ADB:Waldherr, Franz Christian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Waldherr, Franz Christian“ von Rudolf Müller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 700–701, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Waldherr,_Franz_Christian&oldid=- (Version vom 12. Dezember 2019, 16:30 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Konrad von Waldhausen
Nächster>>>
Waldis, Burkard
Band 40 (1896), S. 700–701 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Dezember 2013, suchen)
GND-Nummer 139094415
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|40|700|701|Waldherr, Franz Christian|Rudolf Müller|ADB:Waldherr, Franz Christian}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=139094415}}    

Waldherr: Franz Christian W., Maler, geboren zu Saatz in Böhmen am 27. October 1784, † in Prag am 15. November 1835, verlor in früher Jugend den Vater und war des weiteren Gefährte der Mutter, einer wandernden Schauspielerin. Eigentliche Bildungszeit wurde für ihn erst in Passau durch das Bekanntwerden mit dem dortigen fürstbischöflichen Kammermaler Josef Bergler gefunden. Die Vorliebe des Knaben für das Zeichnen beachtend nahm er ihn väterlich auf, leitete seine Ausbildung, und, als er 1800 nach Prag berufen wurde zur Gründung einer Akademie für bildende Kunst, übersiedelte auch W. [701] als sein erklärter Adoptivsohn und Gehülfe (Corrector) mit in den neuen Wirkungskreis. – Der ledig gebliebene Bergler starb 1829 und die ihm von den adeligen Stiftern der Akademie erwiesene Gunst überging widerspruchslos auf W., den Erben seiner Kunstrichtung und Habe, durch dessen 1830 erfolgte Ernennung zum Akademiedirector. Wenn auch williger Fortpflanzer des von Bergler eingeführten Eklekticismus fehlte ihm doch die bei jenem mitwirkende, immerhin anzuerkennende Schaffensfrische. Bloß festhaltend an der äußeren Form des Lehrmeisters entging ihm die Begabung, dieselbe gleicherweise wie dieser, geistig zu beleben. Seine Wirksamkeit als Akademieleiter unterschied sich denn auch kaum von der früheren als Corrector. Sie blieb auf der untern Lehrstufe eingeschränkt auf das lautlose Ueberzeichnen der fehlerhaft befundenen Nachbildungen nach Bergler’schen Vorzeichnungen, ingleichen auf zweiter Stufe, beim Zeichnen nach der Antike und dem Naturmodell. Untersagt blieb während dieser Lehrgänge jede freie Aeußerung des treibenden Genius durch selbsterfundene Zeichnungen (Compositionen) oder Malversuche mit dem Dictum: „es ist zu warten bis ich’s erlaube“. Erklärlich, daß sich zu solcher Tyrannei alle begabteren Akademiker in Widerspruch setzten und die Akademie verließen, um entweder auszuwandern oder in wilder Weise Kunst zu betreiben – beziehungsweise einer neuen Kunstrichtung Bahn zu brechen, auf der Führich herzhaft voranschritt. Den Impuls für Anschluß an die von Peter Cornelius und Genossen eingeschlagene neue Kunstrichtung gab dann Franz Kadlik. Solchen Ausgang nahm die Prager Berglerschule unter W. Er wurde der Erschließer einer neuen Kunstperiode Böhmens – wenn auch – ohne es gewollt zu haben, darf’s ihm doch als Verdienst angerechnet werden.

Wol malte W. eine Anzahl von Bildern, fast ausschließlich aber solche, die ihm als nominell erstem Maler Prags der Adel auftrug. Ungesehen von Schülern und andern Plebejern gingen sie dafür auch an ihren Bestimmungsort. Mit herausgewachsen aus der genannten Periode, war es mir erst in späteren Jahren gegönnt mehrere seiner Gemälde zu sehen, vor allen die in die Prager „Galerie patriotischer Kunstfreunde“ übergegangenen: „Der Heiland mit den Kleinen“ und „Jesus, Maria, Joseph, Joachim und Anna“. In die Kirche zu Teschen kam eine „Heilige Dreifaltigkeit“, in die zu Hohenbruck „Die drei Frauen am Grabe Christi“; bekannt gegeben wurde mir noch die allegorische Darstellung der „Geduld“. Nach Aussage eines Zeitgenossen malte W. auch eine Reihe von Bildnissen adeliger Herren, sowie das Bildniß von Matthias Gallas für die Ahnengalerie im Schlosse zu Friedland. – Soweit sich eine Uebersicht über die Leistungsfähigkeit Waldherr’s als Maler gewinnen ließ, führte sie zum Urtheile, daß in seinen Werken, bei unverkennbarer Begabung, doch die vollständige Hinfälligkeit der dem ernstlichen Naturstudium entfremdeten Eklektik zu Tage tritt. Es übereinstimmt dieses auch gänzlich mit seiner Weisung an die Schüler wie mit dem Credo der Eklektiker: sich stets nur an die Vorbilder classischer Meister zu halten, dagegen der Verführung zum Naturalismus beharrlich auszuweichen. „Mit dem Hingeben an die Natur (zu verstehen als Naturstudium) entschwindet das Ideale der Bildkunst“ (!). –

Nagler, Neues allgem. Künstler-Lexikon. – Müller-Klunzinger, Die Künstler aller Zeiten. – Wurzbach, Biogr. Lexikon. – Mittheil. d. Vereins f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen, XIII unter „Bergler-Schüler“. – Eigene Aufzeichnungen.