ADB:Nagler, Georg Kaspar

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Artikel „Nagler, Georg Kaspar“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 228–233, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Nagler,_Georg_Kaspar&oldid=2502825 (Version vom 24. September 2017, 23:00 Uhr UTC)
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Band 23 (1886), S. 228–233 (Quelle).
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Nagler: Georg Kaspar N., Kunsthistoriker, geb. am 6. Januar 1801 zu Obersiesbach (Moosburg in Oberbaiern) als der Sohn eines unbemittelten Zimmermanns, kam, nur ungenügend vorbereitet, 1815 in die Studienanstalt in München, wo er sich durch Fleiß und ein „wörtlich treues“ Gedächtniß, welches bei ihm Zeitlebens eine so große Rolle spielte, hervorthat; bezog 1823 das Lyceum, betrieb philologische und naturwissenschaftliche Studien, ging 1826 nach dem Wunsche seiner Eltern zur Theologie über, verließ aber selbe wieder, um sich 1827 mit der Antiquarswittwe Johanna Ehrentreich zu verheirathen, worauf er als Bürger und Antiquar in die Stadtgemeinde München aufgenommen wurde. Nachdem N. mit einer Dissertation: „De Rhapsodis“, 1829 [229] von der Universität Erlangen die philosophische Doctorwürde erworben hatte, betheiligte er sich als fleißiger Mitarbeiter an der von Dr. Jos. H. Wolf herausgegebenen „Bayerischen Nationalzeitung“ mit allerlei die Kunst und ihr historisches Gebiet betreffenden Artikeln, darunter z. B. 1834 in Nr. 102 ff. die „Geschichte der Porzellanmanufactur zu München“. Angeregt durch die vorwiegend auf historische Fächer gehende Richtung der Zeit und mit besonderer Anlage für compendienhaftes und lexikographisches Zusammenfassen, legte N. den Grund zu einem systematisch geordneten Schatz von Notizen, welche er freilich ziemlich schwerfällig und unhandsam in großen Folianten zusammenschrieb. Das gab den Grundstock zu seinem Riesenwerke, welches, sobald ihn die Idee dazu beseelt hatte, den Verfasser mit einem beispiellosen Feuereifer erfüllte. Indem er regelmäßig die Vormittage auf der Staatsbibliothek und dem Reichsarchiv verbrachte, sammelte N. ein ungeheueres Material, wozu ihm sein Antiquariatshandel (welchen übrigens zum großen Theil seine Frau besorgte) eine Menge der unentbehrlichsten Litteratur zuführte. Außer den lexikographischen Werken der damaligen Kunstforscher, wie Campe, Heller, Füßli u. A. durchstöberte N. unzählige andere Schriften über Kunst und Künstler, er sammelte mit wahrem Bienenfleiße biographische Originalmittheilungen lebender Künstler, trug aus Zeitschriften, Galeriekatalogen, aus Zunftbüchern und anderen archivalen Urkunden, endlich auch aus dem Augenschein der Originalbildwerke ein staunenswerthes Wissen zusammen. Glücklicherweise besaß ein ihm befreundeter Verleger genug Muth und Einsicht, um das große Werk zu wagen, dessen erster Band schon im Jahre 1835 mit einer vom 3. April datirten Vorrede erschien: „Neues Allgemeines Künstler-Lexikon oder Nachrichten aus dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, bearbeitet von Dr. G. K. Nagler“. München 1835 bei Fleischmann. XII und 564 S. 8°. Die auch im letzten Bande wiederholte Dedication ist an den Herzog Maximilian von Baiern gerichtet, welcher überhaupt im Rufe eines den Künstlern wohlgeneigten Mäcen stand und während mehr denn eines halben Jahrhunderts zahlreiche Huldigungen von den verschiedensten Schriftstellern