ADB:Weygand, Hermann

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Artikel „Weygand, Hermann“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 272–273, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Weygand,_Hermann&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 23:47 Uhr UTC)
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Weygand: Hermann W., großherzoglich hessischer Major, namhafter Schriftsteller auf dem Gebiete der Handfeuerwaffen, am 4. März 1830 zu Darmstadt geboren, trat am 1. April 1847 mit der ausgesprochenen Absicht auf Beförderung zu dienen in das großherzogliche Artilleriecorps und nahm mit diesem in den Jahren 1848 und 1849 an der Bekämpfung der aufständischen Bewegungen in Baden und in der Pfalz theil. Sein Verhalten in den im letztgenannten Jahre bei Hemsbach, Großsachsen und Gernsbach gelieferten Gefechten, in denen er einen Zug von zwei Geschützen befehligte, trug ihm eine Belobigung durch den Großherzog Ludwig III. gelegentlich einer am 25. Juli bei Konstanz abgehaltenen Parade ein. Auch auf der Militärschule zu Darmstadt zeichnete er sich aus und bald nach seiner am 27. Juni 1852 erfolgten Beförderung zum Officier wurde er in Würdigung seiner hervorragenden technischen Begabung zur Waffen-, später Zeughausdirection commandirt, deren Mitglieder fast ausschließlich Artillerieofficiere waren. Die Verwendung gab ihm häufig Gelegenheit zur Mitwirkung bei den Neueinführungen auf dem Gebiete des Waffenwesens, welche damals an der Tagesordnung waren, namentlich als es sich um die Umwandlung der Broncegeschütze in Vorderlader nach dem System la Hitte handelte, doch blieb er daneben auch im Frontdienste thätig und leistete darin Tüchtiges, auch ertheilte er vielfach Privatunterricht an Officiere und junge Leute, die es werden wollten. Der Krieg vom Jahre 1866, bei dessen Ausbruche er Hauptmann war, führte W. nicht in das Feld, er gehörte zur Garnison der Bundesfestung Mainz, 1870 aber marschirte er an der Spitze einer Batterie aus, schon am 18. August ward indeß seiner kriegerischen Thätigkeit ein Ziel gesetzt. In der Schlacht bei Gravelotte-St. Privat wurde er durch ein Mitrailleusengeschoß so schwer am Arme verwundet, daß er erst nach langer Zeit wieder schreiben konnte und im J. 1871 den activen Dienst verlassen mußte. Er wurde dann zum Landwehr-Bezirkscommandeur zu Erbach im Odenwalde ernannt, ein Posten, welchen er bis 1886 bekleidet hat, und starb am 1. April 1890 zu Darmstadt.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Frontdienste entfaltete W. namentlich auf dem oben bezeichneten Gebiete eine reiche und von vielem Erfolge begleitete schriftstellerische Thätigkeit. Vorher war er, außer mit Aufsätzen in militärischen Zeitschriften, nur mit der Bearbeitung der 3. Abtheilung von Spamer’s „Populäre Waffenkunde“ (Leipzig 1870), „Die Feuerwaffen nach 1866“ behandelnd, an die Oeffentlichkeit getreten. Zuerst erschien von ihm „Die französische Mitrailleuse der Feldartillerie“ (1871), dann schrieb er im Verein mit Major v. Plönnies (s. A. D. B. XXVI, 310), den er als seinen Lehrmeister bezeichnete, während Plönnies den von W. im Bereiche der Ballistik, wo letzterer seine eigenen mangelhaften Kenntnisse wirksam ergänzt habe, ihm geleisteten Beistand rühmend anerkannte, „Die deutsche Gewehrfrage“ (1872) und im nämlichen Jahre allein „Die technische Entwickelung der modernen Präcisionswaffen der Infanterie“, von welchem Werke 1875/6 eine neue erweiterte Auflage erschien, und 1875 „Das französische Infanteriegewehr, Fusil modèle 1874“. Diesen Arbeiten folgten: 1876 „Schießen mit Handfeuerwaffen“, 1879 „Das französische Marinegewehr, Fusil modèle 1878“, 1884 „Taschenbuch der Ballistik“, 1888 „Die deutsche Gewehrfrage“. Außerdem übersetzte er aus dem Holländischen „Das Infanteriefeuer auf große Distanzen und sein Einfluß auf die Taktik“ (1880) und „Die Ballistik der gezogenen Feuerwaffen“, beide von van Dam van Isselt. Von Weygand’s Thätigkeit auf dem Gebiete der periodischen Militärlitteratur ist die bemerkenswertheste seine bis zum Tode fortgesetzte Mitarbeiterschaft an den vom Oberst v. Löbell seit 1875 herausgegebenen „Jahresberichten über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen“, für welche er die Berichte [273] über die Handfeuerwaffen lieferte. Eine reiche Sammlung von letzteren, welche er zusammengebracht hatte, vermachte er dem preußischen Kriegsministerium zum Zwecke der Ueberweisung an die Infanterieschießschule zu Spandau.

Internationale Revue über die gesammten Armeen u. Flotten, 9. Jhrg., 3. Bd., Rathenow 1891.