ADB:Wilhelm IV. (Graf von Holland-Hennegau)

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Artikel „Wilhelm IV. (Graf von Holland-Hennegau)“ von Pieter Lodewijk Muller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 43 (1898), S. 87–88, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wilhelm_IV._(Graf_von_Holland-Hennegau)&oldid=- (Version vom 16. November 2019, 01:42 Uhr UTC)
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Wilhelm (als Graf von Holland W. IV.), Graf von Hennegau, Holland und Seeland, Wilhelm’s III. ungleich gearteter Sohn, wahrscheinlich um das Jahr 1308 geboren, erhielt schon bei Lebzeiten des Vaters die Grafschaft Seeland, deren Titel er statt dessen von Oostervant führte, bis er 1337 dem Vater in allen Besitzungen nachfolgte. Ihm fehlten alle Eigenschaften, welche den Vater ausgezeichnet hatten, nur nicht der Hang zu fürstlicher Pracht und ritterlichem Leben. An Thätigkeit fehlte es ihm nicht, aber es war ein unstetes Treiben, das ihn zweimal einen Kreuzzug gegen die Preußen und einmal eine Wallfahrt nach dem Heiligen Lande zu unternehmen veranlaßte, welche seine schon durch seine Verschwendung und die vielen kriegerischen, allein selten erfolgreichen Unternehmungen stark angegriffenen Finanzen völlig ruinirten. Sonst ließ er sowol die vom Vater getroffenen Einrichtungen bestehen, als er dessen alte Räthe im Amt ließ. Mit Herz und Seele der Politik seines königlichen Schwagers von England ergeben, zog er mehrmals gegen Frankreich ins Feld, ohne jedoch etwas wesentliches zu erzielen. Nur die gewaltige, 1345 gegen die Stadt Utrecht unternommene Heerfahrt blieb nicht erfolglos. Der damalige Bischof Johann von Arkel (s. A. D. B. XIV, 431) verdankte zwar seine Erhebung dem holländischen Einfluß, jedoch er versuchte sich desselben zu entledigen. Die Stadt warf, während er selber sich nach Frankreich begab, das holländische Joch ab unter Führung seines Bruders und vertheidigte sich gegen W. und seine Bundesgenossen sechs Wochen lang. Dann aber ward sie gezwungen, unter schimpflichen Bedingungen die holländische Oberherrschaft wieder anzuerkennen. Indessen sollte W. sich seines Sieges nicht lange freuen. Sein strenges Regiment, das zugleich dem Lande so schwere Bürden auflud, ohne daß zu ersehen war, daß die Gelder zu etwas anderem als höfischem Gepränge und dem Lande nicht fruchtenden Kriegszügen benutzt wurden, während die Einwohner weder Nutzen noch Ansehen gewannen, hatte überall, doch am meisten in den friesischen Ländern, wo nur mit der äußersten Umsichtigkeit die Herrschaft der Fremden gehandhabt bleiben konnte, Gährungen verursacht. Dort schlugen dieselben im Anfang des Jahres 1345 in offenen Aufstand über. W. ward durch den Kampf mit Utrecht verhindert, sogleich einzuschreiten. Erst als er dort fertig war, wandte er sich gegen Friesland. Uebermüthig wie immer, nahm er nur seine hennegauer und holländischen und seeländischen Ritter und deren Gefolge mit auf die nicht zahlreiche Flotte, mit welcher er nach Stavoren überzusetzen hoffte. Allein ein Sturm zerstreute seine Schiffe und veranlaßte eine Landung an verschiedenen Stellen. Die Abtheilungen des Heeres kamen so die eine früher, die andere später an den Feind, der ihnen überall mit Uebermacht begegnete. So geschah es, daß der Graf mit der Blüthe seines Adels nach heldenhaftem Kampfe den Tod fand (27. September 1345). Seine Leiche wurde erst nach zehn Tagen aufgefunden und dann im Kloster Bloemkamp begraben. Da W. seiner Witwe Johanna von Brabant keine Kinder hinterließ, gab sein Tod zu endlosen Wirren Veranlassung, welche zuletzt den schon unter seiner Regierung, wenn nicht schon früher entstandenen Hader verschiedener städtischer und Adelsparteien in Holland und Seeland zu jenem wüsten Bürgerkrieg entflammen ließ, der unter dem Namen der Hoek’schen und Kabeljau’schen Kämpfe die beiden Länder fast anderthalb Jahrhundert heimgesucht hat und im ganzen Land nördlich des Rheines sich verzweigte. Denn unter Wilhelm’s achtjähriger Regierung verschärften sich alle politischen und socialen Gegensätze, welche schon seit dem Aufkommen der Städte und des neuen Dienstadels fühlbar geworden waren. Der Druck der Regierung, die so hoch wie möglich aufgetriebene Steuerlast, die geringe Ergiebigkeit für das Land fachten das Feuer an. Jedermann strebte nach Erleichterung, wollte dieselbe aber nur auf Kosten anderer.

[88] Wilhelm’s Persönlichkeit tritt uns ziemlich klar vor Augen. Er war ein bloßer Ritter, kein Regent. Freilich überließ er die Regierung denn auch meistens seinem Rath und seinem Oheim, Johann von Beaumont, der jedoch nicht gut zu machen verstand, was der Neffe verdarb. Auch die vielen Privilegien an Städte, Körperschaften und Privatpersonen scheinen mehr dem Verlangen nach Geld und der fürstlichen Willkür zu entstammen, als einer methodisch auf die Bahn zur Besserung der feudalen Zustände gerichteten Politik.

Die Quellen der Geschichte Wilhelm’s sind, Stoke natürlich ausgenommen, der mit dem Jahre 1304 schließt, in der Hauptsache dieselben wie für die seines oben besprochenen Vaters.