empfing. Ein großer Theil des Nagler’schen Werkes ist, wie der allzeit bescheidene Mann selbst gesteht und wie dieses auch nicht anders sein konnte, überliefertes Gut, doch ein ebenso großer Theil ist – nach der richtigen Bemerkung seines Biographen Marggraff – sein alleiniges Eigenthum, ein Hauptvorzug desselben aber die sorgfältige Aufzählung der Originalarbeiten der Künstler und der darnach gefertigten Kupferstiche, Lithographien, Farbendrucke und anderweitigen Reproductionen, wie nicht minder ihrer Holzschnitte und eigenhändigen Radirungen, die wenigstens nach der damaligen Kunstwissenschaft als eine annähernd vollständige angesehen werden kann. Daß es Mißgriffe, Irrthümer und Fehler gab, wußte N. am besten und bat beinahe in jeder Vorrede um wohlwollende Nachsicht und Belehrung. Bei dem ungewöhnlichen Umfange des zu bewältigenden Stoffes, bei der überreichen Fülle von Namen und Thatsachen, die in den meisten Fällen erst noch zu sichten und zu ordnen war, bei dem damals noch so unvollkommenen Standpunkt der Kunstforschung und ganz unkritischen Gemäldekenntniß (wie verwahrlost waren die Galeriekataloge!); bei der Nothwendigkeit sich auf das trügerische Urtheil Anderer zu verlassen: „Unter diesen u. anderen Umständen hätte jedes Bemühen, das Werk in mangelloser, fachlicher und sprachlicher Vollendung, frei von allen Ungleichheiten und Flüchtigkeiten der Behandlung herzustellen, an der Unvermeidlichkeit der Klippen und an dem Drange der Verhältnisse, die zur Eile mahnten, nothwendig scheitern müssen.“ Indessen war doch ein breites und sicheres Fundament gelegt, auf welchem fortgebaut [230] werden konnte. N. hielt beim Fortgange seiner an Umfang täglich wachsenden Arbeit möglichst gleichen Schritt mit der kunsthistorischen und kritischen Forschung, ihm entging nicht leicht eine irgendwie bemerkenswerthe neue Thatsache und Ansicht, mochte sie in einem Buche oder in den Spalten eines Journals auch noch so versteckt liegen; der reine Gewinn ist nicht hoch genug anzuschlagen. Auch hat N. selbst manchen dunklen Punkt glücklich beleuchtet, manche Frage zur Entscheidung gebracht oder doch ihr näher geführt; immerdar aber wird man zu seinem Werke als einer Quelle zurückkehren müssen, welche selten versagt, meist die genügende, häufig noch eine überraschende Auskunft gewährt.

Habent sua fata libelli – und erst ein solches, durch achtzehn Jahre laufendes Werk! Es war ursprünglich nur auf sechs Bände berechnet. Als es sich aber über den sechsten, den siebenten, den achten Band hinaus in eine nicht übersehbare Reihe weitere Bände ausdehnte, fiel auch nicht ein Abonnent ab, vielmehr steigerte sich die Zahl derselben, und als das Werk schließlich, im Jahre 1852, mit dem zweiundzwanzigsten Bande zu Ende ging und bald vergriffen war, fing es erst recht an, in der Theilnahme des Publicums zu wachsen. Inzwischen war der gedruckte und noch unversendete Vorrath zweier Bände, welcher in einem Keller der Frauenhoferstraße lag, bei der großen Isarüberschwemmung des Jahres 1852 zu Grunde gegangen; dem Wunsche des Verlegers, das Fehlende durch eine neue Auflage zu ersetzen, widersprach N., welcher eine verbesserte Ueberarbeitung plante, so daß nun für viele Besitzer und Bibliotheken nichts anderes übrigblieb, als die beiden fehlenden Bände – abschreiben zu lassen. Vollständige Exemplare des Lexikon stehen heute im Antiquarpreise höher als ehedem neu im Buchhandel.

