ADB:Ziegler, Werner Karl Ludwig

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Ziegler, Werner Karl Ludwig“ von Heinrich Klenz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 190–192, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ziegler,_Werner_Karl_Ludwig&oldid=- (Version vom 12. Juli 2020, 10:51 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Ziegler, Eduard
Nächster>>>
Ziegra, Christian
Band 45 (1900), S. 190–192 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Werner Karl Ludwig Ziegler in der Wikipedia
GND-Nummer 116988134
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|45|190|192|Ziegler, Werner Karl Ludwig|Heinrich Klenz|ADB:Ziegler, Werner Karl Ludwig}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116988134}}    

Ziegler: Werner Karl Ludwig Z., Theolog und Philolog, geboren am 15. Mai 1763 zu Scharnebeck bei Lüneburg, † am 24. April 1809 zu Rostock. Eines Pastors Sohn, besuchte Z. nach dessen frühem Tode die Schulen zu Celle und Lüneburg und wurde darauf noch ein halbes Jahr vom Pastor Meybrück in Spruckensoel unterrichtet. Ostern 1784 bezog er die Universität Göttingen, um Theologie zu studiren; daneben hörte er auch philologische Vorlesungen, besonders bei Heyne. Von seiner Beschäftigung mit Litteraturgeschichte zeugt die „kurze Uebersicht über die ital. Poesie von ihrer ersten Entstehung an bis zur höchsten Cultur“, welche er im Hannoverischen Magazin (Febr. 1786 S. 161 ff.) veröffentlichte. Ostern 1788 wurde er zum Magister promovirt auf Grund einer Dissertation, „de mimis romanorum“ die öfter citirt wird. Da ihm von der theologischen Facultät die Stelle eines zweiten Repetenten mit 150 Thaler Gehalt angetragen wurde, entschloß er sich, in Göttingen zu bleiben. Der Eifer, mit welchem er seinem Amte oblag, und der Beifall, welchen sowol seine theologischen Vorlesungen fanden als auch seine ersten theologischen Schriften [„Neue Uebersetzung der Denksprüche Salomos im Geist der Parallelen, mit philologischen [191] Erläuterungen und Anmerkungen“ (1791); „Vollständige Einleitung in den Brief an die Hebräer“ (1791)], hatten seine Ernennung zum außerordentlichen Professor der Theologie im J. 1791 zur Folge. Beim feierlichen Antritt der Professur, zu welchem er durch ein Programm: „Historia dogmatis de redemptione“ etc. eingeladen hatte, hielt er eine Rede „de praestantia et liberaliori facie theologiae nostri temporis“. In demselben Jahre ließ er noch: „Zur Einleitung der Briefe an die Korinther“ und den ersten Band seiner „Theologischen Abhandlungen“ erscheinen, worin sich u. a. „Bemerkungen über das Buch der Richter im Geist des Heldenalters“ finden.

Nicht lange danach erhielt Z. einen Ruf an die vor kurzem restaurirte mecklenburgische Landesuniversität zu Rostock. Er sollte die durch Velthusen’s Abgang frei gewordene zweite der vom Herzog zu besetzenden theologischen Professuren übernehmen, mit welcher ein Gehalt von 600 Thalern verbunden war. Am 3. März 1792 verlieh die dortige theologische Facultät ihrem künftigen Collegen die Würde eines Doctors; im Sommersemester begann derselbe seine Vorlesungen. Er las hauptsächlich über Kirchen- und Dogmengeschichte sowie Exegese des Neuen Testaments; aber auch die Exegese des Alten Testaments war nicht ausgeschlossen; ferner trug er die Grundsätze der biblischen Kritik und allgemeine Litteraturgeschichte vor. Im Jahre seiner Berufung veröffentlichte er einen „Beitrag zur Geschichte des Glaubens an das Dasein Gottes in der Theologie, nebst einem Auszug aus der ersten abendländischen Dogmatik des Erzbischofs Hildebert von Tours“, im folgenden Jahre: „De libris apotelesmaticis, Manethonis nomini vulgo addictis“ (in Ruperti und Schlichthorst’s Neuem Magazin für Schullehrer Bd. II, Stück 1), im J. 1798 den „Versuch einer pragmatischen Geschichte der kirchlichen Verfassungsformen in den sechs ersten Jahrhunderten der Kirche“, und 1804 einen zweiten Band „Theologische Abhandlungen“. Um Michaelis des zuletzt genannten Jahres rückte er in die Stelle eines ersten herzoglichen Professors der Theologie auf, welche durch Martini’s Berufung nach Würzburg erledigt war, und wurde dessen Nachfolger auch im Amte eines Consistorialrathes. Dadurch erhöhte sich sein Gehalt, das schon einmal um 100 Thaler aufgebessert war, auf 850 Thaler.

Ziegler’s Kränklichkeit, welche er sich durch einen Unfall bei einer Wagenfahrt zugezogen hatte, nöthigte ihn oft, seine Vorlesungen auszusetzen und in einem Badeorte Erholung zu suchen. Aus demselben Grunde lehnte er wiederholt den Ruf an eine auswärtige Universität ab und blieb bis an seinen schon im J. 1809 erfolgenden Tod in Rostock. Seine letzte Schrift war ein Programm „de sensu nominis epistularum catholicarum earumque numero in vetustissima ecclesia“ (1807). Trotz seiner schwankenden Gesundheit war er überaus fleißig mit der Feder. Außer den selbständig erschienenen Schriften veröffentlichte er eine große Anzahl Aufsätze und Kritiken in den wichtigsten Litteraturblättern der damaligen Zeit, sowie in mehreren theologischen Zeitschriften. Er stand dem Nicolaischen Aufklärerkreise nicht fern: die „Neue allgemeine deutsche Bibliothek“ brachte öfter Recensionen von ihm, und neben dem Titelblatte des 97. Bandes (1805) prangt sein Bildniß. Mit Nicolai war er auch einig in der Verurtheilung von Kant’s moralischer Bibelinterpretation; man sehe seine „Erläuterung der schwierigen Stelle Joh. 8, 12–59, nebst einigen Bemerkungen über die Kantische Auslegungsmethode der Bibel“ in Henke’s „Neuem Magazin für Religionsphilosophie“ Bd. V, Stück 2. Sonst war er ein eifriger Mitarbeiter an des Rationalisten Joh. Phil. Gabler „Neuestem theologischen Journal“ und „Journal für theologische Litteratur“. Ziegler’s Lebensbeschreibung, die er selbst in kurzen Umrissen während der Jahre 1807 und 1808 entworfen hatte, gab nach seinem [192] Tode 1811 der große Botaniker und Freimaurer Heinrich Friedrich Link mit Zusätzen heraus. Vgl. auch Krey, die Rostockschen Theologen, 1817, S. 59 ff.