Aachener Stadtrechnungen aus dem XIV. Jahrhundert/Kroenung Wenzels

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Krönung Wenzels.

Die Rechnung über das Jahr 1376 ist leider wie die meisten andern nur ein Bruchstück. Sie besteht aus 2 Papier-Rollen, die eine mit einer Waage als Wasserzeichen erstreckt sich über die vier ersten Monate der Bürgermeisterschaft der Herren Reynard von Moirke und Jakob Coellin in der St. Jakobstraße; die zweite mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem Stern zwischen den Hörnern enthält die Liste der Leibzüchter, 200 an der Zahl, mit einem Betrag von 22.276 Mark, einiger wenigen Auswärtigen, welche der Stadt zugeschworen, und die Ausgabesummen der 13 oder sogar 14 Monate; denn was nach dem 13. Monate noch ausgegeben wurde, ist in den Rechnungen als 14. Monat verzeichnet. Am Ende wird die Bilanz gezogen und die Einnahmen übersteigen die Ausgaben um 4226 M. 6 S. und 1/2 D. Die Auslagen des 2. Monats, worin die Krönung Wenzel’s fällt, betragen 7804 M., während sie in den andern Monaten höchstens nur 1702 M. und in allen zusammen 25.219 M., jedoch ohne die Leibrenten, ausmachen. Wie trotz der bedeutenden Auslagen gewöhnlich am Ende des Jahres ein Überschuß sich herausstellt und trotz dieses Überschusses die Stadt am Ende des Jahrhunderts bedeutende Schulden hat, wird schließlich bei dem Referate über die Einnahmen zur Sprache kommen. Wie der Krönung Karls IV. vielfältige Gesandtschaften vorausgingen, so sehen wir auch hier vor der Krönung Wenzel’s einen der Bürgermeister mit andern Herren nach Bacharach zum Kaiser und Könige reisen, wobei sie auch die Wasserstraße benutzen. „Primo. domini nostri videlicit Reynardus, Johannes de Punt, Heynricus de Tilia, Goedefridus Coellin et Godefridus de Eychorn equitaverunt Bacharachen ad dnm. Imperatorem et Regem, qui exposuerunt et expendiderunt centum et quinquaginta quatuor florenos qui valent 500 m. et 39 m., de quibus navigatores de navibus, equis et aliis eorum preparimentis habuerunt 99 m.

[38] „Unsere Herren, nämlich Reinard (von Moirke), Johan von Punt, Heinrich von der Linde, Godfried Coellin und Godfried von Eychorn ritten nach Bacharach zum Herrn Kaiser und König und verausgabten und verzehrten 154 Gulden, welche 539 Mark betragen, wovon die Schiffer für Schiffe, Pferde und andere Zurüstungen 99 M. erhielten.“

Nachdem dann ein Brief vom Kaiser angekommen und der Bote Halfnase nach Bonn geschickt worden, reiten Conrad von Eychorn, Johan von Punt und Godfried von Eychorn zum zweiten Male zum Kaiser nach Frankfurt, verzehren 106 Guld. oder 371 M., davon erhalten die Schiffer 46 M. und Halfnase 71/2 M., nämlich einen Gulden von Mainz nach Frankfurt und den Rest von Frankfurt nach Aachen; damit kam Halfnase aber nicht aus, und es fehlten ihm (et defecerunt sibi) 21/2 m.

Um vor den Majestäten anständig erscheinen zu können, werden die Stadtdiener und die in städtischem Solde stehenden Meister alle vor der gewöhnlichen Zeit mit neuen Kleidern versehen, die 3461/2 M. kosten. Genannt werden Herman Jungen, Quecken, die Meister Peter de canpana (heißt später: „meister Peter van der uyrklocken“) Proffion, Arnold, der Apotheker, Tilman von Bunn, Heynzen der Verfertiger der Armbruste, die Schützenmeister, die beiden Kämpen Bysenegen, Wilhelm, Sillis, Rydwale, Cono Kuynnixporze, Müller, Leonard und Godfrid. Das Futter suffuratura zu den Kleidern kostet noch 40 M. 8 S. Außer den obigen erhalten neue Röcke Moirgin, der emer (der Faßbinder) und die „Trumper und Pyfer.“ – Auch läßt die Stadt ein Bildniß des Königs in Stein schneiden und anmalen. It. magistro Petro horarum pro lapide faciendo ymaginem Regis et pro vectura 51/2 m., pictori 20 m., lapicide 10 m. „Dem Meister Peter von der Glocke für einen Stein um das Bild des Königs zu machen und für den Transport 51/2 M., dem Maler 20 M., dem Steinmetzen 10 M.“

Nachdem dann die Weinspenden (propinaciones) des ersten Monats aufgezählt sind, folgt in der Rechnung der zweite Monat, sequitur secundus mensis sub Reynardo de Moirke et Jacobo Coellin, quum dominus Wenzeslaus Romanorum rex coronatus fuit presentibus Imperatore, Imperatrice, Regina et aliis principibus, als „unter den Bürgermeistern Reinard von Moirke und Jakob Coellin Wenzeslaus zum römischen Könige gekrönt wurde in [39] Gegenwart des Kaisers, der Kaiserin, der Königin und anderer Fürsten.“

