Abendphantasie (1796)

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Textdaten
Autor: Karl Philipp Conz
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Titel: Abendphantasie
Untertitel: nach einem schwülen Sommertage.
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1796, S. 25 – 28
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1796
Verlag: Michaelis
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Erscheinungsort: Neustrelitz
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[25]
Abendphantasie

nach einem schwülen Sommertage.


Die Sonn’ ist unter; Schwüle des Tages lag
Schwer auf der Erde, machte die Blumen der
     Empfindung, machte deine Blumen,
          Lächelnder Phantasus, alle welken.

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Du kommst mit neuen stärkenden Labungen,

Willkommen sey, ambrosischer Abend, mir!
     Von deinen Fittigen gehoben,
          Hebet sich neu mir der Seele Fittig.

Und das Beherrschte herrschet in mir, und hat

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Sein Recht, und schaut mit nimmer gefangnem Blick

     Hin in der Schöpfung Weite, die sich
          Dankend und feyernd mit mir emporhebt.

[26]

O stille Wege heiliger, reinerer
Natur! Entbundne säuselnde Lüfte, wer

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     Gab euch verstummten euern Athem,

          Erde, dein milderes Licht dir wieder?

So drückt die Leidenschaft den entwürdigten
Umwölkten Geist; die Dämpfe verfliegen, wann
     Mit ihrem stillen Mondenschimmer

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          Weisheit am Arme des Friedens winket.


Du wandelst dort, Selene, in herrlicher,
Bescheidner, stillgenugsamer Glorie,
     Und deine Silberleuchtung theilet
          Freundlich die Wellen des nahen Stromes.

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Der Bäume Wipfel tönen von Melodie;

Halb Trug, halb Wahrheit, schwärmen Gestalten durch,
     Ein Bild des Lebens, immer wechselnd
          Kommen und gehn sie, wie unsre Freuden

[27]

Hat ihres Friedens schöne Geheimnisse,

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Der mildern Reize bessere Segnungen

     Hier die Natur verbreitet? Sichtbar
          Wallt die Unsichtbare durch die Dämmrung.

Hörst du die Geistertritte? der Gang ist Gang
Der Gottheit; ihre Nähe verkündet mir

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     Der reine Duft; in Duft und Ahndung

          Schwebt und in dämmerndem Glanz mein Wesen.

Wo, von der Büsche dämmerndem Wölbungen
Umschirmt, der Strom sich krümmet, da tauch’ ich mich
     Hinunter jetzt; in deinem Lichte

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          Theil’ ich, Selene, mit dir die Wellen.


Den Reinen ziemt das Reine; vom Quelle soll
Die erste Spende dein, o Selene, seyn;
     Die zweite dein, Najade, die mich
          Lächelnd umschlingt, und umschlingend kühlet.

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O süße Lust! wie schmeichlerisch über mir

Die Wellen schlagen! Frohe Vergessenheit
     Der Tagesmühen schlürf’ ich, sauge
          Süßer nach drückender Last die Wollust!

Urreine Schönheit! Wann dem entbundenen

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Dem fesselfreien Geiste dein Quell sich einst

     Entschließt, in deinem Schooß nur werd’ ich
          Seliger mich und entzückter fühlen.

CONZ.