ADB:Trenkwald, Johann Matthias

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Artikel „Trenkwald, Johann Mathias“ von Friedrich Pollak in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 54 (1908), S. 709–710, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Trenkwald,_Johann_Matthias&oldid=- (Version vom 20. Mai 2019, 21:24 Uhr UTC)
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Trenkwald: Johann Mathias T. ist im J. 1824 in Prag als Sohn eines Verzehrungssteuer-Commissärs geboren. Seinen ersten Unterricht erhielt er an der ständischen Kunstakademie zu Prag, die damals unter dem dominirenden Einfluß Christian Ruben’s stand. Ruben, der Cornelius so liebte, daß er diesem 1822 von Rom nach Düsseldorf nachging, hatte damals Weltruf und eine große Schule unter sich versammelt. Swoboda, Skota seien neben T. genannt. 1851 folgte T. Ruben nach Wien, wo er ihm trotz Rahl’s weitüberragendem Temperament treu blieb. Nach vierjährigem Aufenthalt verließ er die Wiener Akademie und ging mit einem kaiserlichem Stipendium nach Italien, wo er bis 1862 weilte. In Italien copirte er fleißig alte Meister, ohne aber in ihr innerstes Wesen einzudringen, nur immer die leere Form beherrschend. Unter andern weiß Wurzbach von einer Copie eines Freskos von Venozzo Gozzoli im Palazzo Riccardi zu Florenz, jetzt in der Sammlung der Akademie zu Wien. 1863 erhielt er dann vom Kaiser Franz Joseph den Auftrag zu dem im kunsthistorischen Museum zu Wien befindlichen Gemälde: „Einzug Leopold des Glorreichen in Wien, nach dessen Rückkehr vom Kreuzzuge“. Von Werken aus seiner Studienzeit bis 1863 seien erwähnt: 1844 die Kreidezeichnung „Schutzengel“ (Prag), 1845 das Oelgemälde „Landleute auf der Flucht vor dem Feinde“ (Prag), 1846 „Karl des XII. Tod vor Friedrichshall“ (Clam-Gallas, Prag), 1848 „Scene aus dem Bauernkrieg“ (Prag), 1849 „Schlacht bei Lippa“, 1850 nach einem Carton von Ruben das Altarblatt „Johannes der Täufer“ (Kirche zu Turnau), 1851 der große Carton „Tetzels Ablaßpredigt“, der auf den großen Ausstellungen zu Wien, München, Hamburg, ja sogar Paris Aufsehen machte (heute in Prag). Im selben Jahre entstand sein erstes Fresko nach einem Carton von Ruben: „Die Ueberbringung der Reliquien des h. Adelbert nach Böhmen durch Herzog Bretislav von Böhmen“, sowie nach eigener Composition das Fresko: „Die Thronentsagung Wladislaus’ zu Gunsten Ottokars“. Beide Fresken sind für das Prager Belvedere gemalt. Die Cartons dazu befanden sich im Besitze von Frau Professor Ruben und sind jetzt im Prager Rudolfinum. Aus diesen Fresken, die er nicht nur unter Ruben’s Einfluß, sondern wie wir sehen auch nach seinen Cartons und Angaben machte, sieht uns der nur fahle Abglanz [710] der Corneliusschule entgegen. Doch sind diese Bilder und Fresken – der „Ueberfall Karl’s IV. in Pisa“, sowie die Fresken im Belvedere „Gründung der Prager Universität“, beide 1855 entstanden; gehören auch noch hierher – noch besser als spätere Arbeiten. Seine Illustrationen zum „Buch der Lieder“ sind überaus freie Zeichnungen, verwischen nur mit nüchternem Verstand die feinen, rhythmischen Linien des grazilen Werkes. Philiströs sind seine dreißig Zeichnungen zur Geschichte Deutschlands, die aber nie vervielfältigt wurden. 1862 sehen wir ihn wieder im Prager Belvedere, nach Ruben’s Carton „Die Hussitenschlacht“, beschäftigt. 1863 endlich schuf er in dem Missale romanum, das Kaiser Franz Joseph für Pius IX. bestellte, sein Meisterwerk, die beiden Miniaturen „Mariae Verkündigung“ und „Mariae Himmelfahrt“, zwei Blätter von seltenem Liebreiz.

Weiter zu nennen sind noch seine Cartons zur Ernstcapelle im Prager Veitsdom (1864), Fresken in der Familiengruft der Freiherren v. Revoltella zu Triest, sowie seine Fresken im Akademischen Gymnasium zu Wien (1865 bis 1867), welche die theologischen Tugenden, die lateinischen und griechischen Kirchenväter darstellen, ein Werk, ganz unter dem Einfluß Fiesole’s. Die Aquarelle hiezu befinden sich in der Akademie zu Wien. Sehr populär wurde sein „Cyrill und Method“ (1867), der in Holzschnitt und Kupferstich unzählige Male reproducirt wurde. In die Zeit von 1868–77 fallen die Werke: „Friedrich II.“, „König Enzio“, „Gustav Adolf“, „Thomas Münzer“; die Fresken in der neuen Carolinenkirche zu Prag „Die letzten Hussiten“ (Wien, Kunsthistor. Museum), die von der Kritik ironisch behandelt wurden, was nicht Wunder nehmen kann, wenn man bedenkt, daß zu eben jener Zeit Makart seine Triumphe feierte. 1878 schuf er die Entwürfe zu zwei Glasfenstern in der Votivkirche zu Wien und Skizzen für die Grabcapelle seines Schwiegervaters Grafen Thun in Teschen, endlich 1879 die 16 Fresken in der Votivkirche in Wien. Seine letzten Jahre bis zu seinem 1898 erfolgten Tode beschränkte er auf sein Lehramt an der Akademie zu Wien.

Oesterr. Kunstchronik von Dr. Heinrich Kabdebo. – Biogr. Künstler-Lexikon von Wurzbach, Bd. 46, 47. – Allgemeine Zeitung 1878, Nr. 244. – Wiener Fremdenblatt 1864, Nr. 94, 125, 156. – Leipziger Illustr. Zeitung 1865, Nr. 1169. – Neue Freie Presse 1864, Nr. 115; 1866, Nr. 811. – Oesterr. Blätter für Literatur und Kunst 1844, III. Bd. Nr. 40. – Das Vaterland 1863, Nr. 43. – Emerich Ranzoni, Malerei in Wien. – Derselbe, Wiener Bauten. – Dr. Franz Reber, Geschichte der neueren deutschen Kunst.