ADB:Steubing, Johann Hermann

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Artikel „Steubing, Johann Hermann“ von Friedrich Wilhelm Cuno in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 149–150, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Steubing,_Johann_Hermann&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 11:52 Uhr UTC)
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Steubing: Johann Hermann St., oranien-nassauischer Kirchenhistoriker, geboren am 6. Mai 1750 in Herborn, † am 23. Mai 1827 zu Dietz. Sein Vater, Johann Wilhelm, ein Schuster, ließ ihn die Classen des Herborner Pädagogiums von seinem sechsten Jahre an durchmachen. Männer wie Dilthey, Otterbein, Faber und Hamel waren daselbst seine Lehrer. Im J. 1766 wurde er zu den akademischen Studien zugelassen und hörte nun bei Marquard Winckel und Valentin Arnold Theologie, bei Georg Adam Fabricius Kirchengeschichte und bei Johann Friedrich Fuchs Beredsamkeit und Geschichte. Am meisten zog ihn Fuchs an, der die Liebe zur vaterländischen Geschichte, besonders aber zu der Gelehrtengeschichte in ihm mächtig zu wecken wußte. Nachdem St. einige Jahre als Candidat an verschiedenen Orten aushülfsweise sich hatte gebrauchen lassen, wurde er 1775 als Rector an das Pädagogium zu Dillenburg berufen, wo er bis zum Jahre 1780 wirkte. Kaum hatte er diese seine erste feste Stelle erhalten, so nahm er seine hochbetagten Eltern zu sich, um sie in ihren letzten Lebensjahren mit treuer Liebe zu pflegen. Schon nach zwei Jahren starb zu seinem großen Schmerze die Mutter Anna Margarethe, eine geborne Rudersdorf, aus der einst so berühmten Theologenfamilie Piscator abstammend; der Vater, zuletzt völlig erblindet, folgte der Mutter erst 1791 nach, 85 Jahre alt. Im J. 1780 kam St. als zweiter Prediger nach Herborn, 1786 aber in derselben Eigenschaft nach Dillenburg zurück. Acht Jahre später berief ihn der Prinz von Oranien zum Pastor primarius nach Dietz, wo er nach der Bildung des Herzogthums Nassau den Titel eines geheimen Kirchenrathes, sowie die Leitung des Decanates Dietz erhielt. Gelegentlich seines fünfzigjährigen Amtsjubiläums 1826 ertheilte ihm Herzog Wilhelm die goldene Verdienstmedaille.

[150] Seine 1804 zu Hadamar erschienene „Kirchen- und Reformations-Geschichte der Oranien-Nassauischen Lande“ ist bis auf den heutigen Tag die einzige Quelle dieser für die reformirte Kirchengeschichte Deutschlands hochinteressanten Landesgeschichte. Von ähnlicher Wichtigkeit ist seine 1823 veröffentlichte „Geschichte der Hohen Schule zu Herborn“. Die „Topographie der Stadt Herborn“ (Marburg 1792), sowie die „Topographie der Stadt und Grafschaft Dietz“ (Hadamar 1812) enthalten eine Menge biographischer Nachrichten über Pastoren und Gelehrte, welche für die Geschichte der Kirche wie Schule Nassaus höchst werthvoll sind. Auch die, wenn auch nicht verarbeiteten „Biographischen Nachrichten aus dem 16. Jahrh.“ (Gießen 1790) bieten dem Geschichtsforscher noch manche Winke für jene Zeit. Leider sind die reichhaltigen handschriftlichen Collectaneen, die St. über die Geschichte der Kirchspiele der oranischen Grafschaften, sowie über das Leben einzelner Herborner Professoren hinterlassen hat, von den Nachkommen desselben nicht, wie es im Interesse der Wissenschaft wünschenswerth gewesen wäre, veröffentlicht worden.

Kretzer, Geschichtl. Darstellung der latein. Schule und des Pädagogs zu Dillenburg. Herborn 1818. – Steubing, Topogr. d. Stadt Herborn. Marburg 1792. – Nachrichten aus den Pfarrregistraturen und Kirchenbüchern von Herborn und Dillenburg.