Allen Teichfischerei- und Aquarienbesitzern

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Textdaten
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Autor: Albert Johne
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Titel: Allen Teichfischerei- und Aquarienbesitzern
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 859
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[859] Allen Teichfischerei- und Aquarienbesitzern dürfte die Mittheilung einer interessanten Beobachtung zur Warnung und Beachtung dienen, die ich im Laufe der letzten Zeit in meinem Aquarium zu machen Gelegenheit hatte.

In mein üppig und munter gedeihendes Aquarium verpflanzte ich im Anfange des Herbstes d. J. vier Exemplare des bekanntlich in unseren Teichen gemeinen, gelbrandigen Tauchkäfers oder Gelbrandes, drei Männchen und ein Weibchen, die sich lustig und munter unter der übrigen Thierwelt desselben, Goldfischen, Wassermolchen und verschiedenen Schnecken, herumtummelten und nicht wenig zur Belebung der Scenerie beitrugen. Ihre Nahrung bestand, wie die der Fische, in Semmel, Ameiseneiern, Würmern, Fliegen u. s. f. und wurde Alles anscheinend gern verzehrt.

Da bemerkte ich eines Tages, nachdem mir schon früher ein Goldfisch spurlos verschwunden war, wiederum einen derselben (circa 3 Zoll lang) todt am Boden liegend, den Kopf abgefressen, die Bauchhöhle ausgenagt, aber keinen der Käfer dabei, die ich trotzdem sofort wenigstens für die Consumenten des Fisches betrachtete. Ich glaubte, derselbe sei aus irgend welchen Gründen gestorben und erst todt den Käfern zur willkommenen Beute geworden, da es mir unwahrscheinlich schien, daß die kleinen, circa 1 Zoll langen Thiere die viel stärkere und beweglichere Beute, die überdies noch Gelegenheit hatte, in dem Gewirre der Wasserpflanzen zu entkommen, bewältigt haben könnten.

Von jetzt an beobachtete ich daher die Burschen in ihrem Thun und Treiben etwas genauer und bemerkte denn, daß dieselben allerdings hier und da Gelegenheit nahmen, mit den schwerer beweglichen Schnecken, besonders den Sumpf-Schlammschnecken anzubinden, was indeß in so fern seine Schwierigkeiten hatte, als sich dieselben beim Herannahen der kleinen Unholde sofort in ihr Gehäuse zurückzogen. Namentlich saugten sich die genannten großen Sumpfschnecken sofort fest an die Glaswand des Gefäßes an, und es war dann nicht uninteressant, zu sehen, wie emsig und gierig der Gelbrand seinen unangreifbar gepanzerten Gegner umkreiste und überall mit einer fast wühlend zu nennenden Bewegung des Kopfes anstieß, um Blößen desselben zu entdecken.

Hatten mich diese Wahrnehmungen schon auf die Vermuthung gebracht, daß die Käfer doch vielleicht auch die eigentlichen „Raubmörder“ meines Goldfisches gewesen sein mochten, so wurde mir dies jüngst zur Gewißheit, als ich zu meinem Schrecken wahrnahm, daß ihnen wiederum ein Goldfisch, und zwar ein reichlich fünf Zoll langes, schönes, kräftiges Thierchen, zum Opfer gefallen war. Derselbe schwamm zwar noch anscheinend lebend herum, aber Augen und Vordertheil des Kopfes waren abgefressen. Todt war der Fisch den Käfern, die allein nur der Unthat fähig waren, also nicht zur Beute geworden, dieselben mußten ihn überfallen und lebend so schrecklich verstümmelt haben. Selbstverständlich wurden nach solcher Aufführung die frechen Gesellen baldmöglichst exmittirt.

Was hier im Kleinen geschah, dürfte sich natürlich im Fischteich täglich wiederholen und die Erklärung dafür abgeben, daß in manchen Teichen junge Fische, Fischsatz, nicht gedeiht, sondern allmählich und spurlos darin verschwindet. Es dürfte gerathen sein, hierbei auf das Vorkommen genannten Käfers zu achten und, wird derselbe, wie es vorkommt, in größeren Mengen getroffen, ihn durch ein- oder mehrjähriges Trockenlegen und Auswintern des Teiches zu vertilgen. – Es war mir interessant, nach dieser Richtung hin bereits die beifällige Ansicht eines anerkannt tüchtigen Praktikers in der Teichfischerei, des Administrators des Rittergutes Sahlis-Rüdigsdorf, Herrn Inspector Schimpf, zu hören, der die Schädlichkeit des Gelbrandes schon aus Erfahrung kennen gelernt hatte.

Für Besitzer von Aquarien diene aber zur Warnung, niemals den gelbrandigen Tauchkäfer in ein solches aufzunehmen, da sie zwar wesentlich zur Belebung, aber niemals zum Gedeihen desselben beitragen.

Rochlitz.
Johne.