Von dem fabelhaften Fleiße des Verfassers zeigt die verhältnißmäßig rasche Folge der einzelnen Bände. Noch in demselben Jahre 1835 folgte der zweite Band (mit einer Vorrede vom November), im Januar 1837 der vierte und schon im Juli 1838 konnte N. in der Vorrede zum sechsten Bande verkünden, seine Materialien lägen schon bis zum Ende bereit! Und welche Mühe von Untersuchungen steckt darinnen! z. B. nur in den Artikeln über den Meister E. S. 1466 und H. W. 1482 (9. Bd.)! Der zwölfte Band (November 1842) brachte den Artikel „Rembrandt“ (S. 412–548), der dreizehnte Band (Februar 1843) die Arbeit über „Rubens“ (S. 513–604), der vierzehnte Band (November 1844) die Riesenartikel über „Giovanni“ (S. 274–285) und „Raphael Santi“ (S. 285–589) und schon ein Jahr darauf erschien der fünfzehnte Band mit „Martin Schön“ (S. 424–454) und „Heinrich Schön“ (S. 459–462) in welchem N. den Baumeister entdeckte, welcher für Herzog Maximilian (den späteren Churfürsten) den Residenzbau schuf! – ein Fund, welcher hartnäckig ignorirt wurde, bis neuestens Haeutle (Gesch. der Residenz. Leipzig 1883) die Richtigkeit von Nagler’s Forschungen – zugleich auch andere gleichzeitige baierische Künstler, welche N. zuerst urkundlich nachwies – glänzend durch weitere Resultate bestätigte. Andere Musterarbeiten sind beispielsweise die Biographien über Simon Schmidt (Bd. XV, S. 358–366) u. Senefelder (Bd. XVI, S. 239–270) von denen Jeder die Priorität in Erfindung der Lithographie beansprucht. Die Vorrede zum achtzehnten Band (November 1848) ist unter „Freiheitsgetümmel und slavischem Kanonendonner“ geschrieben, die natürlich unseren Autor in der regelmäßigen Fortführung der gewohnten Arbeit nicht behelligten, welcher im November 1852 das für einen Mann fast überwältigende Werk mit dem zweiundzwanzigsten Bande und den bescheidenen Worten schloß: „O! das Menschenleben ist Stückwerk, nur mit Sorgen kann ein halbes Ziel erreicht werden. Ich sehe mit Betrübniß, daß Vieles unerreicht geblieben [231] ist und theilweise bleiben mußte!“ Zugleich verwies er auf sein ergänzendes „Monogrammisten-Lexikon“, welches alsbald beginnen sollte, da „in wenigen Wochen“ – aus denen doch mehrere Jahre wurden – das Material geordnet wäre!

Um Nagler’s Leistungen gebührend zu würdigen, ist noch ein statistischer kurzer Rückblick gestattet. Jeder Band umfaßt durchschnittlich 564–572 Seiten, nur der 12., 15. und 22. (letzterer mit bloß 368 S.) sind etwas zurückgeblieben, dagegen bietet der 14. Bd. 589 und der 13. gar 604 Seiten. Das macht zusammen 12,507 Seiten, welche in monatlichen Lieferungen von 6 Bogen (der Buchhändlerpreis betrug per Bogen 6 Kreuzer) erschienen. Das Alles leistete der eine Mann, ohne Beihülfe, ohne Mittel und Vermögen oder Subvention, einzig mit seiner Hand und den beiden scharfblickenden Augen! das mußte Alles, abgesehen von der mühseligen Materialsammlung und -Sichtung, geschrieben und gelesen sein, dazu noch die ganze Mühwaltung der unvermeidlichen, so musterhaft und sauber gemachten Correcturen und der letzten Revision! Und das Alles für ein heutzutage unglaublich geringes Honorar von 10 Gulden per Bogen – freilich in einer Zeit, wo ein Gulden noch mehr werth war, als jetzt ein Fünfmarkstück. Anerkennung widerfuhr ihm wenig, außer daß Herzog Max in Baiern und König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen den Autor durch Verleihung goldener Medaillen für Kunst und Wissenschaft auszeichneten. Die Presse und Kritik that damals noch wenig für die öffentliche Meinung, keine Akademie dachte daran den Verfasser des Künstlerlexikon’s als Ehrenmitglied aufzunehmen, die Conversationslexika ignorirten seinen Namen und schrieben ihn dafür wacker aus, sogar Prof. Fr. Müller, welcher ein populäres Lexikon: „Die Künstler aller Zeiten und Völker“ (Stuttg. 