An den Schlaf (Zerstreute Blätter)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Johann Gottfried Herder
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: An den Schlaf
Untertitel:
aus: Zerstreute Blätter (Dritte Sammlung) S. 68-70
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1787
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Gotha
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Zerstreute Blaetter Band III 068.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[68]

  
               An den Schlaf.

     Gott des Schlafes, Freund der Ruh,
Dessen dunkle Schwingen
Uns in sanftem, süßem Nu
Zu den Auen bringen,

5
Die ein schöner Licht erhellt,

Wo in einer andern Welt
Harmonieen klingen.

     Freund der Menschen, holder Gott!
Unser halbes Leben

10
Ward, dem Ungemach zum Spott,

Deiner Hand gegeben.
Und sie herrscht im Reich der Ruh;
Purpurblumen lässest du
Auf uns niederschweben.

[69]
15
     Schönbekränzter Jüngling, sei

Sei auch mir willkommen,
Der so oft dem Sklaven treu
Seine Last entnommen,
Der die Fessel ihm zerschlug

20
Und durch neuen süssen Trug

Sein Gemüth entglommen.

     Meiner Hoffnung Flügel hebt
Sich nur noch in Träumen.
Du der sie mit Muth belebt,

25
Warum willt du säumen?

Komm mit deiner süßen Macht:
Laß, wie in der letzten Nacht,
Mich Verwandlung träumen.

[70]

     Denn seit Psyche niedersank

30
Aus des Himmels Auen,

Sehnt sie sich Aeonenlang
Wieder aufzuschauen;
Und dem Flügel, den sie regt,
Den sie, ach zerknickt! bewegt,

35
Mag sie nimmer trauen.


     Holder Schlaf, mit Deinem Thau
Heilst du ihre Schwingen,
Muthig auf zur Lebensau
In das Land zu dringen,

40
Wo in reinem süßem Ton – –

Augen sinkt! Ich höre schon
Harmonieen klingen.