ADB:Walz, Gustav

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Walz, Gustav“ von Theodor Schott in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 129–131, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Walz,_Gustav&oldid=3069326 (Version vom 13. Dezember 2017, 16:41 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Walz, Ernst Christian
Nächster>>>
Wamesius, Johann
Band 41 (1896), S. 129–131 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Gustav Walz in der Wikipedia
GND-Nummer 117132616
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|41|129|131|Walz, Gustav|Theodor Schott|ADB:Walz, Gustav}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117132616}}    

Walz: Gustav W., bedeutender Lehrer der Landwirthschaft, geboren am 30. December 1804 in Stuttgart, † am 30. October 1876 ebendaselbst, war der Sohn des Apothekers Friedrich W. und der Sophie geb. Nagel; beide Eltern gehörten altangesessenen württembergischen Familien an und auch in diesem jüngsten Sohne derselben ist der schwäbische Stammescharakter entschieden hervorgetreten. Im Hause seines Oheims Kaufmann Heinr. Rapp (A. D. B. XXVII, 290 ff.), wo er viel verkehrte, lernte er die meisten Berühmtheiten der Zeit wenigstens oberflächlich kennen, leider verlor er seine treffliche Mutter schon im neunten Lebensjahre, zwei Jahre später starb der Vater, der ältere Bruder Friedrich, der als Gemeinderath der Stadt Stuttgart und als Abgeordneter später eine ziemlich bedeutende politische Rolle spielte, nahm sich zwar des Verwaisten treulich an, aber die Unterbringung in dem pedantischen Decanathaus in Freudenstadt wirkte nicht günstig auf den gemüthvollen Knaben; doch konnte er die vom Vater ererbte Vorliebe für die Natur und ihre Erforschung in dem kleinen Schwarzwaldstädtchen befriedigen. Er half beim Feldbau, bei der Urbarmachung eines Waldes und übte bei Nagelschmied, Drechsler und anderen Handwerkern das praktische Geschick, das ihn zeitlebens auszeichnete. Auch im Obergymnasium zu Stuttgart, wohin er nach seiner Confirmation kam, blieb er den Naturwissenschaften treu; sein Bruder, welcher diese Anlage würdigte und förderte, wies ihn auf das Studium der Landwirthschaft hin, weil das Studium der Naturwissenschaften allein als zukünftiger Beruf bei den beschränkten Mitteln der Familie und in der damaligen Zeit unmöglich war. So bezog W. 1821 die landwirthschaftliche [130] Akademie Hohenheim. Der aufgeweckte, fleißige und praktische Jüngling durfte sich der Freundschaft von Stolz und Pabst (s. A. D. B. XXV, 38), sowie des Wohlwollens des damaligen Directors Schmerz erfreuen; nach zwei Jahren ging er nach Tübingen, um unter Schübler, Mohl, Gmelin u. a. m. Botanik, Chemie, Geognosie etc. zu studiren; praktisch übte er sich daneben durch die Bewirtschaftung des kleinen benachbarten Gutes Roseck. Andere Verhältnisse lernte er kennen durch einen längeren Aufenthalt bei dem auch als Schriftsteller wohlbekannten Gutsbesitzer A. Block in Schierau (Schlesien), wo er auch mit Thaer bekannt wurde; später wurde er Verwalter des Gutes Siebeneichen (Graf v. Ponicky gehörend), kehrte aber nach einer längeren Studienreise durch Deutschland in seine Heimath zurück, wo er 1826 den Schweizerhof bei Ellwangen kaufte. Bald brachte der unermüdlich fleißige mit praktischem Scharfblick begabte Mann das kleine (300 württ. Morgen große) sehr herabgekommene Gut wieder in Aufnahme und führte mit Erfolg die Hohenheimer Siebenfelderwirthschaft, ausgedehnten Futterbau mit Stallfütterung u. s. w. ein, errichtete auch eine Brennerei, nahm Praktikanten in die Lehre und gewann durch sein schlichtes aber bestimmtes Wesen, durch heitere Freundlichkeit und seine entschiedenen Erfolge rasch großes Ansehen. Nicht Autodidact oder reiner Praktiker, aber auch nicht reiner Theoretiker gehörte er zu der wachsenden Schar von Oekonomen, welche die Ergebnisse der Naturwissenschaften für die Landwirthschaft zu verwerthen suchten, aber seine conservative Natur hielt gern fest an dem Hergebrachten und Alterprobten. Der landwirthschaftliche Verein, der 1829 in Ellwangen gegründet wurde, bot seiner Thätigkeit ein reiches Feld, ein bedeutungsvolleres aber wurde ihm 1842 mit der Gründung der Ackerbauschule in Ellwangen zu Theil; er wurde ihr Leiter mit dem Titel Oekonomierath und hatte die dankbare Aufgabe, die Domäne Ellwangen in eine Musterwirthschaft umzuwandeln. 