ADB:Versing-Hauptmann, Anna

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Artikel „Versing-Hauptmann, Anna“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 54 (1908), S. 742–743, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Versing-Hauptmann,_Anna&oldid=- (Version vom 4. Dezember 2020, 08:42 Uhr UTC)
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Versing: Anna V.-Hauptmann, berühmte Schauspielerin, wurde am 2. October (nach Oettinger’s Moniteur des Dates am 14. October) 1834 in Mainz geboren. Ihr Vater war der bekannte Baritonist und Bassist Wilhelm Versing, ihre Mutter die hervorragende Schauspielerin Auguste Lauber. Im folgenden Jahre kam sie mit ihren Eltern nach St. Petersburg, woselbst sie bis 1846 blieb und ihre Erziehung in einem der ersten Mädcheninstitute erhielt. Schon damals äußerte sie den Wunsch, sich gleichfalls der Bühne widmen zu dürfen, der aber vorerst noch unberücksichtigt blieb. Erst als sie dreizehn Jahre zählte, gab die Mutter den Bitten der Tochter nach und übernahm nun selbst ihre Ausbildung. Anna debütirte mit großem Erfolge in Olmütz 1849 und erhielt bald darauf ein Engagement am ständischen Theater in Prag. Von 1850–52 war sie am Theater in Brünn thätig, verließ dann [743] aber die Bühne, um sich mit dem Buchhändler Hauptmann zu verheirathen und nun ganz ihrer Familie zu leben. Wiederholt lehnte sie glänzende Anträge, die sie nach Wien, Berlin und Hannover riefen, ab, bis dann plötzlich (1859) der alte Drang zur Bühne mit erhöhter Kraft in ihr erwachte. Nach einem erfolgreichen Gastspiel in Frankfurt a. M. trat sie sofort in den Verband des dortigen Theaters ein. Ihre Wirksamkeit neben Fanny Janauschek, welche damals in Frankfurt die erste Rolle spielte, wurde durch diese mehr oder weniger in den Schatten gestellt, so daß Anna V. ihren Vertrag zu lösen suchte. Da indeß ihre Bemühungen dieserhalb fruchtlos blieben, benutzte sie die unfreiwillige Muße, welche ihr die Nichtverwendung in Frankfurt bereitete, zu Gastspielen in Breslau, Wien, Pest, Brünn, Magdeburg, Berlin, Leipzig und anderen großen Städten. In Wien, wo sie 1860 im Hofburgtheater die Jeanne d’Arc, die Maria Stuart, die Adrienne Lecouvreur spielte, fand sie den ungetheilten Beifall des Hofes und des Publicums; da sich aber die Kritik ablehnend gegen sie verhielt, mußte Director Laube unter dem Druck der Presse von dem beabsichtigten Engagement der Künstlerin absehen. In Coburg, wo ihr Spiel gleichfalls ungetheilte Anerkennung fand, wurde sie sofort (1861) auf Lebensdauer engagirt und gleichzeitig zur Vorleserin der Herzogin ernannt. Als sie aber im Winter 1864/65 einen fünfmonatigen Urlaub zu einem Gastspiel in St. Petersburg benutzt hatte und nach Coburg zurückkehrte, fand sie die dortigen Verhältnisse derart verändert, daß ihr das lebenslängliche Engagement unerträglich wurde und sie ihre Entlassung erbat, die sie auch erhielt. Sie begab sich zunächst wieder auf Gastspielreisen und trat dann 1867 in den Verband des deutschen Theaters in Prag, dem sie bis 1879 angehörte. Sie hatte wohl selbst ihre Stellung erschüttert und zog es daher vor, Prag zu verlassen. Nachdem sie vorübergehend am Wiener Stadttheater und kurze Zeit in Hamburg thätig gewesen, wagte sie schließlich eine Gastspielreise nach Amerika, die ihr aber keine glänzenden Erfolge, wohl aber manche Enttäuschung eintrug. Heimgekehrt nach Europa, ließ sie sich dauernd in Prag nieder, wo sie, zurückgezogen von der Bühne, nur ihrer Familie lebte. Noch hatte sie den Verlust ihres Gatten zu beklagen, und nicht lange danach, am 8. September 1896, folgte sie ihm im Tode nach.

Anna V. hat als Schauspielerin die a1lerverschiedenste Beurtheilung erfahren, aber gerade diese läßt den Schluß zu, „daß die Künstlerin ihre Aufgaben häufig befriedigend zu lösen verstand“. Unbestritten bleibt ihr das Verdienst, überall, wo sie auch immer auftrat, das Interesse für das classische Drama geweckt oder belebt zu haben. Auch als Dichterin ist Anna V. hervorgetreten. Schon 1861 gab sie ein Bändchen lyrischer „Gedichte“ heraus, dem sie zwanzig Jahre später ihre „Jugendlieder und Lebensbilder“ (1881) folgen ließ. Ein Band „Novellen“ (Aus meinem Frauenleben. – Die Philosophie. – Carla Colomba) erschien 1866, und ein Drama „Verwirrt und gelöst“ wurde 1877 am Deutschen Landestheater in Prag aufgeführt.

Wurzbach’s Biogr. Lexikon L, 155. – Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog, 1. Jahrg. 1896, S. 344. – Böhmens deutsche Poesie und Kunst, 6. Jahrg. 1896, S. 1313. – Die deutsche Schaubühne, 3. Jahrg. 1862, S. 80 und 7. Jahrg. 1866, Heft 10.