Aachener Stadtrechnungen aus dem XIV. Jahrhundert/Besoldungen

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Besoldungen.


Mit den wohlfeilen Lebensmitteln standen die Besoldungen im Verhältniß. „Der steede gesinde“ d. h. die Stadtdiener, deren 1385 zehn angegeben sind, erhielten monatlich, oder besser gesagt alle 4 Wochen, denn das Jahr wurde in 13 Monate getheilt, 27 M. 8 S.; Moerchyn „der emer, van den amen zu benden“, also der städtische Faßbinder monatlich 28 S., jeder Söldner, monatlich 50 bis 56 M., die Wächter, 20 an der Zahl, 41/2 M., die zwei „Kempen“ 4 M., „Arnolt in den Vroinhoff, Proffioin (Schreinermeister) und Wilhelm in der Burger Huys“ jeder 2 M. [10] Für Aufstellung der monatlichen Rechnung wurden verausgabt 4 M. 9 S., Kosten auf der Leufe[1] der Bürgermeister betrugen jeden Monat 17 M. 8 S., und die beiden Rentmeister Mathis und Rickolff Colyn hatten neben ihrem Jahrgehalt noch für jede Rechnung 2 M. Jeder der beiden Pfeifer und Trompeter bezog jährlich an Sold 25 M., Gerard Moelneir „van synen jairloin der Bancklocken“ (der Armen Sünder-Glocke, die geläutet ward, wenn eine Hinrichtung stattfand) 5 M., Meister Bredelene der „uhrclockmeister“ an Jahreslohn 100 M., die beiden Förster jeder 40 M., Meister Niklas der Arzt wird 1344 mit hundert, ein cirordicus, Chyrurg, mit 50 M. jährlich besoldet. Höher besoldet waren die beiden Rentmeister, deren jeder jährlich 200 M. bezog, das Jahrgehalt der beiden Bürgermeister betrug während des ganzen Jahrhunderts nur 100 M. für jeden.[2] Ihr Amt war ein Ehrenamt und dauerte nur ein Jahr, nach Verlauf desselben waren sie das folg. Jahr abgestandene Bürgermeister und konnten danach wieder gewählt werden. Alle Ausgaben im Amte und Interesse der Stadt wurden ihnen ersetzt; die Reisen machten sie zu Pferde, die Pferde wurden von der Stadt angeschafft und unterhalten, bald sechs bald acht an der Zahl, in mehreren Rechnungen sind jedem Bürgermeister für Futterkosten 150 M. ausgeworfen, außerdem werden gezahlt: „Meyster Johanne, deme Huyffsmede van der steede perden zu besloin (beschlagen), ind meister Kunen 28 M. It. meister Theis, deme fedeleir (Sattler), van seedelen, zoemen, halteren, gegoerden (Gurten) ind mencherley gereyde zu der steede perden 80 M.“ Reichten die städtischen Pferde zu einer Reise nicht aus, dann wurden Miethpferde „Hurperde“ hinzugenommen. Der Preis eines Pferdes war damals wie heute sehr schwankend je nach dem Werthe; so heißt es 1385 in zwei auf einanderfolgenden Posten: „It. umb eyn gra (grau) pert 25 gulden, valent (machen) 91 M. 8 S.“ und „It. umb eyn swarze pert 14 gulden, valent 51 M. 4 S. Neben der festen Besoldung und Kleidung für den [11] Sommer und für den Winter erhielten aber die städtischen Beamten nicht bloß die schon erwähnten reichlichen Weinspenden, sondern auch Festgaben an Geld und Frucht, und zwar an fünf Festtagen, nämlich: Ostern, Pfingsten, Kirchweihe, (Alexius) Allerheiligen und Christtag das Stadtgesinde jedesmal 5 M., die Wächter 32 S .: ferner erhielten die Wächter, die Trumper und Pfeifer und noch vier andere um Christtag und um Ostern jeder 1/2 Mud Roggen. (Ein Mud war ungefähr 4 Scheffel.) Das ganze Gemeinwesen glich einem großen Familien-Haushalt; zur treuen Pflichtleistung wurde durch Geschenke ermuntert, vigilatoribus in dedicacione, ut bene vigilarent. Den Wächtern wurde um Kirchweihe, damit sie gut wachten, Geld und Wein geschenkt; jede treue Dienstleistung, auch die amtliche, erhielt ihre besondere Belohnung. „It. den weyghteren in buyssen ind in binnen um dat sy all die zyt uyss wagden, dat man vur Ryfferscheit loch, den van buyssen 3 M. ind den van bynnen 2 M. summa 51 M.“; natürlich erhielten sie dieses neben ihrem gewöhnlichen Lohn. Das Wachen wird in ruhigen Zeiten auch wohl ebenso gemüthlich vollzogen worden sein, wie dieses in einer benachbarten holländischen Grenzfestung noch unlängst der Fall war, wo die Schildwache bei Tage auf Pantoffeln auf und ab wandelte und Abends ihr Schilderhaus dem Wohlwollen der Vorübergehenden empfahl, ohne daß darum unsere Urväter ihr Eigenthum, Rechte und Gerechtigkeiten leichten Kaufes Preis gaben, so wenig wie die heutigen Holländer dieses thun. – Gebrach es einem städtischen Beamten an irgend etwas, so wurde besonders geholfen. „It Henkin, den boede (dem Boten) van gebreche, dat hee veil gereyden have dorch dat iair 14 M.“ „Cuinen up den sal gaff man du hee sieche was“ (als er krank war) 5 M. „1391. It. Leonart der steede kneicht umb dat hee swach is 2 M.“ – Das Stadtgesinde scheint neben seinen amtlichen auch noch, etwa wie heut zu Tage die Nachtwächter, seine eigenen Beschäftigungen gehabt zu haben, womit aber nicht viel zu verdienen war, deshalb wurde ihnen am Ende des Jahres noch eine besondere Zulage ausgeworfen. „1338, 44 u. 46 familie civitatis datum quia, parum lacrantur 18 M.;“ den Stadtdienern wurden, weil sie wenig erwerben, 18 M., jedem 2 gegeben. So geht durch die Verwaltung ein Zug von väterlichem Wohlwollen, sehr verschieden von der heutigen büreaukratischen Steifheit und dem Polizeistocke. Auf Schreiberei wurde nicht viel Geld [12] verwandt, nur ein Posten findet sich im J. 1385. „It. Laurens van veil schrivens durch tiair ind van encke 12 M.“ Für vieles Schreiben das Jahr hindurch und für Dinte werden also nur 12 M. verausgabt. – Briefposten und Postwagen gab es noch nicht, deshalb wurden alle Bestellungen durch Boten und zwar wegen der schlechten Landstraßen meistens zu Pferde besorgt, und alle Verhandlungen in persönlichen Zusammenkünften abgemacht. Die Botendienste nehmen jedes Jahr einen bedeutenden Theil, manchmal mehr als ein Zehntel der ganzen Ausgabe in Anspruch; diese betrug im Jahre 1344: 18.337 M. und die Botendienste und Gesandtschaften „expensae nunciorum hinc inde missorum“ 1991 M., wobei die Reisen der Bürgermeister nicht mitgerechnet sind.


  1. Leuf hieß der Versammlungssaal einer Genossenschaft. Eine jede Zunft besaß ihre Leuf.
  2. Das Gehalt der Bürgermeister wird zuerst erwähnt 1349. In den frühern Jahrgängen 1338, 44 und 46 werden Ausgaben für die Kleider der Bürgermeister aufgeführt; solche Posten finden sich in den spätern, wo des Gehaltes Erwähnung geschieht, nicht mehr