ADB:Walter, Franz Ulrich

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Artikel „Walter, Franz Ulrich“ von Ludwig Metz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 24–25, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Walter,_Franz_Ulrich&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 09:15 Uhr UTC)
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Walter: D. Franz Ulrich W., „Metropolitan der Pfarreiclasse Allendorf a. Werra und Superintendent am Fulda- und Werrastrom“, war ein gelehrter niederhessischer Theologe des 18. Jahrhunderts. In Witzenhausen wurde er um 1700 als eines Pfarrers Sohn geboren, und in Allendorf starb er am 3. Februar 1755. Wie viele hessische Theologen jener Zeit, empfing er seine wissenschaftliche Ausbildung in Bremen, wo er 1720 unter Alb. Schumacher eine „Dissert. philol.-theol. de Ezechiele βιβλιοφαγῳ, ad orac. Ez. III, 3“ vertheidigte. Von 1720–1724 war er als Pfarrgehülfe in Kleinalmerode bei Kassel thätig. 1725 erhielt er, nach einer Studienreise in die Niederlande, die zweite Predigerstelle an der reformirten Kirche in Rinteln, mit der die Professur der griechischen Sprache an der Universität verbunden war. (Piderit, Geschichte der Hessisch-Schaumburgischen Universität Rinteln. 1842, S. 120.) Hier wirkte er, seit 1727 Doctor theologiae, bis in den Anfang des Jahres 1734. Von 1734–1738 verwaltete er als Inspector die Diöcese Hersfeld. Mit dieser Stelle war herkömmlicher Weise das Rectorat des Hersfelder Gymnasiums verbunden. In beiden Aemtern war W. der Nachfolger des berühmten D. Conrad Mel. Dieser hatte, als ein echter Anhänger des hallischen Pietismus, die griechischen Classiker aus dem Gymnasialunterricht gänzlich verbannt, und W., obwohl eben von seinem Lehrstuhl für die griechische Sprache herkommend, ließ es bei dieser Einrichtung bewenden, wie er überhaupt die Lehrweise seines Vorgängers beibehielt (s. Wilhelm Münscher’s Chronik des Hersfelder Gymnasiums. 1837. 2. Theil, S. 13). Schon nach vier Jahren verließ er aber Hersfeld wieder, da er zum Superintendent der Allendorfer Diöcese erwählt worden war. In Allendorf wirkte er fast noch 17 Jahre, bis er das Zeitliche segnete.

Seine Schriften bestehen zum größten Theil in Dissertationen, die zumeist [25] in lateinischer Sprache verfaßt sind. Die aus der Rinteler Zeit behandeln durchweg einzelne dunkle Stellen der Bibel, z. B. seine Inauguraldissertation (pro gr. Dr.) (1726) Die Erscheinung Gottes vor Elia, 1. Kön. 19, 11–13. Andere behandelte Stellen sind Judas V. 9 (1729), Hiob 37, 7 (1729), Marcus 14, 72 (1729), Matth. 19, 28 (1731), 1. Kön. 12, 14 (1731), Matth. 6, 28 (1732), Offenb. 22, 2 (1733), Joh. 16, 26 (1734), Richter 5, 14 (1734). Aus der Hersfelder und Allendorfer Zeit finden sich neben ähnlichen Thematen [Col. 1, 24 (1735), Offenb. 2, 17 (1735), Joh. 8, 6–8 (1736), 2. Cor. 5, 10 (1740)] auch andere allgemeineren Inhalts behandelt, z. B. Diss. de tempore et fortuna. Einigen liegt die Conf. Aug. zu Grunde (Theses ex Art. XVII (1737), ad Art. XVIII (1741), ad Art. XXI (1744). Zum Theil sind diese Abhandlungen für die Predigerconvente, die W. als Inspector und als Superintendent zu leiten hatte, geschrieben worden, wo ihm dann jedesmal ein Respondent aus der Reihe der Geistlichen entgegengestellt wurde. Auch in den von ihm als Rector herausgegebenen Schulprogrammen hat er eine ganze Reihe von gelehrten Aufsätzen geschrieben. Ferner sind zu erwähnen mehrere Reden und Predigten, die er bei festlichen Gelegenheiten gehalten hat und die nachher im Druck erschienen sind. Dahin gehören: „Oratio de fidei heroum fortitudine et constantia, memoriae festi saeculi secundi Aug. Confess. sacra, dicta.“ (Rint. 1730); „Wahres Bild treuer Lehrer der Kirchen Gottes“ seine Antrittsrede in Hersfeld über Jer. 1, 17 (1784); „Das sich nie sattsehende Auge und nie satthörende Ohr der Kinder Gottes, oder heil. Reden über auserlesene Schriftörter“ (1737–1738); „Treuer Lehrer Lohn und Pflicht“, seine Antrittsrede in Allendorf über Sach. 3, 7 (1738); „Ewig grünender Cedernbaum adelicher Tugenden“, eine Einweihungsrede über 2. Mos. 20, 24 (1744), die von großer Gelehrsamkeit zeugt, aber außerordentlich weitschweifig ist (122 gedruckte Quartseiten umfassend!).

Nach Strieder’s Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte, Bd. 16. Herausg. v. L. Wachler. 1812. Daselbst auch das genauere Schriftenverzeichniß.