ADB:Schneekloth, Adam

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Artikel „Schneekloth, Adam“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 96–97, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schneekloth,_Adam&oldid=- (Version vom 17. April 2024, 01:47 Uhr UTC)
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Schneekloth: Adam S., landwirthschaftlicher Reformator. Er war geboren im J. 1726 im Dorfe Baasbek im holsteinischen Kirchspiel Schönberg und Sohn eines Landmanns. Es gehört dieses Dorf, zwei Meilen von der Stadt Kiel entfernt, einem District an, der vor alter Zeit zum Kloster Preetz gehört, der manches Eigenthümliche hat und unter dem Namen der „Probstei“ bekannt ist (Schmidt, Die klösterliche Probstei Preetz. Kiel 1813). Die väterliche Hufe vererbte zunächst auf den jüngeren Bruder Hans, während Adam das Handwerk eines Zimmermanns erlernte, als solcher sich niederließ, verehelichte und Vater einer zahlreichen Kinderschaar ward. Der Bruder auf der Hufe erkrankte indeß, hatte nur eine Tochter, während seine Frau doch ihrer Niederkunft wieder entgegensah. Er bestimmte nun, falls er sterben sollte und seine Frau wieder eine Tochter zur Welt bringen werde, dann solle sein Bruder Adam die Hufe haben und seine Wittwe nur das Altentheil. So geschah es und Adam kam also in den Besitz der väterlichen Hufe. Er widmete sich nun ganz und gar der Landwirthschaft. Sofort zeigte er sich als denkender Landwirth und war darauf aus, seine Landstelle immer mehr zu verbessern. Zu dem Ende sah er sich im Lande um und machte mehrere Reisen. Auf diesen war er auch nach Dithmarschen gekommen und hatte hier unter Anderen auch Bekanntschaft mit einem Parren Drews gemacht, der dort eine neue Behandlung des Ackers versucht mit dem sogenannten „Kleien oder Pätten[1]“, d. i. ein Tiefgraben, um mit einer gewissen Erdart den Boden zu befruchten (über das Kleien in der Marsch in Falk’s neuem staatsbürgerl. Magazin VIII, 467 von Claus Harms, dem geborenen Dithmarschen, und wieder abgedruckt in dessen Vermischte Aufsätze und kleine Schriften. Kiel 1853. S. 7). S. versuchte das nachzumachen. Er grub in die Tiefe und brachte das Aufgegrabene auf seinen Acker, um es unterzupflügen. Da zeigte sich denn, wie in Dithmarschen, an einer Stelle eine besondere Fruchbarkeit des Feldes in üppigem Kornwuchs. Er wiederholte darauf von 1779 an diese Versuche, die sich immer wieder bewährten. So entstand „das [97] Mergeln“. Bald machten die Nachbarn ihm dieses nach; von da hat sich dies Mergeln durch die ganze Provinz und noch weiter verbreitet und ist für Schleswig-Holstein epochemachend in der Landwirthschaft geworden. An sich ist die Mergelung zwar nichts Neues, sie ist vielmehr schon dem Alterthum bekannt gewesen; das bezeugen Plinius, historia naturalis und Varro, de re rustica. Aber sie war gänzlich vergessen und erscheint daher hier als wirklich neue Entdeckung. S. führte nun hier auch bei dem verbesserten Boden zuerst den Rapsaatbau ein, der sich dann gleichfalls von hier aus im Lande verbreitet hat. S. erscheint überhaupt durchaus als intelligenter Mann. Zu Hause war er allerdings Bauer unter den Bauern, wenn er aber auf Reisen ging, war er als Städter gekleidet, wodurch er geglaubt haben wird, sich eher Eingang zu verschaffen. In seinem Dorf gelangte er zu großem Ansehen. Unter Anderem fungirte er als Kirchenjurat. Als die Kirche in Schönberg 1779 abgebrannt war, gelang es ihm jedoch nicht, seinen Willen, daß die Mauer um einen Stein dicker gebaut werde, durchzusetzen, obwol er als gewesener Zimmermann wol als Sachverständiger gelten mußte. Es heißt, der Aerger darüber habe sein Ende beschleunigt. Er starb am 9. Juni 1782 im 56. Lebensjahre und hinterließ 3 Söhne und 8 Töchter. Ein Sohn übernahm die väterliche Hufe, die noch im Besitz der Familie ist, da zur Zeit ein Schwestersohn seines Enkels Eigenthümer derselben ist. Die Töchter wurden alle gut verheirathet an Pastoren, Aerzte, Gelehrte etc. Der Justizrath Dr. Jochims, königl. Landcommissär in Schleswig, † am 18. März 1844, der bei dieser Stadt eine Baumschule angelegt, jetzt eine öffentliche Promenade, hat in derselben ihm zugleich mit dem Parren Drews ein Denkmal errichtet mit der Inschrift: Parren Drews in Dithmarschen und Adam Schneekloth in der Probstei zeigten in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts dem Landmann unseres Vaterlandes zuerst den Segen Gottes an dem in seinem Acker vorhandenen Mergel und fordern hier zu dankbarer Erinnerung auf. Errichtet 1824.

Falk, N. staatsbürgerl. Magazin VIII, 457; IX, 302.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 96. Z. 9 v. u. l.: „Pütten“; in den hannoverschen Marschen heißt es „kuhlen“. [Bd. 33, S. 800]