ADB:Roth von Schreckenstein, Ludwig Freiherr

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Artikel „Roth von Schreckenstein, Ludwig Freiherr“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 783–784, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Roth_von_Schreckenstein,_Ludwig_Freiherr&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 16:56 Uhr UTC)
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Schreckenstein *): Ludwig Johann Karl Gregor Eusebius Freiherr Roth v. S., königlich preußischer General der Cavallerie, Staats- und Kriegsminister, aus altem schwäbischen, zur Reichsritterschaft gehörigem Geschlechte auf dem Familiensitze Immendingen in der Nähe des Bodensees am 16. November 1789 geboren, war Silberpage am sächsischen Hofe zu Dresden, wurde am 16. April 1809 zum Souslieutenant im Cürassierregimente v. Zastrow ernannt und machte als solcher den russischen Feldzug des Jahres 1812 im Stabe des Generals Freiherrn v. Thielmann mit, welcher die 1. Brigade des Reserve-Cavalleriecorps Latour-Maubourg [WS 1] befehligte und in der am 7. September geschlagenen Schlacht bei Borodino durch die Eroberung der wichtigen Rajewsky-Schanze wesentlich zur Entscheidung des Tages beitrug. S. hat den letzteren später in einer Schrift „Die Cavallerie in der Schlacht an der Moskwa“ (Münster 1855 und 1858) trefflich geschildert. Am 11. März 1813 zum Premierlieutenant befördert, trat er bei der Theilung des sächsischen Heeres am 15. Mai 1815 als Rittmeister und Adjutant Thielmann’s in preußische Dienste, nahm als solcher am Feldzuge jenes Jahres in den Niederlanden theil und blieb in dieser Stellung, nachdem Thielmann commandirender General des VIII. Armeecorps zu Coblenz geworden war, am 26. März 1816 zum Major aufgerückt, bis er am 30. März 1824 zum etatmäßigen Stabsofficier des 8. Husarenregiments zu Düsseldorf ernannt wurde. Hier vermählte er sich 1828 mit Gräfin Luise Hatzfeldt-Schönstein-Trachenberg († 1835). Nachdem er 1830 Commandeur des 10. Husarenregiments in Aschersleben, 1837 Commandeur der 13. Cavalleriebrigade in Münster, am 15. März 1848, inzwischen zum General aufgestiegen, Commandeur der 5. Division in Frankfurt geworden, aber schon am 13. des nächsten Monats in gleicher Eigenschaft zur 15. Division nach Köln versetzt und dort zugleich zum Commandanten, am 10. Mai auch zum Generallieutenant ernannt worden war, übernahm er im Juni des letzteren Jahres in dem unter dem Vorsitze von Rudolf v. Auerswald gebildeten Ministerium die Leitung des Kriegsministeriums. Das neue Ministerium verdiente die Bezeichnung als „Ministerium der That“, welche es bei seinem Amtsantritte für sich in Anspruch genommen hatte, freilich nicht, aber ebensowenig gab es dem Drängen der auf den Umsturz der Grundpfeiler der Monarchie bedachten linken Seite der Nationalversammlung nach. Ein Zusammenstoß zwischen Bürgern und Soldaten, welcher am 31. Juli in Schweidnitz stattfand, veranlaßte, daß in der Versammlung durch den Abgeordneten Stein ein Antrag eingebracht wurde, welcher vom Kriegsminister verlangte, daß er den Officieren die Verpflichtung aufrichtiger und rückhaltloser [784] Mitwirkung zum Zweck der Herbeiführung constitutioneller Rechtszustände im Lande auferlegen oder sie, wenn sie sich dazu nicht verstehen wollten, zur Aufgabe ihrer Stellungen veranlassen solle. S. sprach sich mit Entschiedenheit gegen den Antrag aus. Als derselbe trotzdem am 7. September 1848 mit 219 gegen 143 Stimmen zum Beschlusse erhoben war, reichte S. sein Entlassungsgesuch ein. Mit ihm ging das gesammte Ministerium. Es machte am 21. September dem Ministerium Pfuel Platz und Schreckenstein’s Nachfolger, der Ministerpräsident, zeigte am 25. d. M. der Versammlung an, daß er jenen Beschluß zur Ausführung gebracht habe. Am 19. April 1849 trat S. von neuem in den Heeresdienst, indem er an Stelle des mit dem Oberbefehle der Bundestruppen in Schleswig-Holstein betrauten Generals v. Prittwitz das Commando des Gardecorps übernahm. Als Letzterer vom Kriegsschauplatze zurückgekehrt war, wurde S. am 14. August von dieser Stellung entbunden, wogegen ihm am 13. September d. J. das Commando der in Baden, Hohenzollern und Frankfurt a. M. stehenden preußischen Truppen übertragen wurde, welche im Sommer den Aufstand in der Pfalz und in Baden niederzuwerfen geholfen hatten. Nachdem er demnächst ein ähnliches Commando in Frankfurt a. M. bekleidet hatte, wurde er am 2. Juni 1853 zum commandirenden General des VII. Armeecorps ernannt, als welcher er am 30. Mai 1858 auf dem Schlosse zu Münster in Westfalen gestorben ist. – S. schrieb außer dem obengenannten Buche „Gedanken über die Organisation und den Gebrauch der Cavallerie im Felde“ (Beiheft zum Militär-Wochenblatt für August 1849, Berlin) und „Vorlesungen über den Sicherheitsdienst im Felde nebst Betrachtungen über Taktik und Strategie“ (Münster i. W. 1858).


[783] *) Zu Bd. XXXII, S. 468.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Victor de Fay de Latour-Maubourg (1768–1850); französischer General