ADB:Waldburga

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Walburg“ von Sigmund Ritter von Riezler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 645–646, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Waldburga&oldid=- (Version vom 20. Mai 2019, 07:34 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Walbeck, Johannes
Band 40 (1896), S. 645–646 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Walburga in der Wikipedia
GND-Nummer 118628569
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|40|645|646|Walburg|Sigmund Ritter von Riezler|ADB:Waldburga}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118628569}}    

Walburg, die heilige W. (Waldburg, Walburgis ist die latinisirte Form), eine geborene Engländerin, Schwester des hl. Willibald, des ersten Bischofs von Eichstätt, und des hl. Wunnibald. Ueber ihren weit verbreiteten Cultus, für den man auch eine mythologische Grundlage zu gewinnen versucht hat (siehe darüber Schlecht in der unten angeführten Abhandlung, S. 122), existirt eine ganze Bibliothek, über ihr Leben aber haben wir, wissenschaftlich betrachtet, nur die allerdürftigste Kunde. Daß sie von adeliger Geburt oder gar eine englische Fürstentochter war, ist nicht beglaubigt, und nach den wol noch dem 8. Jahrhundert angehörigen Lebensbeschreibungen ihrer Brüder unwahrscheinlich. Daß Willibald von seinen Eltern in das Kloster Waltham gebracht wurde, deutet auf Hampshire als die Heimath der Familie. Otloh führt W. unter den Klosterfrauen auf, welche auf den Wunsch des hl. Bonifacius zur Unterstützung der Mission aus England nach Deutschland gekommen seien. Als ziemlich gesichert darf gelten, daß W. erst nach 728 nach Deutschland kam, als sicher, daß sie in dem von ihrem Bruder Wunnibald um 751, wie es scheint, zugleich für Mönche und Nonnen gestifteten Kloster Heidenheim bei Eichstätt lebte und nach Wunnibald’s Tode (761) dessen Leitung übernahm. Der Verfasser der Vita Wynnebaldi (Mon. Germ. Script. XV, 114) beruft sich in erster Reihe auf die [646] (nicht namentlich bezeichnete) Schwester Wunnibald’s als seine Zeugin. Ihr Todesjahr ist nicht bekannt, der Erhebung und Uebertragung der Leiche Wunnibald’s (um 777) hat sie noch beigewohnt. Ihren eigenen Leichnam ließ Bischof Otkar von Eichstätt, der 881 starb, in feierlicher Procession nach Eichstätt in die Kirche des hl. Kreuzes bringen, die nachher ihren Namen erhielt. Bei dieser Feier war die Aebtissin Liubila von Monheim zugegen und diese erbat sich 893 von Bischof Erchanbold die Oeffnung des Grabes und die Ueberlassung einiger Reliquien Walburg’s für ihr Nonnenstift. Nachdem hiezu die Einwilligung des Königs und seiner Räthe ertheilt worden, wurde ihrem Wunsche entsprochen und seitdem theilt sich auch das Kloster Monheim mit dem in Eichstätt bei den Gläubigen in den Ruhm der von Walburg bewirkten Wundererscheinungen. Die Feuchtigkeit, die man bei Oeffnung des Grabes an der Leiche fand (Wolfhard c. 3), gab Anlaß zu dem Glauben an das heilkräftige Walburgisöl, dessen Wirkungen besonders der Jesuit Gretser verherrlichte. Aus Anlaß der Grabeseröffnung forderte Bischof Erchanbold 893 den Priester Wolfhard von Herrieden auf, über die von Walburg gewirkten Wunder zu berichten. So entstand die in den Act. Sanctor. Boll. Febr. III, 523 flg., jetzt auch von Holder-Egger in den Mon. Germ. Script. XV, 535 flg. herausgegebene älteste Lebensbeschreibung der Heiligen, welche an biographischem Werth weit hinter den Lebensbeschreibungen der Brüder und selbst hinter dem Durchschnitt der Legenden zurückbleibt, da Wolfhard über die Lebensumstände seiner Heldin augenscheinlich nichts Näheres wußte und sich daher auf die Erzählung von zwei Wundern, welche sie bei Lebzeiten, und mehrere, die sie nach ihrem Tode gewirkt haben soll, und auf Lobpreisungen ihrer Heiligkeit beschränkt. Noch geringeren historischen Werth haben die jüngeren, ebenfalls in dem erwähnten Bande der Acta Sanctorum gedruckten Lebensbeschreibungen, darunter eine vom Bischof Adelbold von Utrecht, eine poetische von Medibardus (oder Megiwardus) und eine mit mancherlei unbeglaubigten Einzelheiten ausgeschmückte des Bischofs Philipp von Eichstätt.

Von der reichen Litteratur aus clericalen Kreisen seien nur erwähnt: (P. Luidl, S. J.) Eichstättisches Heiligthum, München 1750. – Schrödl in Wetzer u. Welte’s Kirchenlexikon XI, 782. – Schauerte, Die hl. Aebtissin Waldburga. Paderborn 1892. – Schlecht, Die ältesten (bildlichen) Darstellungen der hl. Waldburga (Sammelbl. d. hist. Ver. Eichstätt VII, 1892, S. 111-122).