ADB:Schirmer, Adolf

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Artikel „Schirmer, Adolf“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 310–311, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schirmer,_Adolf&oldid=- (Version vom 23. April 2019, 00:46 Uhr UTC)
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Schirmer: Adolf S. wurde am 7. Mai 1821 zu Hamburg als der Sohn eines wohlhabenden Schiffsmaklers geboren und nach genossener Schulbildung für den Kaufmannsstand bestimmt. Dieser Beruf war dem Knaben, der mit den verschiedenartigsten Anlagen, aber mit wenig Ausdauer von der Natur ausgestattet war, überaus verhaßt; viel lieber folgte er seiner Neigung für Malerei, Poesie, für das Studium der neueren Sprachen, besonders aber für Musik. Man ließ ihn treiben, was er wollte, sobald er nicht versäumte, den Pflichten seines kaufmännischen Berufes nachzukommen. Als dies aber nicht geschah, wurden alle seine privaten Beschäftigungen mit strengem Interdict belegt. Doch half das nicht viel; was S. nicht offen betreiben konnte, betrieb er um so eifriger heimlich, des Nachts, und brachte dadurch sich und die Seinen einmal in Feuersgefahr. Endlich sah man ein, daß er sich nicht zum Geschäftsmann eigne und gab ihm daher die Erlaubniß, studiren zu dürfen. Bis zu seinem 17. Lebensjahre war er im Comptoir thätig gewesen. Er erhielt nun die nöthige Vorbereitung für die Universität und wanderte darauf erst nach Berlin, dann nach Göttingen und Leipzig. Als Fachstudium wählte er anfänglich die Medicin, beschäftigte sich aber bald ausschließlich mit der Poesie und den schönen Wissenschaften und Künsten. Diese führten ihn schließlich dem Theater zu. Der bekannte Lustspieldichter Karl Töpfer in Hamburg übernahm seine Ausbildung und am 10. November 1842 betrat er zum ersten Male die Bühne des Hamburger Stadttheaters als Friedrich II. in Töpfer’s Lustspiel „Des Königs Befehl“. Schon im Decbr. 1843 erhielt er ein vortheilhaftes Engagement beim Hoftheater in Schwerin, und damit eröffneten sich ihm die glänzendsten Aussichten zu einer ungewöhnlichen Künstlerlaufbahn; doch ward er leider bald durch Nervenüberanstrengung genöthigt, der Bühne zu entsagen. Da S. finanziell gut situirt und unabhängig war, so begab er sich nun auf Reisen und wandte sich zuerst nach Paris, wo er das Glück hatte, mit den Berühmtheiten in Kunst und Litteratur in Verbindung treten zu können. Später führte er eine Zeit lang ein Phantasieleben am Rhein, in der Schweiz und Italien und wandte sich darauf nach Amerika. Er hielt sich längere Zeit in den Vereinigten Staaten auf, unternahm interessante abenteuerliche Fahrten durch Texas, Mexiko, nach den Westindischen Inseln u. s. w. und kehrte endlich reisemüde nach Europa zurück. Er ließ sich in Wien nieder (1854), verheirathete sich dort und erwarb einen kleinen Grundbesitz in einem der Wiener Vororte. Erst jetzt erlangte S. jene Stetigkeit und Ausdauer, deren ein Schriftsteller zur gewissenhaften Entwickelung seines künstlerischen Schaffens so sehr bedarf. Schon 1846 hatte er einen Band „Gedichte“ herausgegeben, denen er 1848 einen poetischen Tendenzroman „Politisches Maibüchlein“ und 1856 „Dichtungen“ folgen ließ. Später versuchte er sich auch in der Sammlung „Dit und Dat. Riemels“ (1861) in der plattdeutschen Mundart. S. offenbarte sich darin als ein achtenswerthes lyrisches Talent; besonders in seinen nichtpolitischen Liedern fesselt uns eine Anmuth und Zartheit, die durch die große Klarheit und den seltenen Wohllaut des Ausdrucks noch erhöht wird. Das eigentliche Feld aber, auf dem S. sich bald heimisch fühlte, war der Roman, dem er sich seit 1861 ausschließlich zuwandte. Zu denjenigen Arbeiten, in denen er die Eindrücke und Erfahrungen während seiner Seereisen und transatlantischen Kreuz- und Querzüge niedergelegt, gehören die Erzählungen und Romane „Lütt Hannes“ (III, 1865); „Die Spionin“ (IV, 1869); „Aus aller Herren Länder“ (III, 1866); „Die Sclavenbarone“ (III, 1873). An socialen Romanen schrieb er „Moderne Intriguanten oder Enthüllungen der Aristokratie“ (II, 1850), [311] worin er in etwas grellen Farben die an vielen Höfen herrschende Verderbniß schildert; „Das Handelshaus Wilford oder die Falschen und die Echten“ (IV, 1861), ein Roman, in welchem speciell Hamburger Verhältnisse zur Darstellung kommen; „Fabrikanten und Arbeiter oder der Weg zum Irrenhause“ (III, 1862); „Saisongeschichten“ (II, 1862); „Familien-Dämon“ (II, 1863); „Im Bade“ (1864); „Die Debardeur-Toni“ (1864); „In der Residenz“ (1864); „Im Salon der Hauptstadt“ (1866); „Baron Schneck, der Neckekobold“ (1866); „Ein weiblicher Hamlet“ (1867); „Verschollen“ (III, 1868); „Die Stieftochter“ (1868); „Leichtes Blut“ (III, 1869); „Der räthselhafte Graf“ (III, 1871); „Der Waldmensch“ (III, 1873); „Die Rosenprinzessin“ (III, 1874). Diesen schließen sich dann noch an die Zeit- und Tendenzromane: „Schleswig-Holstein oder: Mit blutiger Schrift“ (III, 1864); „Die Heldin von Wörth“ (III, 1870); „Altkatholisch“ (III, 1872). Schirmer’s Schilderungen „sind lebendig und wahr und tragen überall das Gepräge des Erlebten und mit scharfem Auge Geschauten. Seine Charaktere sind scharf gezeichnet, oft originell, mitunter bizarr, nie doch unwahr, die Situationen spannend. Aus allen Arbeiten spricht Freiheitsliebe, sittliches Gefühl und das ernste Streben, künstlerisch zu gestalten.“ Auch als dramatischer Dichter hat sich S. versucht, und sein historisches Lustspiel „Ein guter Tag Ludwigs XI.“ wurde zuerst in Leipzig 1850 aufgeführt; zu der im März 1866 in Wien gegebenen Oper „Die Jagd des Regenten“ hat er den Text und die Musik geboten. S. starb zu Währing bei Wien am 12. Februar 1886.

Handschriftliche Mittheilungen. – Wurzbach, Lexikon des Kaiserthums Oesterreich XXX, 33.