Wie sehr die alte Reichsstadt damals von ihrer Selbstständigkeit und Würde durchdrungen war, sehen wir daran, daß der Söldner Heribert dem Kaiser nach Lechenich entgegen geschickt wird, um mit dem Herrn van Kaldiitz[1], dem kaiserlichen Schatzmeister, zu unterhandeln, daß die Waffen draußen gelassen würden; in derselben Angelegenheit wird Silmannus an den Herzog von Jülich gesandt, und Leonard an die Herzoge von Holland und von Brabant, damit sie die Waffen draußen ablegen sollten. „It. Heriberto stipendiario misso obviam domino de Kaldiitz, ut tractaret, quod arma de foris manerent, versus Lechenich. It. Silmanno misso ad ducem Juliacensem de predicta causa. It. Leonardo misso eciam versus duces Hollandie et Brabancie de armis deforis demittendis. Der Kaiser scheint auf die Forderung eingegangen zu sein, denn dem Herrn van Kaldytz werden für seine Dienstleistung 50 Gulden verehrt, „It. deme herre van Kaldiitz zu eynre vruntschaff, dat he unsen herren by den keysser gehulpen hadde, vunfzig gulden, die comen up anderhalff hundert und 25 M.“ Der Forderung muß aber nicht vollständig Folge geleistet worden sein, da später von gewappneten Leuten im Gasthaus die Rede ist. Gegen diese wurde aber polizeilich eingeschritten, denn wir sehen die Stadtdiener mit 1 Sextar Wein beschenkt werden, als sie den Wirthen die Waffen wegnehmen halfen: „ It. der stede gesynde, dů sy helveden den wirden, dat sy die wapen in ir gewalt nemen.“ Bei den Weinspenden erhalten ferner des Meyers Knechte 5 Sextar, daß sie mit den Dienern des Herzogs von Sachsen keine Händel anfingen, „dat sy egeine bedinge en machde mit des Herzogen Dienern van Saissen,“ und „Mathys von Berlesburg und Willem van Rade“ 3 Sextar, weil sie „ir gesellen by eyn hielten, up die ziit, dat die Zweyunge (Zwistigkeit) was tuschen (zwischen) unse herre van Brabant und van Saissen.“[2] Dem Könige reiten unsere Herren Bürgermeister [40] bei seiner Ankunft entgegen und zwar in Begleitung von Eupener Speerreitern. „It. den speirluden van Oepen, die mit unsen heren intgein den kuynnynck reeden, 10 M.“ Die Leibwache des Kaisers wurde aber von Aachener Schützen gebildet. „It. hundert schutzen mit den die in gasthůys wåren umb der gewåpeter lude willen, ind die des kaysers liiff hueten (Leib hüteten), ind dubelen loen der schutzenmeister ind des banierdregers (Fahnenträgers), ind dat (weil) eyn deyll der schutzer langer by deme keysser wåren, ind die anderen int gasthůys kurter, ind die up den sall[3] (auf dem Rathhaussaal) vůnff dage drup loegen (lagen), coempt ze samen up 500 ind 35 M. overmitz (durch) die schutzenmeister gerechent.“

Die in lateinischer Sprache beginnende Rechnung zählt nämlich die Krönungsunkosten in deutscher auf. „Hierna volgt der vursten ind heren hoefgesynde spilluden ind hiralden (Herolden) gegeven.“

„Primo. Der dryer Herzogen van Beyeren, der Herzogen van Saissen, van Guylge, des marckgreiffen van Mysen (Meißen), der greven van den Berge ind van der Marken allen yren piiferen ind giralden (Herolden) 12 Fl., 42 M.“ Darauf folgen die Pfeifer des Markgrafen von Mähren „der oyer waren,“ – des Grafen Dietrichs und des Grafen Johann von Nassau, – der Königin, – unserer Herren von Köln und von Trier und des Herzogs Friedrich von Bayern, ferner die Trompeter des Kaisers, des Königs und der Königin. Die Zahl der Pfeifer und Trompeter ist nicht genau angegeben, aus den Geldgeschenken folgt aber, daß deren über 60 gewesen sind. Dann werden beschenkt die 13 Thürwärter oder Pförtner „doerwerter“ der Kaiserin und der Königin mit 15 Gulden, die „porzener und doerwerter des keyssers der 8 waren“ mit 6 Gulden, des kayssers massalgier[4] mit 6 synen gesellen, genannt Matheis van Gesch“, erhält 4 Gulden. „It. der kuynnyngen hoefmeister, yren marschalck, yren vurrichter mit der schuttelen (ihr Zurichter der Schüsselen), yren kuchenmeister, yren schenken ind yren spendieren“ gab man 15 Gulden, des Kaisers oberste Thürwärter Marquard und Gisco erhalten 4 Gulden, zuletzt „des keysers, der keysserynnen und des kuynniges Buttelieren [41] (Kellermeister) vur die kannen, da man mede degelix schenckde“, 3 Gulden, „It. deme gheine, (demjenigen,) de der keyserynnen katze droech (trug) eynen gulden 31/2 M.“ Was hat man sich unter „der keysserinnen katze“ zu denken? Etwa ein Schoßkätzchen, oder einen Pelz oder die Börse? Es möchte schwer sein, mit Gewißheit das Rechte zu bestimmen. Schließlich heißt es „Ind is die summe des gevents (der Geschenke) deme hoefgesynde, piiferen ind hiralden hundert 5 gulden val. 350 ind 171/2 M.“


  1. In dem großen Privilegiun, welches Wenzel der Krönungsstadt ausstellt, kommt als Zeuge vor: Thynio de Calditz camere magister.
  2. Die Herzoge von Brabant und von Sachsen waren nämlich in Streit gerathen, wer von ihnen dem Könige das Schwert vortragen sollte, (s. Meier’s Chron. S. 352.)
  3. In dieser und in allen späteren Rechnungen heißt der Rathhaussaal kurzweg: der sall oder sale
  4. Massalgier scheint mit massarius, italienisch massaio Eines Stammes und heißt dann so viel als Intendant, Hausmeister, custos supellectilis.