1857 ff.) herausgab, nützte ihn unverzeihlich aus, ohne seine Quelle mit einer Silbe zu nennen. Nur der „Historische Verein von Oberbaiern“ wählte ihn in seinen Ausschuß, wofür N. jahrelang in den jeweiligen Monatsversammlungen belebende Vorträge hielt und viele seiner mühsamsten Forschungen der Vereins=Zeitschrift ohne Honorar überließ. Jeden Vormittag verbrachte N. materialsammelnd auf der Bibliothek, im Kupferstichcabinet oder im Archiv; Nachmittags saß er an seinem Pulte in dem engen, einzimmerigen Laden, in welchen man durch eine Glasthüre (welche zugleich als einziges Fenster diente) unmittelbar von der „Dienergasse“ hereintrat und schrieb und schrieb, Abends noch bei einer kleinen grünen Blechlampe; nur sehr vertraute Bekannte und wenige Freunde traten hier ein; wir Studenten hatten selten den Muth öfter anzuklopfen, nachdem der Inhaber erklärte, daß er keine Lehr- und Schulbücher führe. Seine gewerblichen Geschäfte als Antiquar waren unerheblich; Jahre lang bekleidete er in der Landwehr den Posten eines Quartiermeisters. Trotzdem fand N. unter Sorgen und Arbeiten noch Zeit und Muße zu umfassenden topographischen Studien in Bezug auf München und dessen mittelalterlichen Baudenkmale und Sculpturen, welche er in drei Fortsetzungen unter dem Titel: „Beiträge zur älteren Topographie von München“ im Archiv des Hist. Vereins f. Oberbaiern. 1847–1850 (zweite, umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage. München 1863) niederlegte. Das kleine, von 1834–1862 neunmal überarbeitete und verbesserte Büchlein: „Acht Tage in München“, darf hierbei nicht übersehen werden. Auch verwerthete er seine Kunststudien in den Monographien: „Raphael als Mensch und Künstler“ (München 1835 bei Fleischmann) und „Albrecht Dürer und seine Kunst“ (ebendaselbst 1837), daran schloß sich die biographische Skizze über „Michel-Angelo Buonarotti als Künstler“ und der Separatabdruck: „Leben und Werke des Malers und Radirers Rembrandt van Ryn“ (1843). Außer dieser schriftstellerischen Thätigkeit hielt N. seit 1836 an der kgl. Baugewerkschule auch Vorträge über Geschichte der Architektur, [232] mit besonderer Rücksicht auf das Volksbauwesen, welche ihm gerade wenig Vorbereitung verlangten und wöchentlich nur zwei Stunden kosteten, aber auch so bescheiden honorirt wurden, daß auf die Stunde kein ganzer Gulden fiel!

Schon frühzeitig hatte N. sein Interesse den Monogrammisten zugewendet, d. h. jener Classe von bekannten und unbekannten Künstlern aller Gattungen und Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens oder der Initialen und Verkürzungen ihres Namens bedienten. N. faßte seine Aufgabe in weiterem Sinne als Bartsch und Brulliot; Zufall, glückliche Funde mehrten unerwartet die Ausbeute, in erfreulichster Weise aber begünstigten viele ehrenwerthen Sammler die Ausführung des Unternehmens, wie Joh. Andr. Börner in Nürnberg, Passavant zu Frankfurt, R. Brulliot in München, Freiherr v. Löffelholz in Frankfurt, C. Becker und R. v. Retberg, G. E. Harzen in Hamburg und Rud. Weigel in Leipzig. Das erforderte freilich damals noch eine sehr kostspielige und zeitzersplittetnde Correspondenz; außerdem durchmusterte N. Hunderte von Galeriewerken und -Katalogen, zahllose Journale, Künstleralbums, eine Unzahl kleiner Monographien über Malerei, Chalkographie, Holzschnitt-, Münz- und Antiquitätenkunde; die größte Ausbeute gewährte die Autopsie von Kupferstichen, Xylographien und anderen Kunstblättern aller Art, welche N. zur Gewinnung neuer Monogramme und Initialen, sowie zur Richtigstellung früher ungenügend edirter, im Kupferstich und Handzeichnungs-Cabinet zu München und anderswo nach Tausenden und Abertausenden durchforschte. Da sich nun die Zahl der aufgenommenen Monogramme, Initialen, Namenskürzungen auf nahezu 15,000 Nummern beläuft, die sich nach etwa 12,000 Künstlern vertheilen, „so begreifet man, welch’ ein Ordnungssinn und Gedächtniß, welche Sicherheit und Klarheit des Ueberblickes dazu gehörten, diesen für ein gewöhnliches Auge kaum übersehbaren Stoff, diesen Reichthum an kunstgeschichtlichen und kunstarchäologischen Thatsachen und Fragen, die sich an die Monogramme, an die bekannten und unbekannten Träger derselben knüpfen, zu bewältigen, und diese Tausende von oft gleichartigen Zeichen und Namenszügen nach vorausbestimmtem Plane in geeigneter Sonderung und Reihenfolge zu halten und jedesmal für die rechte Stelle aufzubewahren, ihren Schnitt zu überwachen und zuletzt das Einzelne kritisch gesichtet einzuordnen und wissenschaftlich zu erörtern.“

