ADB:Schwarzschild, Heinrich

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Artikel „Schwarzschild, Heinrich“ von Friedrich Jännicke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 316–317, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schwarzschild,_Heinrich&oldid=- (Version vom 24. April 2019, 02:25 Uhr UTC)
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Schwarzschild: Heinrich S., Arzt und Dichter, geboren am 28. Febr. 1803 in Frankfurt a. M., † daselbst am 7. April 1878. S., einer jüdischen Familie entstammend und selber in dem damals noch abgesonderten Judenviertel geboren, erhielt seinen Unterricht zuerst auf einer Privatschule, später auf dem Frankfurter Gymnasium, das damals sich besonderer Blüthe erfreute. Schon frühe zeigte S. eine außerordentliche Begier zu lesen; er las, wie er selbst zu [317] sagen pflegte, alles, was nur lesbar war, und auch als beschäftigter Arzt benutzte er die Nachtstunden, um seinen Schriftstellern nicht ganz entsagen zu müssen. S. studirte nach absolvirtem Gymnasialcurs in Heidelberg und Würzburg Medicin, promovirte 1825 an ersterem Ort und ließ sich darauf in seiner Vaterstadt als praktischer Arzt nieder. Mit Ausnahme größerer Erholungsreisen verließ er dieselbe nicht wieder. S. war von vielseitiger Thätigkeit: als ausübender Arzt, als fachwissenschaftlicher Schriftsteller und als Dichter. Als Arzt wandte sich S. vorzugsweise seinem Lieblingsfach, der Gynäkologie, zu; daneben erwarb er sich als allgemeiner Praktiker wie als Consultarius einen bedeutenden Ruf, so daß er eine lange Reihe von Jahren hindurch zu den gesuchtesten und beschäftigtsten Aerzten Frankfurts zählte. Die seltene Beliebtheit, deren er sich bei seinen Patienten, wie im Kreise seiner Collegen erfreute, war gleicherweise bedingt durch seine fachmännische Tüchtigkeit, wie durch seine Menschenfreundlichkeit. Aeußere Anerkennung fand sein Wirken in der Ernennung zum Geheimen Sanitätsrath bei Gelegenheit seines 50jährigen Doctorjubiläums, der Verehrung, die er bei seiner Umgebung fand, nicht zu gedenken. Als Schriftsteller war S. auf verschiedenen Gebieten thätig; der Titel seiner Dissertation lautete: „De fungis capitis“ (Heidelberg 1825). 1834 erschien von ihm eine Abhandlung „Der Zweck der Menstruation“ (in Siebold’s Journal XIII) als Bruchstück einer größeren gynäkologischen Arbeit, die er demnächst unter dem Titel: „Die Menstruation historisch-physiologisch betrachtet“ zu veröffentlichen gedachte. Es sollte dazu nicht kommen: Das fast fertig gestellte Manuscript wurde durch ein Mißgeschick ein Raub der Flammen. Die 1867 vollendete Schrift: „Zange oder Wendung bei verengtem Becken“ (Frankfurt a. M.) ist die weitere Ausführung einer Preisarbeit, die 1863 von der französischen Akademie der Wissenschaften mit der „mention honorable“ bedacht worden war. Die gleiche Auszeichnung war bereits 1863 einer Arbeit über Kehlkopfschwindsucht seitens der Académie Royale de médicine in Paris zu Theil geworden. Weiter schrieb S. über „Magnetismus, Somnambulismus, Clairvoyance. 12 Vorlesungen für Aerzte und gebildete Nichtärzte“. (2 Bde. Cassel 1853–54), sowie über „Licht und Schatten der heutigen Heilwissenschaft“ (Frankfurt 1871).

Schwarzschild’s dichterische Befähigung fand zunächst ihren Ausdruck bei Festlichkeiten im Kreise seiner Collegen. Die hierzu verfaßten Gelegenheitsgedichte hat er gesammelt unter dem Titel: „Poetische Tischreden für Aerzte und deren Freunde“ (Frankfurt a. M. 1859). Sie „bergen in humoristischem Gewande treffliche, ernste Ideen und geißeln mit feiner Ironie die Auswüchse und Schäden der Wissenschaft und des Standes“. Es sind ferner erschienen ein Gedicht in 20 Gesängen: „König Rübezahl und seine Gnomen“ (Frankfurt a. M. 1842); „Frühlingslieder eines Aergerlichen“ (Frankfurt 1851), sowie als sein letztes und größtes Werk eine Uebersetzung der Odyssee in Form moderner Stanzen (Frankfurt 1876), die von der Kritik in günstiger Weise beurtheilt worden ist. S. hat diese Arbeit an seinem 70. Geburtstag begonnen und mit 74 Jahren vollendet, ein Beweis der Jugendfrische, die er sich bis in sein Alter bewahrt hatte.

Nekrolog von Dr. Hirsch in: Jahresbericht über die Verwaltung des Medicinalwesens der Stadt Frankfurt a. M. XXII. Jahrg. 1878. S. 214 bis 229. – Biographie von Stricker in: Hirsch, Biographisches Lexikon der Aerzte V. – Stricker, Geschichte der Heilkunde in Frankfurt a. M. S. 328.