ADB:Wessely, Josephine

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Wessely, Josefine“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 145–146, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wessely,_Josephine&oldid=- (Version vom 15. August 2022, 19:34 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 42 (1897), S. 145–146 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Josephine Wessely in der Wikipedia
GND-Nummer 117314544
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|42|145|146|Wessely, Josefine|Hermann Arthur Lier|ADB:Wessely, Josephine}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117314544}}    

Wessely: Josefine W., Schauspielerin, wurde nach ihrer eigenen Angabe am 18. März 1860 in Wien als die Tochter eines ehrsamen und wohlhabenden Schuhmachermeisters geboren, der ihr eine gute Erziehung zu Theil werden ließ, indem er sie in ein Mädchenpensionat schickte. Hier mußte sie in einer der üblichen Faschingsaufführungen die Hauptrolle in dem Einacter: „die Milchschwestern“ spielen. Seitdem stand der Entschluß bei ihr fest, ihr Leben der Bühne zu widmen. Erst dreizehn Jahre alt, aber körperlich über ihr Alter entwickelt, erhielt sie die Erlaubniß, bei dem Schauspieler Friese dramatischen Unterricht zu nehmen. Es zeigte sich jedoch bald, daß Friese nicht die geeignete Persönlichkeit zur Ausbildung ihres Talentes war. So blieb sie eine Zeit lang sich selbst überlassen, bis sie nach Eröffnung der Schauspielschule am Wiener Conservatorium Gelegenheit fand, sich an dieser Anstalt für ihren späteren Beruf vorzubereiten. Sie trat hier zum ersten Mal öffentlich als Franziska in Laube’s „Karlsschülern“ auf und erntete sofort lauten Beifall. Dadurch wurde Dr. Förster auf sie aufmerksam und engagirte sie für das Leipziger Stadttheater, dessen Leitung ihm kurz vorher übertragen war. Am 1. Juli 1876 erfolgte ihr Debüt in Leipzig als Luise in Schiller’s „Kabale und Liebe“. Sie fand bei dem Leipziger Publicum enthusiastische Aufnahme und galt bald als dessen erklärter Liebling, namentlich nachdem sie in Berlin im Juli 1877 durch ihre Betheiligung an dem Gastspiel der Wiener Burgschauspieler Lewinsky, Hartmann und Hallenstein allgemeines Aufsehen erregt hatte. Die hauptsächlichsten Rollen, in denen sie in jener Zeit auftrat, waren Melitta in Grillparzer’s „Sappho“, Emilia Galotti, [146] Luise Millerin, Clärchen in Goethe’s „Egmont“, Marie Beaumarchais in dessen „Geschwistern“ und Gretchen im „Faust“. Nach einem erfolgreichen Gastspiel wurde sie am 7. Mai 1879 trotz ihrer Jugend an die Wiener Hofburg engagirt und schon im J. 1884 durch ein kaiserliches Decret lebenslänglich für dieses Institut verpflichtet, nachdem sie einige Jahre vorher bei Gelegenheit der Münchener Mustervorstellungen durch die Verleihung der Ludwigsmedaille ausgezeichnet worden war. Aber obwol es ihr auch in Wien gelang, gelegentlich große Erfolge zu erzielen, blieben ihre Leistungen doch von der Kritik nicht unbestritten. Ihre Stellung war nicht entfernt so sicher wie in Leipzig, und sie hatte mancherlei Anfeindungen und Zurücksetzungen zu erfahren. Ob diese unangenehmen Verhältnisse oder nur die Ueberanstrengung in ihrem Beruf den Grund zu ihrem Leberleiden, dem sie am 13. August 1887 in Karlsbad erlag, gelegt haben, mag dahingestellt bleiben. Zum letzten Mal trat sie in Wien am 2. Mai 1887 in der Titeltolle von Dumas’ Fils „Denise“ auf. Sie war seit längerer Zeit mit dem Grafen Dufour-Waldenrode verlobt, starb aber kurze Zeit vor der festgesetzten Vermählung. Bei ihrem Begräbnisse in Wien zeigte sich, wie groß die Zahl ihrer Verehrer auch in der Kaiserstadt war, da sich alle Schichten der Bevölkerung daran betheiligten.

Vgl. Wurzbach L, 172–173. – Dekamerone vom Burgtheater. Wien, Pest, Leipzig 1886. S. 287–294. – An der schönen blauen Donau. Wien 1886. I, S. 225. – L. Meiche, Erinnerungen an Josephine Wessely, Leipzig 1887. – Deutscher Bühnen-Almanach. 52. Jahrg. Hsrg. von Th. Entsch. 1888. S. 275. 276.