Die „Monogrammisten“ erschienen bei G. Franz in München von 1857 an heftweise. Der 1. Bd. mit XVIII Seiten Einleitung umfaßt 1088 Seiten mit 2594 Nummern aus den Buchstaben A–CF; er trägt auf dem Schlußtitel die Jahrzahl 1858; der 2. Bd. 1860, XVIII und 1121 Seiten CF–GI in 3144 Nummern; der 3. Bd. 1863, IV und 1143 Seiten GK–IML in 2956 Nummern. Während der 4. Band im Drucke war, starb der Chef der Verlagsbuchhandlung und kurz darauf, als mit den Erben desselben die Auseinandersetzungen geordnet schienen, rief der Tod am 20. Januar 1866 den Autor aus dem Leben und beraubte ihn nicht nur der Freude, das große Werk vollendet zu sehen, sondern stellte das ganze Unternehmen in Frage, bis Dr. A. Andresen die Redaction übernahm (4. Band 1871, 1155 S. IMM–SH in 4134 Nummern). Als nun auch dieser unerwartet im besten Mannesalter am 1. Mai 1871 die Augen schloß, führte C. Clauß den 5. Band 1879 zu Ende (S. V. Z. II und 436 S. mit 2133 Nummern). An Zahl der Artikel überragt Naglers Werk alle seine Vorarbeiter, die Masse des neuen und berichtigenden Materials ist höchst ansehnlich, doch mußten während der Arbeit viele Notizen und Berichtigungen zurückgestellt und nachgeliefert werden, wodurch die Handsamkeit gerade nicht gefördert, durch gute Register jedoch wieder ins Gleichgewicht gebracht wird. Mißstände dieser Art bleiben auf einem Gebiete, wo [233] jeder Tag neue Entdeckungen, Funde und Berichtigungen bringt, unabweisbar. Naglers Erklärungen unbekannter Monogramme sind, wie sein Nekrologist Dr. Rudolf Marggraff (im XXIX. Jahresbericht des Histor. Vereins v. Oberbaiern f. 1866. S. 118 ff.) zugibt, bisweilen gewagt, auch schließt die von N. eingeschlagene historisch-kritische Behandlungsweise des Gegenstandes einzelne Irrthümer nicht aus und öfters muß man das Richtige aus den Wiederholungen und Widersprüchen verschiedener Artikel zusammensuchen: Deßungeachtet bleibt es ein bis heute noch unentbehrliches Hand- und Nachschlagebuch, welchem Jeder zu aufrichtig anerkennendem Danke verpflichtet ist. N. hat viele Künstler zu Ehren gebracht, andere aus dem Dunkel ans Licht gezogen, dabei sind fremde Forschungen mit großer Umsicht und Gewissenhaftigkeit benützt und alles Geflunker vermieden. In dem Für und Wider der Meinungen entschlug sich N. immer des Vorrechtes, eine entscheidende Stimme abzugeben, indem er sich damit begnügte, Alles gehörig abgehört und abgewogen zu haben. Er sammelte diesesmal viele Anerkennung von allen Seiten (vgl. z. B. G. F. Waagen’s Besprechung in Eggers’ Deut. Kunstblatt. IX. Bd. 1858 S. 51 f.), aber wenig Lohn, so daß er als armer Mann, der von der saueren Arbeit seiner Hände leben mußte, in das Grab stieg. Doch bleibt ihm der Ruhm eines unwandelbar ehrlichen Charakters, der achtungswerthe Ruf eines exacten Forschers und Gelehrten, welcher Wissenschaft und Wahrheit hoch hielt und der wissentlich nie ein falsches Wort sprach oder schrieb. Das Project eines „Münchener Kunstanzeigers“, welches N. 1864 begann und durch 2 Jahrgänge mit je 12 Nummern führte, brachte viele treffliche Artikel aus der Feder seines Redacteurs (über Dürer’s „Krönung Mariä“ und den Residenzbrand 1674, über Christoph Schwarz, über „die St. Lucaszunft in München“ u. s. w.), ohne demselben im geringsten die aufgewendete Mühe und Arbeit zu lohnen. Sein Leben war voll Arbeit und Mühe – sein Name aber bleibt immerdar und in Ehren!