ADB:Wiederhold, Kuno Freiherr von

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Artikel „Wiederhold, Kuno Freiherr von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 491–492, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wiederhold,_Kuno_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 19. September 2019, 06:54 Uhr UTC)
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Wiederhold *): Kuno Freiherr von W., königlich württembergischer Generallieutenant, war am 31. August 1809 zu Stuttgart geboren. Eine glänzend bestandene Prüfung, auf Grund deren er im Frühjahre 1826 in die Kriegsschule zu Ludwigsburg eintrat, empfahl ihn dem Leiter der Anstalt, dem General v. Varnbüler (s. A. D. B. XXXIX, 490), welcher sein Gönner ward und auf dessen Vorschlag er 1829 zum Lieutenant im Generalquartiermeisterstabe befördert wurde. Um für eine Verwendung in letzterem weiter vorbereitet zu werden, besuchte er, in Gemäßheit einer für diese Art von Officieren in Württemberg damals geltenden Anordnung, zu seiner weiteren Ausbildung zunächst die Universität Tübingen und ging dann auf Reisen nach Frankreich, Belgien, Oesterreich, Italien und dem übrigen Deutschland. Nach der Heimkehr begann für W. der praktische Dienst im Generalquartiermeisterstabe, wozu auch das Ertheilen von Unterricht an der Kriegsschule gehörte. Erwünschte Gelegenheit weitere Erfahrungen zu sammeln als die engen Verhältnisse der kleinen Truppenmacht des Königreiches gestatteten, brachen zunächst die im J. 1840 abgehaltenen Herbstübungen des VIII. deutschen Bundes-Armeecorps und alsdann die Theilnahme an mancherlei kriegerischen Vorgängen, zu denen die Bewegung von 1848 und 1849 Anlaß gab. W., schon 1847 zum Major aufgerückt, ward damals sowol gegen die Aufständischen im Schwarzwalde und am Oberrheine, wo er als Generalstabschef des Generals v. Miller (s. A. D. B. XXI, 757) thätig war, wie in Schleswig-Holstein verwendet. 1849 zum Oberstlieutenant befördert, wurde er 1849 zum Oberst und Adjutanten König Wilhelm’s I. ernannt, welchen er zu der Conferenz von Bregenz begleitete und der ihn mehrfach zu militärisch-diplomatischen Sendungen gebrauchte. Daneben hielt er in Stuttgart vor einer zahlreichen Hörerschaft Vorträge, welche unter der Bezeichnung „Taktische Vorträge“ veröffentlicht wurden. Aus dieser Stellung schied er 1853 durch seine Ernennung zum Generalquartiermeister, welcher im nächsten Jahre die zum Generalmajor folgte. Sein Hauptaugenmerk war jetzt auf die Vorbereitung der Officieranwärter für ihren Beruf, auf die Fortbildung der Officiere des Generalquartiermeisterstabes für ihre Sonderbestimmung und auf eine möglichst kriegsmäßige Anlage und Durchführung der größeren Truppenübungen gerichtet; der eigene Blick wurde durch das Beiwohnen von Manövern fremder Heere und durch die Theilnahme an Inspectionen anderer Bundescontingente geschärft und erweitert. Bei der Mobilmachung vom Jahre 1859 war er als Chef des Generalstabes des VIII. Bundes-Armeecorps thätig, 1864 trat er als Generallieutenant an die Spitze der württembergischen Infanteriedivision und damit in ein unerquickliches Verhältniß zum Kriegsminister, dem obengenannten [492] General v. Miller, welcher am Alten hing und Wiederhold’s Bestrebungen, die auf eine, den geänderten Verhältnissen mehr Rechnung tragende Fortentwicklung der militärischen Einrichtungen hinzielten, wenig wohlwollend gegenüberstand. Ein von letzterem herrührendes Exercirreglement gelangte erst durch ein Machtwort des Königs, jetzt König Karl, zur Ausführung. Der frische Zug, welchen des letzteren am 25. Juni 1864 erfolgter Regierungsantritt in das militärische Leben brachte, veranlaßte, daß im J. 1865 nach Miller’s Uebertritte in den Ruhestand W. zum Kriegsminister ernannt wurde. Am 1. September übernahm er das Amt. Aber es zeigte sich, daß er seine Kräfte überschätzt hatte. Er mußte in manches Wespennest stechen, verletzte viele Persönlichkeiten und kränkte manche Eitelkeit. Daß die Früchte seines Mühens nicht sofort sichtbar waren, wurde ihm zum Vorwurfe gemacht, der Angriffspunkte gab es genug, seine Stellung war bald erschüttert und schon am 9. Mai 1866 wurde ihm der erbetene Abschied bewilligt. Daß ihm die nämliche Stellung im März 1870 von neuem angeboten wurde, gewährte ihm eine glänzende Genugthuung, er glaubte aber trotzdem nicht mit Nutzen wirken zu können und lehnte ab. Die Ereignisse hatten dargethan und sollten ferner beweisen, daß er bei den meisten der von ihm vertretenen Grundsätze und vorgeschlagenen Maßregeln sich auf dem richtigen Wege befunden hatte. Von 1868 bis 1882 war er als Vertreter der Ritterschaft Mitglied der Kammer der Abgeordneten, wo er in echt deutschem, vaterlandsfreundlichem Sinne wirkte. Er starb am 24. December 1885 zu Eßlingen, wohin er nach seinem Scheiden aus dem Dienste übersiedelt war.

Militär-Wochenblatt Nr. 9. Berlin 1886.

[491] *) Zu Bd. XLII, S. 388.