ADB:Schnoor, Heinrich Christian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schnoor, Heinr. Christian“ von Otto Beneke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 180–181, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schnoor,_Heinrich_Christian&oldid=- (Version vom 20. Mai 2019, 23:17 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Schnobel, Joachim
Nächster>>>
Schnorr, Salomon
Band 32 (1891), S. 180–181 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Heinrich Christian Schnoor in der Wikipedia
GND-Nummer 11684891X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|32|180|181|Schnoor, Heinr. Christian|Otto Beneke|ADB:Schnoor, Heinrich Christian}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11684891X}}    

Schnoor: Heinr. Christian S., Liederdichter und -Componist, geboren zu Lübeck um 1760. Von den Lebensumständen dieses vagirenden Genies, der ein Epigone der mittelalterlichen „fahrenden“ Künstler gewesen zu sein scheint, sind nur einzelne Stationen seiner Kometenlaufbahn bekannt. Zu Anfang der 1790er Jahre studirte er (ein „alter Student“) in Halle, wenigstens hielt er damals sich dort auf und verkehrte als gefeierter Gesellschafter in Studentenkreisen, die er durch seinen Gesang zur Guitarre oder am Clavier, wie durch seine gereimten Improvisationen zu beleben verstand, wie ähnlich vor- und nachher auf anderen deutschen Universitäten. Dann war er einige Monate Secretär eines Prinzen von Coburg, 1796 und später lebte er in Hamburg und Altona, sodann eine Zeit lang in Gretsyl im Hause eines ostfriesischen Kaufmanns; nirgendwo weilte er lange, stets weiter wandernd mit seiner Guitarre und seinem Liederschatz. Als Freimaurer fand er überall einige brüderliche Unterstützung. Er war schon ziemlich verschollen, als die Hamburger Polizei ihn in Zeitungen aufforderte, einen an ihn gerichteten Brief aus Rostock in Empfang zu nehmen. Er blieb auch verschollen, bis er im September 1828 zu Fuß aus Frankreich nach Hamburg kam, als heruntergekommener armer Poet. Hier erbat er sich die Beihülfe einiger Hallescher Commilitonen, zu seiner weiteren Fußwanderung nach Breslau, woselbst der fast 70jährige Professor (wie er sich damals nannte) als Sprachlehrer sich zu ernähren hoffte. Er scheint daselbst richtig angekommen und geblieben zu sein, denn Oettinger’s Moniteur des Dates berichtet, daß er in Breslau gestorben sei, ohne Angabe des Todesjahrs. – Eine nicht kleine Reihe Lieder und Gesänge, von ihm gedichtet und in Musik gesetzt mit Begleitung des Claviers oder der Guitarre, erschienen in Hamburg 1796 und später, z. B. die „musikalischen Blumensträuschen“, die „Bouquetts für Damen“, „Freimaurer-Lieder“, Rundgesänge, gesellschaftliche Lieder etc. Sie werden alle längst verklungen sein, und nur eines seiner Lieder hat sich bis jetzt frisch erhalten, ein von unseren Vätern oft und gern gesungenes, nämlich das in vielen Commersliederbüchern [181] enthaltene Lied: „Vom hoh’n Olymp herab ward uns die Freude“ etc., welches er 1790 in Halle gedichtet und componirt haben soll. Und dies einst so beliebte Lied rechtfertigt wohl die Erwähnung seines Schöpfers in dieser biographischen Gedächtnißhalle, gewissermaßen auch „eine Rettung“.

Gerber, neues Lexikon (1814) Th. IV, 108. – Hoffmann v. Fallersleben, unsere volksthümlichen Lieder, 3. Aufl., S. 134. – Hamb. Schriftsteller-Lexikon VI, 629, 630.