ADB:Schick, Rudolf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schick, Rudolf“ von Lionel von Donop in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 169–170, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schick,_Rudolf&oldid=- (Version vom 21. Februar 2020, 21:18 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 31 (1890), S. 169–170 (Quelle).
Wikisource-logo.png Rudolf Schick bei Wikisource
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Oktober 2014, suchen)
GND-Nummer 134064429
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|31|169|170|Schick, Rudolf|Lionel von Donop|ADB:Schick, Rudolf}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=134064429}}    

Schick: Rudolf S., Genre-, Porträt- und Landschaftsmaler, ist am 8. Aug. 1840 zu Berlin geboren. Im 18. Lebensjahre trat er als Schüler in die Kunstakademie seiner Vaterstadt und in das Atelier des Prof. Wilhelm Schirmer ein. Die Zeit von 1861–62 brachte er in Baiern, namentlich in München und Brannenburg zu, dann setzte er noch eine Zeit lang seine Studien in Berlin fort. Im Sommer 1864 errang er in der Concurrenz um den großen Staatspreis, für Geschichtsmaler durch die beste Lösung der Aufgabe „Der gefesselte Prometheus von Okeanos und den Nereïden betrauert“, den Sieg. Dieser Erfolg ermöglichte ihm die Mittel, einen Ausflug nach Paris und London zu machen und einen längeren Aufenthalt in Tirol und Italien zu nehmen.

In Rom wurde ihm das Glück zu Theil, mit Böcklin zu verkehren, dessen kühne Phantasie und Farbenkunst den jungen Künstler mächtig anregte. Er folgte dem verehrten Meister nach Basel, um bei Ausführung der Wandgemälde im Treppenhause des dortigen Museums ihm hülfreiche Hand zu leisten. Im J. 1869 kehrte S. nach Berlin zurück, wo er seinen ständigen Aufenthalt nahm. Nachdem er hier einige Bilder nach eigener Composition gemalt hatte, trieb es ihn wieder nach dem Süden, wo er sich eingehend mit der italienischen Renaissancekunst beschäftigte und mehrere Gemälde im Auftrage des Herrn v. Farenheid auf Beynuhnen copirte.

Während der Jahre 1871 und 1872 entstanden die größeren Bilder „Im Sommer“, „Marmorbrüche in Carrara“, die Deckengemälde in der Wohnung des Prof. Hertel zu Berlin, ferner 1874 „Mignon“, „Schloß Beynuhnen“ und „Der genuesische Brunnenhof“. Wenn S. in der phantastisch-poetischen Stimmung und im Farbenschmelz des letzteren und einiger anderer Landschaftsbilder lebhaft an Böcklin und dessen Farbenzauber erinnert, so tritt in seinen zahlreichen Oelstudien und Zeichnungen nach der Natur, von denen sich einige in der Nationalgalerie zu Berlin befinden, eine völlig unbefangene und heitere Anschauung zu Tage.

Unermüdlich in seinen gesunden Tagen malte er zu Gunsten des Berliner Unterstützungsvereins für Künstler das große Transparentbild „Die Ankunft der [170] heiligen Familie in Aegypten“. Mit regem Eifer betheiligte er sich ferner an dem illustrirten Prachtwerke „Italien“ (Stuttgart bei Engelhorn) mit 43 vortrefflichen landschaftlichen, architektonischen und Genrezeichnungen und unternahm zu dem Zweck abermals eine Studienreise durch die Schweiz nach Italien, um die alten Eindrücke und Anschauungen wieder aufzufrischen.

Nach seiner im J. 1876 erfolgten Heimkehr entstanden einige italienische Landschaften mit Staffage, welche S. als den Schüler Böcklin’s charakterisiren, so die „Quell-Einsamkeit“, Motiv vom Bagno di Diana an der Felsküste von Sorrento und das nicht ganz vollendete „Hirten-Idyll“. Beide Bilder wurden 1887 für die Nationalgalerie angekauft.

Wiewohl der Schwerpunkt seiner Begabung in der Landschaft ruht, malte er nach wie zuvor zahlreiche durch sorgfältige Charakteristik, Kraft der Farbe und intime Auffassung ausgezeichnete Porträts. Nur bei wenigen Damen- und Kinderbildnissen ist eine gewisse leere Eleganz nicht überwunden, die sich aus dem Zwang der Bestellung erklären mag. Die schönste und ansprechendste Leistung auf diesem Gebiete ist das große Familienbild (1878) des Commerzienrathes Lüdecke zu Berlin, in einer Thüringer Landschaft. In feinsinniger und gemüthvoller Weise hat der Künstler auch die verstorbene Gattin, die Mutter der den Vater umgebenden Kinder, als gegenwärtig dargestellt und durch diesen liebenswürdigen Zug seinem Bilde einen besonders anziehenden Werth verliehen.

Im J. 1879 glücklich verheirathet, zog S. mit seiner jungen Gattin nochmals über die Alpen nach Italien. Von dieser Reise brachte er eine Fülle an landschaftlichen Studien und Skizzen von großer Frische und Unmittelbarkeit mit heimwärts, dazu gesellten sich allerlei Motive zu Genrebildern und romantisch aufgefaßte Einzelfiguren.

Einige Jahre später in seiner Gesundheit erschüttert, suchte er Rettung in der milden und sonnigeren Luft des Südens. In der folgenden Stille und Zurückgezogenheit seines häuslichen Lebens entwarf er noch viele Aquarelle und Zeichnungen, darunter 12 Illustrationen zu Goethe’s Stella und das reich erfundene Widmungsblatt einer Adresse an den Prinzen Wilhelm v. Preußen. Sein letztes vollendetes Werk „Die beiden Leonoren“, eine treffliche Illustration zur ersten Scene des Goethe’schen Tasso, verrieth kaum eine Spur seines leidenden Zustandes. Eine feinsinnige und anspruchslose Künstlernatur ohne besonders lebhaft hervortretende Charakterzüge fand S. sein Lebensglück im kleinen Kreise näherer Freunde, welche sein Talent und sein edles Schönheitsgefühl zu schätzen wußten. Anhaltende Kränklichkeit indeß beeinträchtigte seine Arbeitsfähigkeit. Wiederholt vom Schlaganfalle getroffen, starb S. in seiner Vaterstadt Berlin am 26. Februar 1887. Die Nationalgalerie ehrte das Andenken des Künstlers bald nach seinem Ableben durch eine annähernd vollständige Ausstellung seiner Werke, durch welche erst die Vielseitigkeit seiner künstlerischen Thätigkeit übersichtlich zu Tage trat.