ADB:Takolf

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Artikel „Takolf (Thakolf, Thakulf)“ von Franz Xaver von Wegele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 361–362, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Takolf&oldid=- (Version vom 10. Dezember 2019, 19:42 Uhr UTC)
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Takolf (Thakolf, Thakulf), Graf der thüringischen oder Sorbenmark in der Zeit König Ludwigs des Deutschen. Er tritt in der Geschichte, und zwar gleich in dieser Eigenschaft, zuerst im J. 849 auf, doch liegt die sichere Vermuthung nahe, daß er schon mehrere Jahre früher auf diesen wichtigen Posten gestellt worden war. Seiner Herkunft nach war er unzweifelhaft ein Deutscher, und wenn ihm von unterrichteter Seite eine genaue Kenntniß der tschechischen Sprache und Sitte nachgerühmt wird, so braucht man daraus kaum einen andern Schluß zu ziehen, als daß er das ihm anvertraute Amt in nicht gewöhnlichem Sinne aufgefaßt hat. Dieses sein Amt erhielt durch die fortwährend gereizte und offensive Haltung der slavischen Völkerschaften, der Sorben und Tschechen voran, eine erhöhte Bedeutung. Seit längerer Zeit zinspflichtig gemacht, erhoben sie sich zu wiederholten Malen, das verhaßte Joch abzuschütteln. Im J. 849 wurden von Seiten der Franken umfassende Zurüstungen getroffen, die Aufständischen zu züchtigen. Eine Abtheilung der fränkischen Heeresmacht wurde der Führung Takolf’s überwiesen. Die bedrohten Slaven, dadurch eingeschüchtert, zeigten sich geneigt, statt es auf das äußerste kommen zu lassen, auf leidliche Bedingungen hin sich zu unterwerfen. Zum Vermittler dieser ihrer friedlichen Stimmung wählten sie den Markgrafen T., der durch sein versöhnliches Benehmen vermuthlich schon vordem ihr Vertrauen gewonnen hatte. Indeß die übrigen Anführer der Franken, von Eifersucht auf T. erfüllt, wiesen die Anerbietungen der Aufständischen zurück und zogen es vor, die Entscheidung auf die Spitze des Schwertes zu stellen. Die gesuchte blutige Entscheidung fiel aber zu Gunsten der Slaven aus und das fränkische Heer erlitt eine unrühmliche Niederlage. Bei den nun weiterhin folgenden Zusammenstößen zwischen Slaven und Deutschen wird Takolf’s Name zunächst nicht ausdrücklich genannt; erst zehn Jahre später wurde von Seite der Franken aufs neue eine umfassende kriegerische Action gegen die Slaven geplant und der bewährten Hand Takolf’s die Führung gegen die Tschechen anvertraut. Jedoch mitten in den Vorbereitungen gab König Ludwig einen Gegenbefehl und das deutsche Schwert blieb in der Scheide ruhen. Der Fuldaer Annalist mag Recht haben, wenn er andeutet, [362] daß der moralische Einfluß Takolf’s die benachbarten Slaven öfters von angriffsweisem Vorgehen zurückgehalten habe, gewiß ist aber, daß, als dieser am 1. September 873 starb, sich die Tschechen und ihre Verbündeten sofort gegen die fränkische Herrschaft erhoben haben. Welche amtliche Stellung T. in Thüringen selbst bekleidet hat, ist mit Sicherheit nicht zu sagen. „Herzog der Thüringer“, wie er gelegentlich genannt wird, war er wol nicht, aber eine wenn auch schwer zu definirende Amtsgewalt ist ihm hier, wenn vielleicht auch nur zeitweise, wahrscheinlich übertragen gewesen. Zu seiner letzten Ruhestätte hatte er ausdrücklich das Kloster Fulda bestimmt und zu diesem Zwecke der Gründung des h. Bonifacius eine glaubwürdig bezeugte Schenkung gemacht, in deren urkundlichen, wenn auch späteren Formulirung er als „comes Boemiae“ erscheint, einer Bezeichnung, die sich durch seine amtliche Stellung an der böhmischen Grenze leicht erklärt. Seine Beziehungen zum Kloster Fulda gehen sicher viel weiter zurück, wie u. a. eine Nachricht bezeugt, kraft welcher Abt Hatto (842 bis 856) durch ihn ein Schreiben an Papst Leo V. (844–855) gelangen ließ; es wäre von Interesse mit Sicherheit zu wissen, auf welchem Wege T. dieses Schreiben an seine Adresse gelangen ließ.

Vgl. Annales Fuld. ad a. 829. – Dronke, Codex diplom. Fuld. N. 578. 729. – E. Dümmler, Gesch. d. ostfr. Reiches, 2. Aufl., 1. Bd., S. 345. 427; 2. Bd., S. 601. – Derselbe in den Forschungen zur D. G. V, 357. – Knochenhauer, Gesch. Thüringens in d. karol. u. sächs. Zeit. Gotha 1863, S. 23 ff.