ADB:Wurzer, Balduin

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Artikel „Wurzer, Balduin“ von Friedrich Lauchert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 366–367, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wurzer,_Balduin&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 03:48 Uhr UTC)
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Wurzer: Balduin W., katholischer Theologe, geboren am 25. December 1738 (so nach Meusel’s Angabe; Träger gibt als Geburtsjahr 1740 an, ohne näheres Datum) zu Kelheim in Niederbaiern, † im Januar 1809. W. erhielt seine Gymnasialbildung in Regensburg und Landshut, absolvirte das Studium der Philosophie an der Universität zu Ingolstadt und trat dann im Kloster Aldersbach in Niederbaiern in den Cistercienser-Orden ein. Nach vollendetem Studium der Theologie empfing er die Priesterweihe und wurde nachher in seinem Kloster als Professor verwendet. Durch Decret vom 7. April 1775 wurde er als Professor der Moral und der Kirchengeschichte an die Universität Ingolstadt berufen, wo er im darauf folgenden Wintersemester seine Vorlesungen eröffnete. Gleichzeitig wurde er Doctor der Theologie und kurfürstlich bairischer geistlicher Rath, im folgenden Jahre auch Protonotarius apostolicus und fürstbischöflich Freisingischer geistlicher Rath. Schon nach zweijähriger Lehrthätigkeit an der Universität wurde er aber im J. 1777 zu Beginn der Herbstferien von seinen Oberen in das Kloster zurückberufen. Später war er Beichtvater des Cistercienser-Nonnenklosters Seligenthal bei Landshut, bis zur Säcularisation der Klöster, worauf er sich wieder nach Aldersbach zurückzog für den Rest seines Lebens. – Vor seiner Berufung nach Ingolstadt verfaßte W. zwei Lehrbücher zunächst für den Gebrauch der Lehranstalten seines Ordens: „Philosophia regularis s. systema problematicum de philosophia in asceteriis regularibus tradenda“ (Ratisbonae 1769); sodann: „Prodromus isagogicus historico-critico-literarius in theologiam eclecticam“ (Ratisbonae 1773), eine allgemeine Einleitung in die Dogmatik, welche zugleich die Ansichten des Verfassers über die richtige Methode auseinandersetzt; ähnlich seinem Ordensgenossen Wiest (s. A. D. B. XLII, 440), der ihm übrigens an positiver Gelehrsamkeit wie in der richtigen Maßhaltung überlegen ist, will er die Behandlung der Dogmatik vereinfachen, von dem nach seiner Ansicht Ueberflüssigen entlasten, und vor allem von den Fesseln der scholastischen Methode, gegen die er leidenschaftlich polemisirt, befreien; mit dem Namen theologia eclectica bezeichnet er die nach seiner Methode betriebene, weil sich dieselbe eben an keine Schule binden, sondern von allen Schulen nur das Beste nehmen und sich im übrigen nur an die Quellen des Glaubens und an die katholischen Principien halten wolle. – Als Professor in Ingolstadt ließ W. zuerst ein kurzgefaßtes Lehrbuch der Moral erscheinen: „Specimen theologiae moralis christianae methodo acroamatica elucubravit P. B. Wurzer“ (Ingolstadii 1775), das nach denselben Grundsätzen ausgearbeitet ist, die er im „Prodromus isagogicus zunächst für die Dogmatik auseinandergesetzt hatte. Seine anderen litterarischen Arbeiten aus diesen Jahren seines akademischen Lehramtes gehören dem Gebiete der baierischen Kirchengeschichte an; es sind dies die Abhandlung: „De statu religionis christianae in Bavaria, ab exordio praetensae Reformationis [367] usque ad Pacem Westphalicam“, von der jedoch nur die zwei ersten Abschnitte, bis 1555 reichend, als Dissertationen gedruckt erschienen sind (Periodus I. ab anno 1517 usque ad a. 1545, Ingolstadii 1776; Periodus II. ab anno 1545 usque ad annum 1555, Ingolstadii 1777), und die kleine Streitschrift: „Rationes dubitandi de Synodo Nuenhaimensi, sub Tassilone Bajoariae duce celebrata, quam nuper ex codice Weltenburgensi erut et conjecturis illustravit Hermannus Scholliner“ (Augustae Tiberii 1777; vgl. über diese Controverse Hefele’s Conciliengeschichte, Bd. III, 2. Aufl., S. 608). Aus den folgenden Jahren liegen von W. keine weiteren litterarischen Arbeiten vor. Briefe Wurzer’s an Steigenberger aus den Jahren 1778–1786 bewahrt die Münchener Hof- und Staatsbibliothek im Manuscript, Cod. germ. Mon. 2712.

J. A. Träger, Geschichte der Stadt Kellheim (Passau 1823), S. 77 f. – J. G. Meusel, Das gelehrte Teutschland, Bd. 16 (5. Aufl. 1812), S. 207. – Permaneder, Annales Univ. Ingolst.-Landish.-Monach., P. V. (Monachii 1859), p. 19, 25–36. – Hurter, Nomenclator, T. III (ed. 2, 1895), p. 705.