ADB:Westphalen, Engel Christine

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Artikel „Westphalen, Engel Christine“ von Max Mendheim in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 217–218, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Westphalen,_Engel_Christine&oldid=- (Version vom 19. Oktober 2019, 23:05 Uhr UTC)
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Westphalen: Engel Christine W., Dichterin, wurde am 8. December 1758 als zweitjüngstes Kind des Kaufmanns und Bürgercapitäns Jacob v. Axen und seiner Gattin Catharina Maria, geb. Albers, in Hamburg geboren. Sie zeigte schon früh Neigung und Sinn für Kunst und Wissenschaft, die sie eifrig pflegte, erhielt aber auch eine tüchtige Bildung in den Arbeiten der Hauswirthschaft, der sie sich besonders nach dem Tode des Vaters mit anzunehmen gezwungen war. Ihre Mußestunden aber widmete sie mehr denn je der Poesie, besonders als der Beichtvater ihrer Mutter, Pastor Christoph Christian Sturm, der ihr Talent erkannt hatte und werth schätzte, sie zu weiteren eigenen Versuchen anspornte. Am 4. August 1785 vermählte sich Christine mit dem Kaufmann und späteren Senator Johann Ernst Friedrich W. (geb. am 11. August 1757, † am 3. September 1833), dem sie in einer glücklichen und wohlgeordneten Ehe fünf Kinder schenkte, von denen sie allerdings nur ein Sohn und zwei Töchter überlebten. Das Westphalen’sche Haus bildete lange Zeit den Mittelpunkt und Sammelplatz der bedeutendsten Geister Hamburgs und wurde während der französischen Revolution auch von den französischen Flüchtlingen, von Louis Philipp, dem nachherigen Könige Frankreichs, von Dumouriez und dem Kronprinzen Bernadotte besucht. Im J. 1812 machte sie mit ihrem Gatten, der seit 1809 Mitglied des Hamburger Rathes war, und mit ihrer jüngsten Tochter eine Reise durch Deutschland und die Schweiz. Nach ihrer Rückkehr aber hatte auch sie nebst ihrer Familie schwer unter dem Drucke der Fremdherrschaft in Hamburg zu leiden. Der Wiedererhebung aus diesem Elende verdanken ihre „Gesänge der Zeit“ (1815) ebenso ihre Entstehung wie früher [218] (1804) ihre Tragödie „Charlotte Corday“ den Schilderungen entsprang, die der Dichterin von den Greueln der französischen Revolution zugetragen wurden und ihren Abscheu erregten. Aber wenn sie gleich bis in die letzten Tage ihres Lebens der Dichtkunst zugethan blieb, so war sie doch, wie allseitig gerühmt wird, dabei stets eine sorgsame Hausfrau und Mutter und eine Wohlthäterin im besten Sinne des Wortes. Sie starb am 10. Mai 1840 auf ihrem Landsitze bei Hamburg.

Ihre beiden dramatischen Dichtungen, „Charlotte Corday“ und „Petrarca“ (1805), von denen besonders die letztgenannte allgemeine Anerkennung fand, tragen vorwiegend lyrischen Charakter; von ihren kleineren Gedichten, deren viele in den verschiedensten Sammelwerken und Zeitschriften veröffentlicht wurden (die in Halem’s „Irene“, Bd. 1–4, 1802–5 unter dem Namen „Angelika“), erschienen die meisten in einer dreibändigen Sammlung (1809 und 1811), der sie 1835 noch einen vierten Band „Neuere Gedichte“ hinzufügte. Es sind darin Betrachtungen, Elegien, Idyllen, Oden, Lieder, Romanzen, Sonette und Epigramme enthalten, vielfach in Anlehnung an unsere großen Dichter, besonders an Goethe, doch ohne deren Höhe jemals zu erreichen. Ihre Verse aber sind wirklich gewandt und rein; ihre Sprache ist edel und poetisch, wenn auch ohne höheren Schwung.

Biographien der Dichterin mit Aufzählung ihrer Werke enthalten namentlich: der Neue Nekrolog XVIII, 547–559; Schindel, Die deutschen Schriftstellerinnen II, 421 fg. und Schröder’s Lex. d. Hamb. Schriftsteller VII, 633 fg.