ADB:Weyhenmeyer, Georg Gottfried

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Artikel „Weyhenmeyer, Georg Gottfried“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 279, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Weyhenmeyer,_Georg_Gottfried&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 07:57 Uhr UTC)
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Weyhenmeyer: Georg Gottfried W., Bildhauer, wurde als Sohn eines Predigers am 26. März 1666 in Ulm geboren. Die Anfangsgründe seiner Kunst erlernte er in Ulm bei dem Bildhauer Johann Christian Braun und besuchte dann die Städte Leipzig, Dresden, Prag und Preßburg, um sich für seinen Beruf weiter auszubilden. Im J. 1690 kam er nach Berlin, wo er zahlreiche Arbeiten für das Zeughaus, das Schloß und für Privathäuser, zum Theil nach Schlüter’s Modellen, anfertigte. Im J. 1700 war er namentlich mit Aufträgen für das Schloß Oranienburg beschäftigt. Da Schlüter keine Zeit für den Unterricht an der Akademie fand, übernahm W. schon im J. 1696 diesen Theil seiner Aufgabe und wirkte seitdem an ihr als Zeichenlehrer. Nach dem Tode Herford’s im J. 1708 ernannte ihn der König zum Hofbildhauer und im J. 1715 erfolgte seine Ernennung zum Rector der Akademie. Kurz darauf starb er, am 17. Juni 1715, und wurde in der Sophienkirche begraben. Durch W. gewann die süddeutsche Sculptur Einfluß auf die brandenburgische Kunst. Er war ein echter Barockkünstler aus der Schule Bernini’s, übertraf aber seine italienischen Vorbilder durch Ueberschwänglichkeit und Neigung für stark bewegte Gestalten mit leidenschaftlich gespannten Muskeln und flattrigen Gewändern. Das zeigt sich vor allem bei den Trophäen des Berliner Zeughauses in dem nach dem Kastanienwäldchen zu gelegenen Theile, als deren Urheber W. neben Hulot ausdrücklich genannt wird. Die Brücke, auf der Schlüter’s Denkmal des großen Kurfürsten aufgestellt wurde, schmückte W. mit Statuen von Flußgöttern und versah die Pfeiler mit barocken Kartuschen. Wie als Bildhauer genoß er auch als Architekt bei seinen Zeitgenossen großes Ansehen, doch wissen wir von keinem Werk, das nach seinen Plänen ausgeführt worden wäre.

Vgl. P. J. Marperger, Historie u. Leben d. berühmtesten Europaeischen Baumeister. Hamburg 1711, S. 450. – (Humbert,) Ouvrages divers sur les belles lettres, l’architecture civile et militaire, les mechaniques et la géographie. A Berlin et à Göttingen 1747, S. 126. – (Nicolai,) Beschreibung d. Kgl. Residenzstädte Berlin und Potsdam. Berlin 1786. III, 116. – A. Weyermann, Nachrichten von Gelehrten, Künstlern und anderen merkwürdigen Personen aus Ulm. Ulm 1798, S. 538. – C. Gurlitt, Andreas Schlüter. Berlin 1891. S. 71, 72, 94, 107, 124. – Hans Müller, Die kgl. Akademie d. Künste z. Berlin 1696–1896. Berlin 1896. I, 52, 85, 94.