ADB:Rossel, Karl

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Rossel, J. H. Karl L.“ von Friedrich Otto in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 254–256, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rossel,_Karl&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 00:25 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Roesselmann, Johann
Band 29 (1889), S. 254–256 (Quelle).
Wikisource-logo.png Karl Rossel bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Karl Rossel in der Wikipedia
GND-Nummer 116630353
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|29|254|256|Rossel, J. H. Karl L.|Friedrich Otto|ADB:Rossel, Karl}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116630353}}    

Rossel: J. H. Karl L. R., Geschichtsforscher, geboren am 10. December 1815 zu Wiesbaden, Sohn des herzoglichen Revisionsrathes R., † ebenda am 30. Juli 1872. Seinen ersten Unterricht erhielt er in der damals blühenden und rühmlichst bekannten Anstalt von Joh. Delaspée, einem Schüler Pestalozzis; nachdem er hierauf das Pädagogium zu Wiesbaden und das Landesgymnasium zu Weilburg durchlaufen hatte, bezog er die Universität Göttingen, um Philologie und Theologie zu studiren, und blieb dort 3½ Jahre; bei Gelegenheit des Jubiläums der Universität im J. 1837 wurde er auf Grund einer Abhandlung „De daemonio Socratis“ zum Doctor der Philosophie creirt. Nachdem er sodann das philologische Staatsexamen in Nassau bestanden hatte, wurde er als Lehrer an dem Pädagogium zu Wiesbaden beschäftigt und nach einigen Jahren mit dem Titel Conrector an die gleiche Anstalt zu Dillenburg versetzt. Weil er aber an den politischen Ereignissen der Jahre 1848 und 1849 einen hervorragenden Antheil nahm, erhielt er im J. 1850 seine Entlassung. Er kehrte nun nach seiner Vaterstadt zurück und übernahm zunächst eine Lehrerstelle an der eben gegründeten Schirmischen Handelsschule, zu deren Emporblühen seine Thätigkeit nicht wenig beitrug. Als im J. 1851 der bisherige Secretär des Vereins für nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung, der verdiente Archivar Habel, dieses Amt infolge innerer Zerwürfnisse des Vereins niedergelegt hatte und dieser selbst auseinander zu fallen drohte, trat R. in die erledigte Stelle ein und wußte dem Verein, welchem er schon seit dem Jahre 1844 angehört hatte, neues Leben einzuhauchen. Hier fand er nämlich das Feld für eine Thätigkeit, welche ganz der Richtung seines Geistes und seiner Neigung entsprach. Von großer Liebe für das deutsche und namentlich sein engeres Vaterland erfüllt, hatte er schon vorher versucht, tiefer in die Geschichte desselben einzudringen und die noch vorhandenen geschichtlichen Denkmäler zu erhalten. So veranstaltete er während seines Aufenthalts zu Dillenburg Ausgrabungen auf der dortigen Burgruine und bemühte sich eifrig um die Herstellung der Michaelscapelle zu Kiedrich. Jetzt wurde dies seine amtliche Thätigkeit, der er mit Eifer und Sachkenntniß oblag. Zunächst wurde durch ihn der Verein gewissermaßen neu begründet, indem er in weiteren Kreisen das Interesse für Geschichte und Alterthümer durch Vorträge in den Vereinsversammlungen und durch persönlichen Verkehr zu wecken verstand, was ihm bei seiner großen Vertrautheit mit Personen und Orten nicht schwer fiel. Sodann begann er alsbald eine fruchtbare litterarische Thätigkeit. Denn außer den Berichten, die er als Secretär des Vereins in den periodischen Blättern, welche die Vereine von Kassel, Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden von 1851–1861 zusammen herausgaben, von Zeit zu Zeit veröffentlichte, und kleineren Artikeln in der Zeitschrift des Vereins, gab er im Auftrage desselben mehrere größere Werke heraus. Die Veranlassung zu dem ersten gaben die Räumungsarbeiten der im [255] Sommer 1850 abgebrannten Mauritiuskirche zu Wiesbaden; die Frucht seiner dadurch angeregten Studien ist der erste Band der Denkmäler aus Nassau: „Die kirchlichen Alterthümer von Wiesbaden, insbesondere die Pfarrkirche zum h. Mauritius“. Wiesbaden 1852, 35 S. kl. Fol. nebst mehreren Tafeln. Als zweiter und dritter Band desselben Werkes erschien nachher „Die Abtei Eberbach im Rheingau: 1. das Refectorium, 2. die Kirche“. Wiesbaden 1857 und 1862, 15 und 31 S. und 7 und 6 Tafeln. Im J. 1855–58 gab er heraus „P. Hermann Bärs diplomatische Geschichte