ADB:Vlack, Adriaen

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Artikel „Vlack, Adriaen“ von Moritz Cantor in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 86, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Vlack,_Adriaen&oldid=3419225 (Version vom 10. Dezember 2018, 13:39 Uhr UTC)
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Vlack: Adriaen V., mathematisch gebildeter Buchhändler, geboren in Gouda, † nach 1655 wahrscheinlich im Haag. Die Familie Vlack’s stand in Gouda in gutem Ansehen und Adriaen erhielt eine nicht unbeträchtliche wissenschaftliche Bildung. Er war namentlich der lateinischen Sprache mächtig und ein gewandter Redner. Wenn wir auch sein Geburtsjahr nicht kennen, so wissen wir doch, daß er 1626 in seiner Vaterstadt bei der buchhändlerischen Firma Pieter Rammaseyn beschäftigt war, der er vielleicht als Theilhaber angehörte. Von 1633–1642 lebte V. in London als Buchhändler, wesentlich dem Vertriebe von in Holland bei dem oben genannten Geschäfte erschienenen Werken sich widmend. Daneben scheint aber V. in die grade damals beginnenden politischen Kämpfe, welche 1649 zur Hinrichtung Karl I. führten, sich eingemengt zu haben, und dieses für einen Ausländer, der auch den Geschäftsneid englischer Buchhändler erregt hatte, mindestens unkluge Benehmen brachte ihm persönliche Gefahren, welche eine rasche Abreise wünschenswerth machten. Von 1642–1648 lebte V. in Paris, dann ließ er sich als Buchhändler im Haag nieder, wo er 1655 noch lebte. In der Vorrede zu einem damals bei ihm gedruckten Buche hat er die hier angegebenen Einzelheiten über sein Leben mitgetheilt. Was nun Vlack’s schriftstellerische Thätigkeit anlangt, so begann er sie in Gouda gemeinschaftlich mit dem dortigen Feldmesser und Lehrer der Mathematik Ezechiel de Decker, der vermuthlich besser als V. in Mathematik beschlagen war, dagegen dessen Beihülfe nicht entbehren konnte, wo es auf Uebersetzung aus dem Lateinischen ankam. Die beiden Freunde arbeiteten die von 1614–1624 erschienenen Schriften von Neper, Gunter, Briggs über Logarithmen und andere Rechnungserleichterungen mit einander durch und faßten dabei den Plan, deren Inhalt in holländischer Sprache als „Nieuwe Telkonst“, neue Zahlenkunde, zu veröffentlichen. Ein erster Band erschien 1626, auf dessen Titelblatt de Decker und V. genannt sind. Der versprochene zweite Band blieb aus. Dessen Ersatz haben wir wol in zwei Büchern zu erkennen, wieder einer „Nieuwe Telkonst“ von 1626, in welcher Vlack’s Name fehlt, und der „Arithmetica logarithmica“ von 1628, in welcher de Decker nicht genannt ist. Gedruckt aber ist alles bei Rammaseyn. In der Arithmetica logarithmica sind die 10stelligen Logarithmen sämmtlicher Zahlen von 1 bis 100 000 für die Grundzahl 10 angegeben, während die der Zahlen 20 000 bis 90 000 bis dahin überhaupt noch nie veröffentlicht waren. Der buchhändlerische Erfolg blieb nicht aus. Am 25. October 1628 schrieb Briggs, die 1000 Exemplare, welche Rammaseyn gedruckt hätte, seien bereits größtentheils verkauft. Allerdings waren, wie man jetzt weiß, viele Exemplare durch einen Londoner Buchhändler Miller übernommen worden, der eine neue Titelausgabe daraus machte. 1633 war das Druckjahr eines neuen Tabellenwerkes von V., seiner „Trigonometria artificialis sive magnus Canon triangulorum logarithmicus“. Die Logarithmen sind 10stellig, die Winkel, für deren trigonometrische Functionen man dort die Logarithmen findet, wachsen in Zwischenräumen von je 10″: Man darf vermuthlich den Erfolg der Tabellen von 1628 und den Druck der Tabellen von 1633 als Veranlassung von Vlack’s Uebersiedelung nach London in dem letzteren Jahre betrachten.

Cantor, Vorles. über Gesch. d. Mathematik II, 679–681.