Die Wassernymphe

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Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Die Wassernymphe
Untertitel:
aus: Zerstreute Blätter (Dritte Sammlung) S. 71-73
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1787
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
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Zerstreute Blaetter Band III 071.jpg
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[71]

   
          Die Wassernymphe.

     Flattre, flattr’ um deine Quelle,
Kleine farbige Libelle,
Zarter Faden, zartbeschwingt.
Flieg’ auf deinen hellen Flügeln,

5
Auf der Sonne blauen Spiegeln,

Bis dein Flug auch niedersinkt.

     Deine längsten Lebenstage,
Fern der Freude, frei von Plage,
Hast du, Gute, schon gelebt.

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Als dich Wellen noch umflossen,

Als dich Hüllen noch umschlossen,
Waren sie dir leicht gewebt.

[72]

     Jetzt nach deinem Nymphenleben
Darfst du als Sylphide schweben,

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Wieweit dich der Zephyr trug.

Und du eilst mit muntern Kräften
Nur zu fröhlichen Geschäften:
Deine Liebe selbst ist Flug.

     Flattre, flattr’ um deine Quelle,

20
Kleine sterbliche Libelle,

Um dein Grab und Vaterland.
Eben in dem frohsten Stande
Fliegst du an des Lebens Rande;
Ist das meine mehr als Rand?

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25
     Einst wie dir wird deinen Kleinen

Auch die Sommersonne scheinen,
Gib der Quelle sie als Zoll.
Und erstirb; die matten Glieder
Seh ich, welken dir danieder:

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Schöne Nymphe, lebe wohl.