeremias Benjamin Richter bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Jeremias Benjamin Richter in der Wikipedia
GND-Nummer 11651230X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|28|466|467|Richter, Jeremias Benjamin|Albert Ladenburg|ADB:Richter, Jeremias Benjamin}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11651230X}}    

Richter: Jeremias Benjamin R., Chemiker, geboren am 10. März 1762 zu Hirschberg in Schlesien, † am 4. April 1807 zu Berlin. Er promovirte 1789 als Doctor der Philosophie in Königsberg mit der Dissertation: „De usu matheseos in chymia“, lebte zuerst als Bergsecretär und Bergprobirer zu Breslau, dann als Assessor der Bergwerksadministration und Arcanist an der Porcellanfabrik zu Berlin.

R. darf als einer der Begründer der heutigen Chemie betrachtet werden und zwar durch die Entdeckung des Neutralitätsgesetzes, wonach bei der gegenseitigen Zersetzung zweier Neutralsalze die Neutralität erhalten bleibt. Er hat dadurch die Erkenntniß des Begriffs Aequivalenz angebahnt und hat durch seine Arbeiten über die Zusammensetzung der Neutralsalze die Aequivalente von Säuren und Basen, durch seine Untersuchungen über Metallfällungen die Aequivalente von einigen Metallen festgestellt. Durch diese Arbeiten kann er als ein Vorläufer Dalton’s angesehen werden und er hat schon vor Proust das Gesetz der constanten Proportionen erkannt. Von ihm rührt auch die Einführung des Begriffs Stöchiometrie her (von στοιχεῖoν und μετρεῖν), der die Bestimmung der Größenverhältnisse, in denen sich die Körper verbinden, bedeutet. Uebrigens haben Richter’s Schriften auf seine Zeitgenossen sehr geringen Einfluß ausgeübt, es hat sehr lange gedauert, bis man ihn gewürdigt hat. Es rührt dies offenbar aus verschiedenen Gründen her. Zunächst hat sich R. einer sehr unklaren und unschönen Sprache bedient, dann blieb er noch Anhänger der Phlogistontheorie zu einer Zeit, als sich Lavoisier’s Ansichten bereits Bahn gebrochen hatten, endlich verquickte er seine wichtigen Lehrsätze und Resultate mit einer Reihe von durchaus unrichtigen Hypothesen, die er in sehr weitläufiger Art zu erweisen suchte. Er hatte nämlich die Ansicht, daß die Aequivalente[WS 1] oder wie er sie nannte, Massen- oder Neutralitätsreihen der Basen eine arithmetische, die der Säuren eine geometrische Progression bilden. Für die Anerkennung Richter’s war es auch von großem Nachtheil, daß Berzelius einem Vorgänger Richter’s, Wenzel, mit Unrecht das Verdienst dessen zuschrieb, was R. geleistet hatte. Die wichtigsten [467] Schriften Richter’s sind: „Ueber die neueren Gegenstände der Chemie“ in 11 Stücken, Breslau 1791–1802 und „Anfangsgründe der Stöchiometrie“. Breslau 1792–1794.

Kopp, Geschichte der Chemie. – Ladenburg, Entwicklungsgeschichte der Chemie.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Aquivalente