Abdul Medjid

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Abdul Medjid
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 543
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[543] Abdul Medjid, der jetzt regierende Sultan, führt selbst die Oberaufsicht über die verschiedenen Schulen in Constantinopel und besucht persönlich die zahlreichen Prüfungen, nach welchen die Fortschritte der Schüler ermessen werden. In einer großen Halle, mit militärischen Trophäen geschmückt und mit wissenschaftlichen Instrumenten jeder Art versehen, warten hundert junge Männer, oft von fünfzehn zu zwanzig Jahren alt, bescheiden auf den Sultan, den sie eben so sehr lieben wie verehren. Kein Geräusch findet unter ihnen statt – kein Geschwätz – kein Gelächter; alle Augen sind nach dem Thron gewendet, der in der Mitte des Gemaches steht und noch leer ist.

Endlich erscheint Abdul Medjid und setzt sich nieder - in seiner Nähe die Scheiks, die Ulemah’s, die Minister und die ersten Pascha’s. Jeder Zögling tritt in seiner Reihe zu dem Throne vor und antwortet auf die Fragen, welche ihm von einem der Professoren vorgelegt werden, von einem der Minister oder auch wohl vom Sultan selbst. Die Fragen beziehen sich auf Mathematik, Literatur und Kunst. Wenn Abdul Medjid eine Frage stellt, so geschieht dies mit der größten Freundlichkeit. Wenn der Schüler richtig antwortet, erheitert ein leichtes Lächeln das Gesicht des Sultans; begeht er einen Irrthum, so verbessert diesen der Sultan mit Nachsicht und ohne den geringsten Vorwurf. Wenn die Prüfung beendigt ist, werden den Schülern, welche sich besonders ausgezeichnet haben, Belohnungen gegeben.