ADB:Ungewitter, Reinhard Christoph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Ungewitter, Reinhard Christoph“ von Ludwig Metz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 304–305, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ungewitter,_Reinhard_Christoph&oldid=- (Version vom 18. November 2019, 03:33 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Ungleich, Lucas
Band 39 (1895), S. 304–305 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Reinhard Christoph Ungewitter in der Wikipedia
GND-Nummer 104072687
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|39|304|305|Ungewitter, Reinhard Christoph|Ludwig Metz|ADB:Ungewitter, Reinhard Christoph}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=104072687}}    

Ungewitter: Reinhard Christoph U., ein Sohn von Joh. Christ. U. (s. o.), gleich seinem Vater ein Geistlicher der hessischen reformirten Kirche, geboren am 25. Januar 1715 in Marburg, † am 31. December 1784 in Kassel. Auch er war ein tüchtiger, gern gehörter Prediger der göttlichen Gnade; von seiner Kraft und Begabung zeugt eine Reihe von Predigten, die er in den Druck gegeben hat. Sie verrathen ebensosehr den gläubigen Christen, wie den befähigten, kenntnißreichen, fleißigen und sorgfältigen Gottesgelehrten. Kennzeichnete er auch mit Recht als seine vorzüglichste Aufgabe die Verkündigung der christlichen Erlösung (vgl. seine Abschiedsrede von 1755, Seite 32, wo er das Wort des Apostels auf sich anwendet: „Wir verlangten unter euch nichts zu wissen, ohne allein Christum und zwar den Gekreuzigten“), so war er doch kein Verächter der Wissenschaft und des vernünftigen Denkens, sondern wußte die Vernunft in ihrem Grenzgebiete wohl zu schätzen. (Vgl. z. B. seine Antrittsrede von 1755, Seite 70: Wir lassen die Beweise gelten, die man für das Daseyn eines Gottes aus der Vernunft führt. Aber würde der Mensch wohl darauf gefallen seyn, wenn ihm nicht eine fortgepflanzte Offenbarung den Ton angegeben hätte?) Das Ideal eines praktischen Theologen, das zu verwirklichen er selbst sich bemühte, beschrieb er in seiner Schrift von 1755: „De theologo tempori serviente commentatio“, einer Art von Pastoraltheologie. Sie enthält manche Grundsätze über die Aufgaben des theologus discens sowol wie des theologus docens, die auch heute noch nicht veraltet sind, und zeigt uns den Verfasser belesen in alten und neuen Werken. Häufiger citirt er Werenfels, Alph. Turretin, Grotius, auch Christian v. Wolf, den er während seines Exils in Marburg zu hören Gelegenheit hatte. Denn U. studirte gerade in jenen Jahren, wo Wolf, von Halle verbannt, in Marburg weilte, auf dieser Universität.

Von 1738 bis 1784 wirkte U. in Kassel, zuerst an verschiedenen Gemeinden wechselnd, bis er 1771 Consistorialrath, Superintendent und Oberhofprediger wurde. In dieser hohen Stellung verblieb er bis an sein Ende, obschon er von 1778 an, durch einen Schlagfluß während einer Visitation gelähmt, nicht mehr predigen konnte. Seine Schriften beschränkten sich nicht nur, wie die seines Vaters, auf Predigten und Reden, sondern umfaßten auch exegetische und dogmatische Versuche. Es seien noch erwähnt außer der zu Hersfeld erschienenen Commentatio: „Erklärung des Briefs des H. Jacobs“ (1754); „Versuch einer freyen Uebersetzung der beyden Briefe Petri und der drei Briefe Johannis mit Anmerkungen“ (1757); „Vorrede von der Versuchung Christi, zu J. C. Krafft’s Sammlung einiger Predigten“ (1764). Von seinen Reden seien angeführt: das seinem Vater gewidmete Büchlein: „Die Pflicht des Evangelischen Lehrers bey dem Beschluß und Anfange seines heiligen Amtes, in einer Abschieds- und Antrittsrede, betrachtet von R. C. Ungewitter“ (1755); „Gedächtnißpredigt auf den Tod der Frau Landgräfin Marie, Kön. Princessin von Großbrittanien, reg. Landgräfin zu Hessen“ (1772).

[305] Nach Strieder’s Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte, XVI, 253–256. Vgl. auch die angezogenen Schriften.