Am Jahresschluß

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Autor: Victor Blüthgen
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Titel: Am Jahresschluß
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 52, S. 892
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[892]
Am Jahresschluß.

Bald schließt der zwölfte Glockenschlag
Die letzte Jahresstunde,
Jetzt schlafe, was da schlafen mag,
Wir stehn in froher Runde,
      Es klopft das Herz, es dampft das Glas,
      Bei kräft’gem Wörtlein leert sich’s baß –
Verbrennt Euch nicht die Lippen
Mit Nippen!

Stoßt an! Wem gilt der erste Schluck?
Dem Frieden, der uns segnet.
Dem Kriegsgelüst mit festem Druck
Ward noch ein Jahr begegnet!
      Schwing fürder deinen Palmenzweig,
      Und aus der Heimathscholle steig’
Dem Fleiß ein neuer Segen
Entgegen!

Stoßt an! Mein Spruch zum zweiten spricht:
Ein voller Schluck der Treue,
Die Liebe, Freundschaft, Recht und Pflicht
Gewahrt mit frommer Scheue.
      In allem Glück die Sicherheit.
      Der beste Stab in Noth und Leid!
Bleib’ er im Weiterwallen
Uns allen!

Stoßt an! Wem gilt der dritte Gruß?
Dem tapfern Muth im Streben,
Der wehrhaft und mit festem Fuß
Hinschreitet durch das Leben.
      Ihn lähmt nicht Sorg’ noch Widerdrang,
      Er findet Weg für jeden Gang –
Will ihm das Heut nicht borgen,
Zahlt’s Morgen.

Stoßt an! Und wem der vierte Schluck?
Der Hoffnung frohgemuthet,
Die wie ihr immergrüner Schmuck!
Mit keinem Tod verblutet.
      Zerrinnt die Gegenwart zu Schaum,
      Sie rettet uns den schönen Traum
Und winkt uns traut im Stillen
Erfüllen.

Und wenn uns bleiben diese Vier,
Mich dünkt, wir können’s wagen,
Daß heiter unsre Bürde wir
Zwölf Monde weiter tragen.
      Zum guten Schluß die Gläser klar –
      Es schlägt – fahr wohl, du altes Jahr!
Behüt uns Gott mit Treuen
Im neuen!

Victor Blüthgen.