ADB:Strackerjan, Karl Diedrich August

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Artikel „Strackerjan, Karl Diedrich August“ von August Mutzenbecher in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 487–489, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Strackerjan,_Karl_Diedrich_August&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 07:09 Uhr UTC)
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Strackerjan: Karl Diedrich August St., geb. zu Jever am 10. August 1819, Sohn des damaligen Amtmanns Christian Friedrich St. (s. o.), besuchte die Provinzialschule zu Jever und seit der Versetzung des Vaters nach Oldenburg das dortige Gymnasium, machte im März 1837 sein Maturitätsexamen und bezog im Herbst desselben Jahres, nachdem er im Sommer durch Ableistung einer Dienstzeit von sechs Wochen in der Reserve seiner Militärpflicht genügt hatte, die Universität Jena, um Theologie zu studiren. Er schloß sich hier der deutschen Burschenschaft an, deren Principien und Bestrebungen er stets treu geblieben ist; unter seinen nächsten Freunden ist besonders Ludwig Häusser zu nennen. Im Herbst 1839 ging er nach Berlin, kehrte im Herbst 1840 heim und trat nach bestandenem Tentamen 1841 die Stelle eines Hauslehrers in einer Beamtenfamilie an. Neujahr 1844 erhielt er eine Lehrerstelle an der Provinzialschule in Jever, zunächst provisorisch, dann, nach Ablegung des zweiten Examens (1845), definitiv; 1851 rückte er in die dritte Lehrerstelle („Cantor“, später [1859] „Collaborator“) auf. Eine als Schulprogramm veröffentlichte Arbeit „Zur Lehre von der Congruenz im Lateinischen“ (1856) brachte ihm den Antrag, sich um eine Stelle am Gymnasium in Lübeck zu bewerben; [488] er gab demselben jedoch keine Folge. Im Frühjahr 1864 übernahm er als Nachfolger Tycho Mommsen’s das Rectorat der höheren Bürgerschule in Oldenburg, welche unter seiner erfolgreichen Leitung zur Realschule sich entwickelte und im Jahre 1883 als Oberrealschule anerkannt wurde. Einen Ruf als Director nach Schwerin (1866) lehnte er ab. Im J. 1868 wurde er von der Regierung beauftragt, an der nach Berlin eingeladenen Conferenz zum Zweck der Vereinbarung über das höhere Schulwesen theilzunehmen. Später folgte der Beförderung durch Verleihung des Titels „Schuldirector“ (1868) die Ernennung zum Vorsitzenden der Commission für die Prüfung der Candidaten des höheren Schulfaches (1874) und die Berufung in die Reichs-Schulcommission für die Jahre 1879 bis 1881. Nachdem er am 4. April 1889 das 25jährige Jubiläum als Leiter „seiner“ Schule unter allseitiger Theilnahme gefeiert hatte, warf ihn im Herbst desselben Jahres eine Lungenentzündung auf das Krankenlager, von dem er sich nicht wieder erheben sollte. Er entschlief am 19. November 1889. – St. begann seine litterarische Thätigkeit schon als Candidat, indem er an den von seinem Vater herausgegebenen Zeitschriften („Mittheilungen“, „Oldenburgische Blätter“, „Oldenburgische Zeitung“) mitwirkte. In Jever übernahm er 1848 die Redaction der „Jeverländischen Nachrichten“, welche, in liberalem Sinne geleitet, heftige Kämpfe mit demokratischen Blättern zu führen hatten, und betheiligte sich gleichzeitig auch als Correspondent der „Weserzeitung“ und der „Deutschen Reichszeitung“ am politischen Leben. Mit dem Jahre 1853 trat er in die Redaction des von seinem Vater begründeten Volkskalenders „Der Gesellschafter“ ein und führte dieselbe eine längere Reihe von Jahren fort. Auch zu der Monatsschrift „Die deutschen Mundarten“ lieferte er Beiträge. Zu Ostern des Jahres, in welchem er Jever verließ (1864), erschien in dem Programm der dortigen Schule seine in der altdeutschen Forschung epochemachende Abhandlung „Die jeverländischen Personennamen“, in welcher er die erste Kunde gab von seiner für die weitere Entwicklung der germanistischen Namensstudien wichtigen Entdeckung, daß alle altdeutschen Namen aus zwei Stämmen zusammengesetzt sind. Obgleich in Oldenburg seine Berufsgeschäfte ihn sehr in Anspruch nahmen, so fand er doch oft und gern Gelegenheit, mit dem größeren gebildeten Publicum in Beziehungen zu treten. Abgesehen von einer nicht kleinen Zahl von zum Theil anonym erschienenen Beiträgen zur localen Geographie und Culturgeschichte, zog er in seinen Schulprogrammen die verschiedenartigsten Fragen in den Kreis seiner Betrachtung. So entstanden seine Abhandlungen über Schule und Haus, über das Leben Herbart’s, über Eiche und Linde, über das Plattdeutsche als Hülfsmittel für den Unterricht, über den Menschen im Spiegel der Thierwelt u. a. Daneben sind die „Dichterabende“ zu erwähnen, deren erster einer Erinnerungsfeier für Ludwig Uhland gewidmet war. Er wählte zu denselben immer Gedichte eines hervorragenden Dichters oder einer Schule oder der Dichter eines Landes aus und ließ sie vor einer Anzahl geladener Gäste von seinen Schülern in der Aula vortragen; er selbst leitete diese anregenden und belehrenden Abende stets mit einem litterarhistorischen „Vorwort“ ein. Fast ein Viertelhundert solcher Dichterabende hat er veranstaltet; die Vorworte, welche weithin Anerkennung gefunden haben, sind fast alle in den Osterprogrammen der Schule erschienen. Unvergessen ist ihm endlich, daß die Errichtung eines Denkmals für J. F. Herbart, welches bei Gelegenheit der 100jährigen Feier des Geburtstages des Philosophen in dessen Geburtsstadt Oldenburg am 4. Mai 1876 enthüllt wurde, vorzugsweise seiner Anregung zu verdanken ist. – „Soll sein Wesen“, äußert sein College Krause, „in einem Worte zusammengefaßt werden, so sei es das, was er so hoch schätzte: er war ein deutscher Mann!“

[489] R. Mosen, Karl Strackerjan, im Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, Jahrg. 1889, S. 157. – E. Krause, Zur Erinnerung an Karl Strackerjan, im Osterprogramm der Oberrealschule zu Oldenburg 1890, S. 25.