1850 (8. August) erging der Ruf an ihn, die Directorstelle in Hohenheim zu übernehmen; nie hatte er die Verbindung mit der Akademie abgebrochen, bei den dreijährigen Versammlungen der Lehrer und Schüler fehlte er selten; auch schriftstellerisch war er bekannt geworden durch Aufsätze in landwirthschaftlichen Blättern, besonders auch durch seine Beiträge zu dem Werke von Schnizlein und Frickinger: Die Vegetationsverhältnisse der Jura- und Keuperformation in den Flußgebieten der Wörnitz und Altmühl (1848). Nach längerem Zögern nahm er die Stelle in Hohenheim an, seine Vorliebe lag in der praktischen Unterweisung, wobei er mit Hoch und Nieder den richtigen Ton fand; doch konnte er auch in Hohenheim sein Geschick bei den Uebungsgängen zeigen und gewann dadurch die Herzen vieler dankbarer Schüler. Neben seinen Vorlesungen (er las über landwirthschaftliche Betriebslehre, Gütertaxation, Pflanzenbau und landwirthschaftliche Baukunde) beschäftigte ihn ernstlich die Reorganisation der Akademie; er trennte die Musterwirthschaft von der Versuchswirthschaft, und betrieb eifrig die Trockenlegung sumpfiger Wiesen, die Beschaffung bessern Futters u. s. w., für Agriculturchemie wurde ein Lehrstuhl errichtet, neue Sammlungssäle beschafft und die Wohnungen der Studirenden verbessert. Er war zugleich Mitglied der landwirthschaftlichen Centralstelle, lieferte zahlreiche Beiträge in das Archiv für politische Oekonomie, das Hohenheimer Wochenblatt, das Correspondenzblatt u. s. w. Häufige Reisen führten den wanderlustigen Schwaben, der mit Vorliebe Geographie studirte, unter anderem auch zu den Ausstellungen nach London und Paris und die Dankbarkeit anhänglicher Schüler, die überall zerstreut waren, erhöhte den Genuß derselben. Diese reiche Thätigkeit wurde verschönt durch ein glückliches Familienleben; 1826 hatte W. seine Jugendgespielin und Verwandte Sophie Schurr aus Wangen bei Stuttgart, in deren elterlichem Hause er gern seine Ferien zubrachte, geheirathet; der Ehe entsproßten vier [131] Kinder, welche W., solange er auf dem Schweizerhof war, selbst unterrichtete, weswegen er das württemb. Volksschullehrerexamen hatte bestehen müssen(!); trefflich verstand die wackere Hausfrau auch die scharfkantigen Seiten des Mannes zu mildern. Sehr getrübt aber wurde seine Wirksamkeit in Hohenheim durch einen heftigen Streit mit J. Liebig. W. hatte stets an der durch Liebig entfachten Bewegung lebhaften Antheil genommen, theilte aber nicht alle Lehren des Meisters und noch weniger die daraus gezogenen Consequenzen, und neigte sich entschieden den „Stickstöfflern“ (gegenüber den „Mineralstöfflern“) zu. Der Streit wurde nicht durchaus sachlich geführt. Liebig, der seinem Gegner wissenschaftlich weit überlegen war, ließ denselben dies unangenehm fühlen, und richtete gegen die Verwaltung in Hohenheim den herben und wol nicht begründeten Vorwurf, daß von den tiefgreifenden Entdeckungen im Gebiete der Landwirthschaft seit dem Jahre 1840 keine dieser Errungenschaften dort Wurzel gefaßt und Früchte getragen habe. Tiefe Verstimmung darüber und ein stärker auftretendes Herzleiden veranlaßten W. im Juni 1865 zu dem Wunsche, seiner Stelle enthoben zu werden; mit allen Ehren geschah dies. Der verdiente Mann zog sich nach Stuttgart zurück, den Abend seines Lebens naturwissenschaftlichen und landwirthschaftlichen Studien widmend; er verblieb Mitglied der Centralstelle für Landwirthschaft, gab 1867 seine „Landwirthschaftliche Betriebslehre“ heraus, nahm auch Theil an den Vorarbeiten für ein neues Steuergesetz. 1867 verlor er seinen einzigen Sohn, zwei Jahre später seine Gattin, das Heimweh nach ihr verließ ihn nicht mehr, bis ein Herzschlag am 30. October 1876 seinem Leben ein Ende machte; schönes erfolgreiches Wirken war ihm vergönnt gewesen, auch der Wunsch nach einem raschen Tode war in Erfüllung gegangen.

Außer den oben genannten Werken sind noch besonders zu erwähnen die von W. herausgegebenen Mittheilungen aus Hohenheim I–VI, 1853–65. – Nekrolog über Walz (von seinem Schwiegersohn Prof. Weber) in Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. Bd. 34, 1878, S. 52 ff. – Unsere Zeit 1858, S. 351. – Schwäb. Merkur 1876, S. 2881. – Ueber Land u. Meer 1877, Bd. 1, S. 422. – Wochenblatt f. Land- u. Forstwirthschaft, Bd. 29, 1877, S. 114. – Allg. Ztg. 1864, Beil. Nr. 126 ff., 158, 159, 191, 192.