ADB:Weinsberg, Hermann von

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Artikel „Weinsberg, Hermann von“ von Hermann Keussen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 18–19, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Weinsberg,_Hermann_von&oldid=- (Version vom 20. Mai 2019, 17:24 Uhr UTC)
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Weinsberg: Hermann von W., Kölner Chronist, wurde am 3. Januar 1518 in Köln geboren als Sohn des Christian v. W. und der Sophia Korth. Nachdem er in seiner Vaterstadt den Elementarunterricht genossen hatte, besuchte er das Gymnasium in Emmerich und bezog alsdann die Kölner Universität, wurde 1536 Baccalaureus, 1537 Magister in artibus und schließlich im J. 1543 Licentiatus iuris. Er ließ sich in Köln als Advocat nieder und wurde gleichzeitig, 25 Jahre alt, von seiner Gaffel Schwarzhaus in den Rath gewählt. Da sein Vater ihn in die Rolle der Weinschule hatte eintragen lassen, so kam ihm die meiste Einnahme aus dem von ihm übernommenen väterlichen Weinzapf zu. Im Alter von 30 Jahren schritt er zur ersten Ehe mit einer Wittwe Weisgin Ripgin, die einen Tuchhandel betrieb. Als sein Vater 1549 starb, wurde W. an seiner Stelle Burggraf, d. i. Kastellan unter dem Rathhause, mußte aber als städtischer Beamter sein Rathsherren-Amt niederlegen. Um wieder Weinhandel treiben zu können, gab er später das Burggrafen-Amt auf. Nach dem Tode seiner ersten Frau schritt er 1558 zur zweiten Ehe, ebenfalls mit einer Wittwe, Drutgin Bars. Im J. 1564 wählte ihn seine Gaffel zum Bannerherrn und 1565 anstatt seines verstorbenen Bruders Christian wieder zum Rathsherrn. Im regelmäßigen Turnus wurde er immer wieder gewählt; gegen das Ende seines Lebens bekleidete er auch das Amt eines Rathsrichters. In den unruhigen Kriegsjahren 1583–87 [19] war er Hauptmann in einem Bürgerfähnlein. In seiner Pfarre S. Jakob war er Kirchmeister. Im hohen Alter von 80 Jahren starb er im Frühling 1598 als einsamer Mann. Sein Neffe Hermann, den er zu seinem Nachfolger und Erben bestimmt hatte, lohnte ihm mit Undank. Er wurde der Ermordung seiner Tante bezichtigt, und bei einer Haussuchung nahm der Rath bei ihm die Gedenkbücher des Oheims in Beschlag. Dieselben haben unbeachtet im städtischen Archiv geschlummert, bis der städtische Archivar Leon. Ennen sie in den 1860er Jahren wieder entdeckte. Diese Gedenkbücher, in welchen der Verfasser in größter Breite alle Einzelheiten des eigenen Lebens im Spiegel der vaterstädtischen Geschichte wahrheitsgetreu berichtet, sind eine unschätzbare Quelle namentlich für die Culturgeschichte Kölns, aus dessen Mauern W. nur selten und nicht weit herausgekommen ist, im 16. Jahrhundert. Der Chronist hat das „Hausbuch“, wie er es nennt, im J. 1560 begonnen, indem er die früher liegenden Begebenheiten nachtrug und von jener Zeit ab das Buch gleichzeitig führte. Bis zum Jahrr 1578 hat Konst. Höhlbaum, bis zum Schlusse (1598) Friedr. Lau die Bände herausgegeben, freilich mit Auswahl, wie sie namentlich die zunehmende Schreibseligkeit des alternden Verfassers erforderte.

Das Buch Weinsberg. Kölner Denkwürdigkeiten aus dem 16. Jahrh., bearb. von K. Höhlbaum u. Fr. Lau. 4 Bde. (Leipzig 1886/87 bzw. Bonn 1897/98) (Publikationen d. Gesellsch. f. Rhein. Geschichtskunde III. lV. XVI).