ADB:Wernher, Adolf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Wernher, Adolf“ von Ernst Gurlt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 80–81, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wernher,_Adolf&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 14:13 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Wernher der gartnaere
Band 42 (1897), S. 80–81 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Adolph Wernher in der Wikipedia
GND-Nummer 118631578
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|42|80|81|Wernher, Adolf|Ernst Gurlt|ADB:Wernher, Adolf}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118631578}}    

Wernher: Adolf W., gelehrter Chirurg, war am 20. März 1809 in Mainz geboren, studirte, für die Universität in Mannheim und Darmstadt vorbereitet, von 1825–1832 in Gießen, Heidelberg, Berlin und Halle und wurde am 4. August 1832 in Gießen zum Doctor promovirt. Nach einer wissenschaftlichen Reise, auf der er vorzugsweise Paris und London besuchte, ließ er sich 1834 als praktischer Arzt in Offenbach a. M. nieder, erhielt daselbst die Stelle eines Physicatswundarzts, siedelte aber schon 1835 nach Gießen über, nachdem er zum Professor extraordinarius und zum Assistenzarzt an der dortigen chirurgischen Klinik ernannt worden war. Erst 1831 war in Gießen ein eigenes Universitätskrankenhaus durch Adaptirung einer Kaserne errichtet worden und in demselben wurde W. Assistent des Professors der Geburtshülfe Ritgen, dem auch die chirurgische Klinik unterstellt war. Jedoch schon 1837 wurde W. zum Ordinarius[WS 1] und zum Director gedachter Klinik ernannt, die nun bald bei seinem Interesse für die Wissenschaft, bei seinen gediegenen Kenntnissen, seinem rastlosen Schaffen und entschlossenen Handeln ein verändertes Ansehen gewann. Dabei war W. auch ein vortrefflicher Lehrer, dessen Vorträge sich durch große Klarheit und übersichtliche Anordnung einerseits, so wie durch Gewandtheit des Ausdruckes und Lebendigkeit der Schilderung anderseits auszeichneten. So war es damals, als er sein Amt antrat und so blieb es später während der langen Zeit, die ihm in seinem Berufe zu wirken beschieden war. Ein so vorzüglicher und kenntnißreicher Chirurg W. war, so war die operative Seite seines Faches doch nicht seine Hauptstärke; dagegen erwarb er sich durch unermüdlichen Fleiß, in Verbindung mit seinem vorzüglichen Gedächtniß, eine außergewöhnliche Gelehrsamkeit [81] und sein Wissen erstreckte sich nicht bloß auf sein eigenes Fach, sondern betraf auch andere, zu einer gediegenen allgemeinen Bildung gehörende Wissenschaften. Als Schriftsteller machte er sich, außer einer größeren Zahl von Abhandlungen in Zeitschriften und Broschüren, hauptsächlich durch sein in vier Bänden von 1846–1857 erschienenes Hauptwerk „Handbuch der allgemeinen und speciellen Chirurgie“, dessen umgearbeitete zweite Auflage (Bd. 1, 1862, 63) leider unvollendet geblieben ist, einen Namen. Außerdem regte er vielfach seine Schüler zu litterarischer Thätigkeit an und entstand mit seiner Unterstützung namentlich eine größere Anzahl vortrefflicher Dissertationen. – Die Professur der Chirurgie war indessen nicht Wernher’s einziges Lehramt, denn im J. 1848 wurde er auch zum Professor der pathologischen Anatomie und zum Director der pathologisch-anatomischen Sammlung ernannt, die im Laufe der Jahre aus dem 1837 auf Antrag der medicinischen Facultät angekauften Soemmerring’schen anatomischen Museum und der bei der Gießener Klinik und Poliklinik entstandenen Sammlung hervorgegangen war. Das übernommene Nebenamt gab W. Anlaß, sich mit allem Eifer auch mit pathologisch-anatomischen Studien, namentlich der mikroscopischen Untersuchung krankhafter Geschwülste, die damals bei den Chirurgen noch wenig üblich war, zu beschäftigen, Studien, die sowol seinem Handbuche zu gute kamen, als auch von mehreren seiner Schüler veröffentlicht wurden. In dem neu erbauten Anatomiegebäude fand die gedachte Sammlung, die fortdauernd sich durch Wernher’s eigene Arbeiten und durch die Zuwendungen seiner Schüler vergrößerte, dann auch (1849) eine vorzügliche Aufstellung. – 1846 hatte W. auch die Direction des akademischen Hospitals übernommen und war nunmehr in der Lage, zahlreiche Verbesserungen in dessen Einrichtung und Verwaltung durchzuführen. – Im J. 1858 hatte W. das Unglück, sich durch Infection ein schweres Augenleiden zuzuziehen, das ihn, mit mehreren Nachschüben in den folgenden Jahren, lange Zeit von seiner Klinik fern hielt, sein Sehvermögen beeinträchtigte und ihm die praktische Thätigkeit, namentlich das Operiren nicht unwesentlich erschwerte. Mit um so größerem Eifer aber widmete er sich litterarischen Studien, die in eigenen Arbeiten und in Dissertationen veröffentlicht wurden. Zunehmende Abneigung gegen praktische Thätigkeit veranlaßte ihn, am 1. Mai 1878 in den Ruhestand zu treten. Einige Zeit danach siedelte er nach Mainz über, um im Kreise seiner Angehörigen seine letzten Lebensjahre zuzubringen, aber auch in dieser Zeit war er noch litterarisch thätig. Sein Tod erfolgte im 75. Lebensjahre am 14. Juli 1883.

Die großen Verdienste, welche sich W. in seiner 43jährigen akademischen Thätigkeit erworben hatte, waren staatlicherseits durch Titel- und Ordensverleihungen, von Seite der Universität dadurch anerkannt worden, daß die philosophische Facultät ihm 1849 die Ehrendoctor-Würde verlieh, während er 1874 zum Rector gewählt wurde. Sein 50jähriges Doctorjubiläum (1882) wurde von der Universität und seinen zahlreichen Schülern festlich begangen.

W. war von ziemlich heftigem Temperament, leicht aufbrausend, wo er Unrecht witterte, ein Feind jeglichen Schwindels, in der Wissenschaft wie im Leben, aber ein guter, wohlwollender, gern hülfsbereiter, mit einem glücklichen Humor, einem ihn nie verlassenden Gedächtniß begabter Mensch, ein angenehmer, anregender und belehrender Gesellschafter.

Bose in v. Langenbeck’s Archiv für klinische Chirurgie, Bd. 30, 1884, S. 172–185 (mit einem 29 Nummern umfassenden Verzeichniß von Wernher’s litterarischen Arbeiten).


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Ordidinarius