ADB:Schaum, Hermann Rudolf

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Artikel „Schaum, Hermann Rudolf“ von Wilhelm Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 638, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schaum,_Hermann_Rudolf&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 03:53 Uhr UTC)
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Schaum: Hermann Rudolf S., einer der bedeutendsten Entomologen der Neuzeit, wurde am 29. April 1819 zu Glauchau geboren. Entscheidend für seine späteren Studien war der Umstand, daß S. nach dem Verluste seiner Eltern im Alter von fünf Jahren in das Haus seines Onkels, des berühmten Entomologen Germar in Halle kam. Unter der Leitung desselben begann er bald Insecten zu sammeln und sich mit dem Leben derselben bekannt zu machen. Seine Vorbildung erhielt er auf dem Pädagogium zu Halle und bezog nach rühmlichst bestandenem Maturitätsexamen 1836 die Universität Leipzig, welche er später mit Berlin, wo er die Entomologen Erichson und Klug kennen lernte, Wien und Paris vertauschte. Zu seiner Doctor-Arbeit wählte er ein entomologisches Thema: „Analecta entomologica c. tab. aen.“ Halae 1841. Schon vor Beendigung seiner Studien begann S. eine rege litterarische Thätigkeit zu entwickeln und veröffentlichte zahlreiche Abhandlungen in verschiedenen entomologischen Zeitschriften. Ich erwähne nur: „Kritische Revision der Lamellicornia melitophila“, welche er in Verbindung mit Burmeister in Germar’s Zeitschrift 1840 und 1841 erscheinen ließ; ferner: „Beiträge zur Kenntniß norddeutscher Salzkäfer“ ebenfalls in Germar’s Zeitschrift 1843; „Observations critiques sur la famille des Coléoptères mélitophiles“ in Ann. Soc. entom. de France 1844, 1845, 1849.

Nach bestandenem Staatsexamen ließ sich S. in Stettin als praktischer Arzt nieder und fand hier in dem Präsidenten des entomologischen Vereins, Dohrn, einen eifrigen Förderer seiner entomologischen Studien. Im J. 1847 gab er jedoch seine Praxis wieder auf und unternahm eine Reihe von größeren Reisen nach England, Nordamerika und Aegypten. Mit entomologischen Schätzen reich beladen kehrte er nach Deutschland zurück und begann nun sich ganz seinem Lieblingsstudium zu widmen und übernahm für Troschel’s Archiv für Naturgeschichte die Berichte über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete der Entomologie 1848–1852, in denen er seine umfassenden Kenntnisse documentirte. Zum Professor an der Universität in Berlin ernannt, hielt S. Vorträge über Entomologie und medicinische Zoologie. Sein bedeutendstes Werk ist die Fortsetzung der von Erichson begonnenen „Naturgeschichte der Insecten Deutschlands“ , von dem er jedoch nur den ersten Band, welcher die Laufkäfer enthält, beendigte; in Lieferungen erschienen 1856–1860. Nach langwieriger Krankheit starb S. in Folge eines Schlaganfalls in Bonn am 15. September 1865.