der Abtei Eberbach im Rheingau“, 2 Bände, X u. 688 und VI u. 400 S., dem sich später anschloß das „Urkundenbuch der Abtei Eberbach“, 2 Bde., 1862 und 1865, X u. 443 und II u. 1013 S. Die Auffindung eines römischen Militärdiploms vom Jahre 116 zu Wiesbaden gab Veranlassung zu einer Abhandlung im Bd. V der Annalen des Vereins über die Besatzungsgeschichte des römischen Wiesbaden (72 S. 1858), dem noch andere Arbeiten über „Das römische Wiesbaden“ in demselben Band V der Annalen sich anschließen sollten. Zuletzt folgte in Band VI, 3 derselben Annalen ein Abdruck der Fasti Limburgensis des J. F. Faust (Limburger Chronik), XIV u. 113 S. (S. 409–522 des Bandes), 1860. – Nicht soll unerwähnt bleiben, daß u. a. der Hochaltar der Kirche von Lorch, die Johanniscapelle zu Nieder-Lahnstein und das Rittermonument zu Kronberg während derselben Jahre ihm ihre Erhaltung resp. Restauration verdankten. Die Thätigkeit Rossel’s als Secretär des Vereins hatte während dieser Arbeiten eine Unterbrechung erlitten, da er im J. 1856 aus derselben schied, aber schon im folgenden Jahre sie wieder übernahm; zugleich mit derselben wurde ihm nunmehr auch die Verwaltung des Museums, welches mit dem Verein verbunden ist, übertragen und dadurch der Kreis seiner Functionen erweitert. Im J. 1858 endlich wurde er zum Secretär der herzoglichen Landesbibliothek ernannt mit dem Zusatz, daß er zunächst von jeder Arbeit auf der Bibliothek entbunden sein solle, um seine ganze Kraft ungeschwächt auf die Thätigkeit für Museum und Verein verwenden zu können. Das Museum verdankt ihm sorgfältige Pflege, die sich ebenso sehr in Vergrößerung der Sammlungen durch Ankäufe und Ausgrabungen (erwähnt seien die von Orlen und Rombach), als auch in zweckmäßigerer Ordnung und Aufstellung zeigte; einzelne Abtheilungen wie die Siegel- und Münzsammlung erfreuten sich seiner besondern Vorliebe; jene hat er erst begründet. – Im J. 1862 erbat er einen zweijährigen Urlaub, um eingehende heraldische Studien zu machen, und schied für immer aus seinem Verhältniß zum Vereine. Von 1864 an auf der Bibliothek beschäftigt, wurde er im J. 1866 zum Staatsarchivar zu Idstein ernannt, eine Stelle, die er nach drei Jahren niederlegte. Dieselbe hatte ihm indeß Gelegenheit geboten, seine Forschungen über den Pfahlgraben zu einem gewissen Abschluß zu bringen; die Resultate derselben legte er in zwei Schriften nieder, in der Abhandlung: „Das Pfahlgraben-Castell Salburg bei Homburg v. d. H.“, mit zwei Plänen, Wiesbaden 1871, 26 S. gr. 8°, und in dem Buche: „Die römische Grenzwehr im Taunus“, Straßburg 1872, mit vielen Tafeln; die Ausgabe des letzteren erlebte er nicht mehr; den letzten Bogen hatte er wenige Tage vor seinem Tode corrigirt. Die innere Geschichte seiner Vaterstadt betrifft das Schriftchen: „Das Stadtwappen von Wiesbaden, ein Beitrag zur Ortsgeschichte“. Wiesbaden 1861, 72 S., 8°. Doch die Wissenschaft erschöpfte nicht sein Interesse: an dem praktischen Leben nahm er gleichfalls regen Antheil. So war er mehrere Jahre Mitglied des Gemeinderathes zu Wiesbaden, und förderte nach Kräften alle gemeinnützigen Unternehmungen, den Gewerbverein, den Turn- und Arbeiterverein u. a.; schrieb er doch im J. 1856 „Ueber gewerbliche Genossenschaft“. Für Freunde der Natur und der Schönheiten seiner Heimath verfaßte er den [256] Text zu dem Kupferwerk von M. Sachs „Album von Nassau“ 1864 und einen Führer durch Wiesbaden „Wiesbaden und seine Umgebung“, welcher in verschiedene Sprachen übersetzt wurde und mehrere Auflagen erlebte. Im J. 1871 folgte er einer Einladung des befreundeten Bibliothekars Barack, sich an der Ordnung der neugegründeten Bibliothek der Universität zu Straßburg zu betheiligen. Von dort kehrte er krank und angegriffen im Sommer 1872 zurück und suchte Genesung in den Bädern von Ems und Schwalbach. Vergeblich; kaum war er von da zu Hause eingetroffen, als er – nach vier Tagen – seinen Leiden erlag.

Derselben Familie scheint zu entstammen Hermann R., der Sohn eines aus Nassau stammenden Gymnasiallehrers, geboren zu Aachen 1820, † 1846, bekannt als pädagogischer Journalschriftsteller und als Lyriker nicht unbedeutend, voll Tiefe und Innigkeit des Gefühls.

Ueber K. Rossel siehe den Nekrolog im Rhein. Kurier 1872, Nr. 264 (von E. Zais). Ueber Herm. Rossel siehe Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 1883, V, 325.