ADB:Schultz, Woldemar (Forschungsreisender in Amerika)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schultz, Woldemar (Forschungsreisender in Amerika)“ von Friedrich Ratzel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 725–726, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schultz,_Woldemar_(Forschungsreisender_in_Amerika)&oldid=- (Version vom 20. Juni 2019, 14:11 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 32 (1891), S. 725–726 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Dezember 2009, suchen)
GND-Nummer 117202509
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|32|725|726|Schultz, Woldemar (Forschungsreisender in Amerika)|Friedrich Ratzel|ADB:Schultz, Woldemar (Forschungsreisender in Amerika)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117202509}}    

Schultz: Woldemar S., Amerikareisender, geboren am 8. Februar 1833 zu Dresden, † am 12. Juli 1866 auf Schloß Hradek in Böhmen an den in [726] der Schlacht bei Königgrätz empfangenen Wunden. S., dessen Vater Verwalter des Grünen Gewölbes in Dresden war, besuchte die Krause’sche Schule, trat 1838 in die sächsische Armee, wurde 1852 Lieutenant und 1858 Oberlieutenant. In diesem Jahre nahm er einen dreijährigen Urlaub, um eine Reise nach Brasilien anzutreten, zu welcher ihn u. a. der Umgang mit dem Generalconsul Sturz angeregt hatte; auf denselben führt wohl auch die damals seltenere Neigung zu colonial- und auswanderungspolitischen Betrachtungen ernsterer Art zurück. S. kam am 30. September 1858 in Rio de Janeiro an, besuchte mit Baron O’Byrn Porto Alegre und die deutsche Colonie San Leopoldo und drang nordwärts bis zum Uruguay vor. Am 4. Februar trafen die beiden Reisenden in S. Boya ein, gingen durch die Missiones nach Rio Pardo, wo sie am 20. März ankamen, um über Porto Alegre und Sa. Caterina nach Rio zurückzukehren. Größere Pläne wie den Besuch des Hochlandes von Coitibi gab S. auf und kehrte Ende 1859 nach Europa zurück. Seine südbrasilianische Reise war sehr ergebnißreich. Mit entschiedenem Talent zum Kartenzeichnen ausgestattet, ausdauernd, gründlich, vielseitig, hatte S. 400 Legoas zu Pferd, stets croquirend, durchzogen, vorhandenes Material aufgespürt und ausgenützt und eine große Zahl der verschiedensten, besonders auch klimatologischen Beobachtungen vereinigt. Ueber seine Erd- und Gesteinsproben hat Dr. G. Jenzsch bei der Naturforscherversammlung in Gießen einen Vortrag gehalten, der dem Schultz’schen Reisewerke „Studien über agrarische und physikalische Verhältnisse Südbrasiliens im Hinblick auf die Colonisation und die freie Einwanderung“ (1865) beigegeben ist. In Atlasform ist mit diesem Buche eine schöne Karte unter dem Titel „Die gemäßigten Brasilländer der kaiserlichen Provinzen Saõ Pedro do Rio Grande do Sul, Santa Catharina und Parana mit den deutschen Colonien“, drei Blätter in 1 : 1 000 000 erschienen. Vorher hatte S. in der Zeitschrift für allgemeine Erdkunde kleinere Arbeiten über die Provinz Rio Grande do Sul (Bd. IX) und über den Rio Saõ Francisco (Bd. X), und in den Geographischen Mittheilungen über die brasilianischen Südprovinzen überhaupt (1865) und in den Mittheilungen des Leipziger Vereins für Erdkunde „Die südamerikanischen Indianer colonisationsfähig“ erscheinen lassen. Bei seiner Rückkehr wurde S. an das Cadettenhaus in Dresden als Lehrer berufen, zog 1866 mit seinem Truppentheil, der Leibbrigade, in den Krieg und erlag 9 Tage nach der Schlacht bei Königgrätz einer zuerst für leicht gehaltenen Verwundung. S. war ein gründlicher Forscher und sorgfältiger, liebevoller Darsteller, sein Interesse für Südbrasilien entsprang einer warmen patriotischen Theilnahme an der damals wenig beachteten dortigen deutschen Colonisation und dem regen Interesse für Geographie, welches in jenen Jahren Deutschland durchwehte und zu dessen thätigsten Vertretern S. gehörte, der 1863 den Dresdener Verein für Erdkunde mit Andree, Ruge u. a. gründete. Die Nekrologe rühmen noch besonders seine liebenswürdige Bescheidenheit und freundliche Bereitwilligkeit, mit der er seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen darbot.

Nekrolog in den Geographischen Mittheilungen 1867, S. 313, 314 und in den Mittheilungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig 1866. Bildniß in der Illustr. Zeitung vom 1. December 1866.